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Der Lehrermangel im Kanton Glarus erfordert Notlösungen

In der ganzen Schweiz fehlen Fachlehrkräfte. Auch der Kanton Glarus hat darunter zu leiden. Kurz vor den Sommerferien werden in Glarus Nord noch Lehrer gesucht. Und in Glarus Süd machte die Not erfinderisch.

Südostschweiz
30.06.11 - 02:00 Uhr

Von Lidia Peters

In den Schulen von Glarus Nord drängt die Zeit. Es werden immer noch Fachlehrkräfte im Bereich Englisch und Französisch gesucht. Laut Marie-Hélène Stäger, Rektorin in Glarus Nord, müssen noch ein grösseres und zwei kleinere Pensen besetzt werden. Die Schulleitung ist intensiv am Suchen. «Es bewirbt sich leider niemand mehr. Daher machen wir den ersten Schritt und gehen proaktiv auf uns bekannte Lehrpersonen zu.»

Auch im Bereich Sonderpädagogik gibt es schweizweit noch nicht genügend Fachpersonal. Als Übergangslösung werden in Glarus Nord Lehrkräfte ohne die entsprechende Zusatz-ausbildung eingestellt und anschliessend weitergebildet. «Auf uns wartet sehr viel Arbeit», resümiert Stäger.

Stellvertreter werden fest angestellt

Die Schule in Glarus Nord muss flexibel sein. Dies zeigt eine Situation in der Sekundarstufe. Dort wurde eine Klassenlehrerin eingestellt, die ihre Ausbildung erst in einem halben Jahr beendet. Bis dann übernimmt eine Stellvertretung ihren Posten. «Wir haben Lehrkräfte, die sonst als Stellvertreter einspringen, für verschiedene Pensen fest angestellt», so Stäger. Der Nachteil liegt auf der Hand: die «Ersatzlehrer» fehlen im nächsten Schuljahr als Stellvertretung.

Des Weiteren haben Studenten kleinere Jahrespensen erhalten. «Studierende haben wir schon öfters bei Engpässen eingesetzt, jedoch nie für ein ganzes Schuljahr», erklärt Stäger.

Auch in Glarus Süd wurden vor rund zwei Monaten relativ viele Lehrpersonen gesucht. Laut Peter Zentner, Schulleiter der Oberstufe, konnten fast alle Lücken gefüllt werden. «Es sind noch 14 Lektionen offen», erklärt er. Die letzten Vorstellungsgespräche seien jedoch im Gange.

Dem Schulleiter fiel es schwer so viele Lehrpersonen für die Oberstufe zu finden. Daher wurden zum Teil Lehrer ohne die entsprechenden Lehrerausbildung eingestellt. «Es haben aber immerhin alle Bewerber eine ähnliche Ausbildung absolviert», meint Zentner.

Nur Glarus nicht unter Druck

Auch in der Primarstufe Glarus Süd sind kleinere Pensen zu vergeben. «Die Anzahl ist jedoch nicht erschreckend hoch. Es sind vor allem Stellvertretungen, die schwierig zu finden sind», meint Martin Staub, Hauptabteilungsleiter der Schule.

Die Gemeinde Glarus scheint hingegen als einzige nicht unter Zeitdruck zu stehen. «Da wir uns der Problematik bewusst sind, haben wir schon sehr früh mit der Lehrersuche begonnen. Somit konnten wir die Herausforderung elegant meistern», meint Martin Bilger, Leiter der Bildungsabteilung Glarus.

Bessere Anstellungsbedingungen

Nicht nur im Glarnerland herrscht Lehrermangel. In der ganzen Schweiz werden Fachlehrkräfte gesucht. Um das Problem zu lösen, fordert der Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer attraktivere Anstellungsbedingungen. Die Löhne sollen den hohen Berufsanforderungen entsprechen.

So habe die diesjährige Salärvergleichsstudie von Pricewaterhouse Coopers gezeigt, dass die Löhne in Berufsfeldern mit gleichem oder ähnlichem Anforderungsprofil im Vergleich zu den Lehrerlöhnen um 10 bis 85 Prozent höher lägen. Während die Ausbildung der Lehrkräfte länger geworden und die Anforderungen an sie gestiegen seien, sei die Lohnentwicklung für sie ungenügend geblieben.

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