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Die Grossmächte müssens richten

Wer Zentralasien kontrolliert, kontrolliert Eurasien. Wer Eurasien kontrolliert, kontrolliert die Welt. Diese These stammt von Zbigniew Brzezinski, einem der einflussreichsten Strategen der US-Aussenpolitik und derzeit auch Berater von Präsident Barack Obama.

Südostschweiz
12.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Christian Weisflog

Das kleine Kirgistan ist nicht die wichtigste Figur in diesem Schachspiel. Die begehrten Erdöl- und Erdgasreserven liegen vor allem in Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan. Aber Kirgistan ist trotzdem ein Teil des neuen «Great Game». Es ist einerseits ein gutes Einfallstor für demokratische Werte.Gleichzeitig ist Kirgistan aber auch ein wichtiger Versorgungsknoten und Rückzugsraum für die US- und Nato-Operationen in Afghanistan. Da das Land internationale Finanzhilfe braucht, ist seine Regierung ein relativ verlässlicher Partner. Ihren Stützpunkt in Usbekistan mussten die USA räumen, nachdem Washington 2005 eine internationale Untersuchung des Massakers von Andischan gefordert hatte. Präsident Islam Karimow liess damals einen Volksaufstand blutig niederschlagen.Trotz grosszügiger internationaler Hilfe hat es Kirgistan jedoch nicht geschafft, einen funktionierenden Staat aufzubauen. Im Gegenteil, die ausländischen Gelder scheinen die verantwortungslose Elite nur noch mehr korrumpiert zu haben. Sie lässt sich abwechslungsweise von den Grossmächten aushalten, ohne sich um ihr eigenes Volk zu kümmern. Im Notfall schrecken die Politiker auch nicht davor zurück, ihre hungrigen Bürger der eigenen Macht wegen gegeneinander aufzuhetzen.Der schwache Staat und die verarmte Bevölkerung sind ein idealer Nährboden für das afghanische Krebsgeschwür, das sich via Tadschikistan ganz leicht Richtung Norden fressen kann. Dagegen gibt es nur ein Rezept: Die Grossmächte – vor allem die USA, Russland und China – müssen zusammenarbeiten. In einem ersten Schritt sollten sie eine internationale Untersuchung der ethnischen Unruhen in Südkirgistan mit harten Sanktionen für die Verantwortlichen durchsetzen. Leider aber ist ein solches Szenario derzeit wenig realistisch.

zentralredaktion@suedostschweiz.ch

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