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Der Leuchtturm vom Oberalp sorgt für heisse Diskussionen

Symbolträchtig lädt Sedrun Disentis Tourismus morgen, am Vorabend des Gotthard-Durchstichs, zur Eröffnung des «Rheinquelle»-Leuchtturms auf den Oberalppass. Nun wird von grüner Seite Kritik am Projekt laut.

Südostschweiz
13.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Denise Alig

Disentis/Sedrun. – «In Form eines nächtlichen Spektakels» wird morgen Abend um 22 Uhr beim Informationszentrum «Rheinquelle» auf dem Oberalppass ein zehn Meter hoher Leuchtturm aus Stahl eingeweiht. So kündigt Roger A. Fischer, Interimsdirektor von Sedrun Disentis Tourismus (SDT), in der Einladung das Ereignis an, das bewusst auf den Vorabend des Gotthard-Durchstichs vom Freitag gelegt wurde. So unternimmt die Destination Sedrun Disentis nach der Eröffnung des Informationszentrums im vergangenen Juli einen weiteren Schritt zur Vermarktung der Rheinquelle – als eine von mehreren Varianten zur Kompensation der wirtschaftlichen Einbussen, die aus der Auflösung der Neat-Baustelle im Jahr 2017 resultieren werden. Beim Leuchtturm handelt es sich um eine nahezu originalgetreue Nachbildung jenes 14 Meter hohen Leuchtturms, der während 70 Jahren an der Rheinmündung in Rotterdam (Niederlande) gestanden hatte.

«Ein Leuchtturm gehört ans Meer»

Die Pläne von Sedrun Disentis Tourismus, die gestalterisch und technisch von der Firma Steiner in Sarnen (Obwalden) umgesetzt werden, stossen allerdings nicht überall auf Gegenliebe. «Ein Leuchtturm zu reinen Werbezwecken hat auf dem Oberalp nichts verloren – das ist unnatürlich und widerstrebt unseren Bestrebungen, dass im Gebirge nur in die Landschaft eingepasste Bauten erstellt werden sollen», sagte Pia Tresch von der Pro Natura Uri gegenüber der «Luzerner Zeitung». Annalise Russi von den Urner Grünen formulierte es so: «Ein Leuchtturm gehört ans Meer, nicht auf einen Alpenpass.» Weiter kritisieren Tresch und Russi – ebenso wie Pro Natura Graubünden – dass ihre Organisationen von den Projektpromotoren vorgängig nicht informiert worden seien und nur aus zweiter Hand vom Vorhaben erfahren hätten.

«Wir waren schrecklich in Zeitnot»

Projektleiter Hanno Wyss von der Firma Steiner räumte gestern gegenüber der «Südostschweiz» ein, es seien in einer ersten Phase vor allem die politischen Entscheidungsträger kontaktiert worden: «Wir wollten den Leuchtturm unbedingt gleichzeitig mit dem Gotthard-Durchstich aufstellen, dann, wenn die gesamte Weltpresse in Sedrun ist», so Wyss. Dabei sei man «schrecklich in Zeitnot geraten», sodass man weitere betroffene Kreise nicht mehr habe orientieren können. «Das war sicher nicht optimal, sodass wir den Ärger der Umweltorganisationen nachvollziehen können», erklärte Wyss. Man befinde sich jedoch erst in der Vorprojektphase. «In das Hauptprojekt werden wird die Umweltverbände sicher einbeziehen.» Es sei selbstverständlich, dass man auch deren Meinung hören wolle und ernst nehme.

Nur eine provisorische Bewilligung

Für den Leuchtturm liegt erst eine provisorische Bewilligung vor, wie Wyss weiter sagte. Das Hauptprojekt, für das die Gemeinde Sedrun einen Zonenplan erstellen muss, stecke erst in den Anfängen. Es sei jedoch bereits aus heutiger Sicht unbestritten, dass die besonders sensiblen Moorgebiete auf dem Oberalppass geschützt bleiben müssten. «Es ist selbstverständlich, dass unser Projekt den Ansprüchen des Natur- und Umweltschutzes gerecht werden muss», sagte Wyss. Kernstück des Hauptprojektes ist das Vorhaben, im Jahr 2012 auf dem Oberalp einen Original-Rheinfrachter zu platzieren. Dies, nachdem man diesen zwischen Rotterdam und Basel als Botschafter der Rheinquelle auf die Reise geschickt und dann – in Stücke zerteilt via Schöllenenschlucht- nach Sedrun gebracht hatte.

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