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«Der Bundesrat steht hinter den Olympischen Spielen»

Der Entscheid des Bundesrates, viel Geld für Olympische Winterspiele in Graubünden lockerzumachen, freut die Promotoren sowie die Tourismusverantwortlichen in Davos und St. Moritz. Nicht aber die Gegner des Grossanlasses.

Südostschweiz
06.09.12 - 02:00 Uhr

Von Dario Morandi

Chur. – Die Bündner Regierung hält sich (noch) bedeckt, was sie vom Angebot des Bundesrats hält, die 60 Millionen Franken teure Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 in Graubünden mit 30 Millionen Franken zu unterstützen. Das gilt auch für die Zusicherung der Landesregierung, sich am Defizit der Spiele, die etwa 2,8 Milliarden Franken kosten werden, mit einer Milliarde Franken zu beteiligen. Die Regierung werde sich dazu erst am kommenden Montag äussern, wenn sie die Olympiabotschaft zuhanden des Grossen Rates präsentiere, liess der zuständige Regierungsrat Hansjörg Trachsel gestern ausrichten.

Ein starkes Zeichen

Für die Olympiapromotoren ist der Entscheid des Bundesrates «ein positives, ein starkes Zeichen zugunsten unseres Projektes». So jedenfalls formulierte es Christian Gartmann, Kommunikationsleiter des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden 2022. «Es zeigt, dass der Bundesrat gewillt ist, ein Entwicklungsprojekt im Alpenraum voranzutreiben.» Für ihn ist es weiter ein Signal, «dass der Bundesrat hinter Olympischen Winterspielen in Graubünden steht».

Keine Freude herrscht hingegen im Komitee Olympiakritisches Graubünden. Für dessen Leiter, Stefan Grass, sind die 60 Millionen Franken für das Bewerbungsdossier «falsch investiertes Geld». Seiner Meinung nach würde man diese Mittel angesichts der rückläufigen Gästezahlen im Fremdenverkehr besser in die allgemeine Tourismusförderung investieren. «Anstatt in eine Bewerbungskampagne, die höchstwahrscheinlich an den hohen Erwartungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) scheitern wird.»

Die Chancen sind intakt

Dem widerspricht Promotoren-Sprecher Gartmann: Die Chancen der Kandidatur seien nach wie vor intakt. «Im IOC sieht man in unserer Kandidatur einen innovativen Ansatz», sagte er. Dies, weil die Spiele in Graubünden in bereits hochentwickelten Gebieten mit den zwei grossen Wintersportorten Davos und St. Moritz geplant würden. «Graubünden hätte die 30 Millionen Franken vom Bund ohne Olympische Spiele nie bekommen», gab er zu bedenken.

Das Budget ist zu knapp bemessen

Auch hinter die Defizitzusicherung des Bundesrates setzt Grass vom Olympiakritischen Komitee Fragezeichen. Das Budget von 2,8 Milliarden Franken für die Durchführung der Spiele sei ohnehin zu knapp bemessen. «Die Olympischen Spiele werden sicher weit mehr kosten als geplant», so Grass. Als Beispiel nennt er die Kandidatur der Ukraine, die gemäss seinen Angaben mit Kosten in Höhe von zehn Milliarden Franken rechnet.

Als unschön bezeichnet er die Tatsache, dass die Schweizer Bevölkerung nicht direkt über die Olympiapläne des Bundes abstimmen kann. Grass rechnet damit, dass es bei der Beratung der bundesrätlichen Olympiabotschaft im National- und Ständerat «noch einige Diskussionen geben wird».

Mit dem Dialog beginnen

In Davos und in St. Moritz ist der Entscheid des Bundesrates mit Genugtuung zur Kenntnis genommen wor-den. Ariane Ehrat, Geschäftsführerin der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz: «Wir freuen uns sehr über die Haltung des Bundesrates.» Für sie kommt der Entscheid zum richtigen Zeitpunkt. Er sei ein klares Bekenntnis zur Vision mit weissen Spielen und der damit verbundenen Rückkehr des olympischen Wintersportes in die Berge.

Graubünden habe nach der Nomination durch Swiss Olympic eine weitere wichtige Hürde nehmen können, so Ehrat weiter. Nach der Zusicherung der finanziellen Beteiligung des Bundes könne jetzt der Dialog über die Durchführung der Winterspiele mit der Bündner Bevölkerung beginnen.

Chur. – Morgen Freitag widmet sich das 15. Wirtschaftsforum Südostschweiz dem Thema Olympische Winterspiele. Der Anlass unter dem Titel «Olympia in Graubünden – Wunsch, Wille oder Wahn?» beginnt um 13.30 Uhr in der Eventhalle an der Gehla auf dem Areal der Oberen Au in Chur. Verschiedene Persönlichkeiten aus den Bereichen Sport, Tourismus und Wirtschaft gehen unter anderem der Frage nach, ob ein solcher Grossanlass für Graubünden in einem für Umwelt und Wirtschaft vernünftigen Rahmen überhaupt machbar ist. (so)

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