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Der Heimatschützer tauscht die Perspektive

Jürg Ragettli stellt sich neuen Herausforderungen: Der Präsident des Bündner Heimatschutzes wird Stadtarchitekt in Buchs. In der Rheintaler Gemeinde warten planerische Herausforderungen auf den Churer Architekten.

Südostschweiz
13.10.10 - 02:00 Uhr
Zeitung

Von Olivier Berger

Chur/Buchs. – «Ja», gibt Jürg Ragettli unumwunden zu, «das ist schon ein bisschen ein Wechsel der Fronten.» Tatsächlich wird der 49-jährige Bündner ab dem 1. Januar 2011 das Bauen aus einem vollkommen neuen Blickwinkel betrachten: Der langjährige Präsident und Geschäftsführer des Bündner Heimatschutzes wird Stadtarchitekt von Buchs (St. Gallen).Als Behördenmitglied wird Ragettli künftig anders mit Bauvorhaben umgehen müssen, als er dies als Heimatschützer getan hat. «Andererseits», glaubt er, «kann ich vielleicht auch einige meiner Anliegen und Erfahrungen in meine neue Tätigkeit hineintragen.» Die Buchser Behörden seien sich zudem bei seiner Wahl bewusst gewesen, «was ich bisher gemacht habe und wie ich denke».

Grosse planerische «Brocken»

Dass es den Ästheten Ragettli ausgerechnet nach Buchs zieht, das nicht unbedingt für ein malerisches Ortsbild und architektonische Glanzlichter bekannt ist, erstaunt einigermassen. Über seine neue Wirkungsstätte mag sich der Architekt allerdings nicht äussern. «So gut kenne ich Buchs noch nicht, dass ich mir ein Urteil erlauben könnte.»Den Ausschlag für den Wechsel an die Spitze der Buchser Bauverwaltung haben aber durchaus die Zukunftsaussichten in der Gemeinde im Rheintal gegeben. «Neben Verwaltungstätigkeiten kommen auch einige reizvolle planerische Aufgaben auf mich zu», erklärt Ragettli. Der Buchser Gemeindepräsident Daniel Gut bestätigt diese Einschätzung. Auf die Gemeinde kämen einige Projekte zu, bei welchen sich Ragettli werde einbringen können, betont er.Tatsächlich nimmt Buchs derzeit gleich einige planerische Grossaufgaben und deren Umsetzung in Angriff. Noch bis Mitte kommenden Jahres läuft die Revision der Richtplanung, danach wird die Änderung der Zonenpläne an die Hand genommen. Zudem will die Gemeinde laut Gut eine «industrielle Brache» beim Bahnhofareal umnutzen, «und an der Bahnhofstrasse stehen drei grössere Bauvorhaben an». Und schliesslich denkt man in Buchs über eine verdichtete Bauweise nach – laut Gut alles «spannende Fragestellungen, welche über eine reine Verwaltungstätigkeit hinausgehen». Man habe sich deshalb «bewusst für einen Architekten als Chef der Bauverwaltung entschieden».

Die Nachfolge ist halb geregelt

Beim Bündner Heimatschutz kommt es wegen Ragettlis Wechsel nach Buchs zu Änderungen an der Spitze. Bereits Anfang kommenden Monats wird Ludmila Seifert die Geschäftsführung des Vereins übernehmen. Ein neuer Präsident dagegen dürfte erst im Frühsommer 2011 gewählt werden, wie Ragettli erklärt. «Das ist bereits aufgegleist, aber noch nicht spruchreif.»Ragettli glaubt, dass die Änderungen bei Präsidium und Geschäftsleitung dem Heimatschutz guttun werden. Dies nicht zuletzt, weil Seifert als Kunsthistorikerin einen anderen Hintergrund mitbringe als er. «Ein Geschäftsführer und ein Präsident», sagt er, «prägen durch ihre Arbeit immer auch die Ausrichtung des Vereins.»

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