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Der Mann, der am Anfang von Stoffels Karriere stand

Dem deutschen Unternehmer Hannjörg Hereth verdankt Remo Stoffel seinen Aufstieg in die Schweizer Hochfinanz. Doch jetzt bereut der frühere Metro-Manager, dass er den Churer Financier je zu Gesicht bekommen hat.

Südostschweiz
Sonntag, 04. März 2012, 01:00 Uhr

Von Hansruedi Berger

Lenzerheide. – Er hat ein bewegtes Leben hinter sich – der heute 76-jährige Hannjörg Hereth. 1936 in Gleiwitz, Oberschlesien, geboren, musste er zweimal mit seiner Familie vor den Kriegs- und Nachkriegswirren flüchten, zweimal verloren die Hereths ihr gesamtes Vermögen und mussten wieder bei null beginnen. Und seine Lebensgeschichte, aus der er der «Südostschweiz am Sonntag» an diesem Nachmittag in seinem Châlet auf der Lenzerheide erzählt, macht eines deutlich: Hannjörg Hereth zeigte sich schon in jungen Jahren leistungsfähig und liess sich auch nach Rückschlägen nicht von seinem Weg abbringen. Diese Eigenschaft zeichnet ihn noch heute aus.

Der grosse Mann bei der Metro

Doch blättern wir zurück: Nach seiner Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften – sein Studium hat er als Werkstudent selbst finanziert – begann Hereth seine Karriere in der deutschen Wirtschaft. Einen grossen Namen machte er sich dabei als Manager des Grosshandelskonzerns Metro, den er von Grund auf neu organisierte und schliesslich dessen Hauptsitz nach Zug verlegte. Mit der Metro zog auch Hereth in die Schweiz und nahm später die Schweizer Staatsbürgerschaft an.

Mitte 1994 kehrte Hereth der Metro den Rücken und begann seine zweite Karriere als selbstständiger Unternehmer. Unter anderem betreibt er heute eine Kaffeeplantage und eine Rinderzuchtfarm in Brasilien mit über 300 Mitarbeitern. In den USA besitzt er eine Spezialfirma für besondere Metallhärtungsverfahren. Aktiv ist er auch in Europa: So führt er in Deutschland eine Firma für altersgerechte Sanitäreinrichtungen.

Auch in seinem Privatleben trat in den Achtzigerjahren eine entscheidende Veränderung ein. 1983 lernte er seine Frau Myrtha Hereth auf einem Flug von Kopenhagen nach Zürich kennen – die gebürtige Schweizerin aus dem Kanton Zug war damals Swissair-Stewardess. 1986 heirateten die beiden. Zur Familie gehören zwei Töchter und ein Sohn.

Es begann mit einer Police

Auf der Lenzerheide lernte Hereth vor gut zehn Jahren auf Empfehlung Remo Stoffel kennen, und schnell verbanden die beiden auch geschäftliche Beziehungen. Den Anfang machte eine Lebensversicherung der Genfer Versicherungen, die Stoffel – damals als Versicherungsmakler tätig – Hereth vermittelte. Diese warf bedeutend mehr Profit ab als vergleichbare Papiere der Konkurrenz. Mehr noch: Stoffel schlug für Hereth gar noch einen Zusatzgewinn heraus und gab den Bonus, ohne selbst eine Provision abzuzweigen, umgehend weiter. Hereth war beeindruckt. «Stoffels Zielstrebigkeit, sein Verhalten erinnerte mich ein wenig an meine Jugend und mein damaliges Verhalten.» Er beschloss daher, den jungen Unternehmer zu fördern.

Aufstieg in die Millionärsliga

Dazu gab es bald Gelegenheit, denn im Konkursverfahren der Swissair wurden die Vermögenswerte der Fluglinie versteigert. Und darunter befand sich ein ganz besonderes Schnäppchen: die Avireal. Im Portefeuille der Gesellschaft befanden sich neben verschiedenen Dienstleistungsunternehmen für den Flugbetrieb auch die Swissair-Immobilien auf dem Zürcher Balsberg nahe des Flughafens Zürich. Zusammen machten die beiden bei der Versteigerung das Rennen. Dabei spielte Hereth die entscheidende Rolle: Denn erstens war er als tüchtiger Manager bekannt, und zweitens verfügte er auch über die notwendige finanzielle Potenz. Zu Hereths Überraschung tauchte mit René Schmid plötzlich ein dritter Gesellschafter auf, wie Stoffel ein gebürtiger Valser. Die Übernahme der Avireal erwies sich schon nach kurzer Zeit als ein Bombengeschäft. Den Kaufpreis von rund 300 Millionen Franken konnten die drei allein durch die Erhöhung der Hypothekarbelastung der Avireal-Liegenschaften aufbringen. Mit einem einzigen Deal stiegen so Stoffel und Schmid zu Hereth in die Millionärsliga auf.

Doch Hereth konnte sich an seinem neusten Unternehmen nur kurze Zeit freuen. Die Partner zerstritten sich. Insbesondere von Stoffel fühlte sich Hereth hintergangen. Es ging um Verschiebungen von Millionenbeträgen, mit denen sich Stoffel laut Hereth unrechtmässig bereichert hatte, und letztlich um die Macht über die Avireal. Stoffel wies jegliche Schuld von sich. Zahllose Gerichtsverfahren folgten, reich wurden nun auch noch die Anwälte der beiden.

Schliesslich gab Hereth aus persönlichen Gründen, wie er sagt, auf. In einem Entflechtungsvertrag wurde sein Ausscheiden aus der Avireal und die Höhe der Ablösesumme geregelt. Trotzdem musste am Schluss auf Betreiben von Hereth noch ein Schiedsgerichtsverfahren beigezogen werden, weil sich die beiden Kontrahenten auch hinsichtlich der korrekten Ausführung der Entflechtungsvereinbarungen uneinig waren. Mit dem Schiedsgerichtsurteil vom vergangenen Dezember scheint die Auseinandersetzung zwischen Stoffel und Hereth zumindest in der Schweiz vom Tisch zu sein (siehe Kasten).

Das Finale steht noch aus

Doch im Fürstentum Liechtenstein geht der Streit zwischen Hereth und Stoffel weiter. Da diverse Finanztransaktionen über das Ländle gelaufen sind, wurden auch dort die Gerichte in der Angelegenheit Hereth gegen Stoffel bemüht. In einem Zivilgerichtsverfahren sind Hereth in erster Instanz rund 6,1 Millionen Franken zugesprochen worden. Umgehend hat Stoffel das Urteil weitergezogen.

Und auch die Bank Bär, zu der Stoffel seinen damaligen Partner gebracht hatte, ist inzwischen ins Visier von Hereth geraten. Denn diese soll nicht autorisierte Überweisungen von seinem Konto in Millionenhöhe vorgenommen haben. Dies soll laut Hereths Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Zürich über Bankaufträge von Stoffel geschehen sein, der dazu keine Berechtigung gehabt habe. Hereths Strafanzeige lautet auf ungetreue Geschäftsbesorgung, Veruntreuung und Geldwäsche. Die Bank Bär weist jede Schuld von sich.

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