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Den Seen und Flüssen geht das Wasser aus

Die hohen Temperaturen und spärlichen Niederschläge wirken sich negativ auf die Wasserlandschaft Graubündens aus. Bleibt der Regen weiterhin aus, könnte es zu Problemen kommen – wovon Fachleute allerdings nicht ausgehen.

Südostschweiz
Donnerstag, 12. Mai 2011, 02:00 Uhr

Von Stefanie Studer

Chur. – Der Anblick des Caumasees schockiert: Die Insel im Zentrum des Sees, welche normalerweise von türkisblauem Wasser umspült wird, konnte gestern praktisch trockenen Fusses erreicht werden. Der Pegel lag laut Messungen der Gemeinde Flims bei rund 992,7 Metern über Meer und somit etwa 3,5 Meter unter dem Höchststand im Sommer 2010. In diesem Jahr sei er etwas tiefer als üblich zu dieser Zeit, jedoch nicht im Extrembereich. Marco Maranta vom Bauamt Flims erklärt den tiefen Pegelstand des Sees so: «Genau wie in anderen Jahren hat er sich entleert, weil er noch mit Wasser gespiesen wurde.»

Speicherseen gleichen Tiefstand aus

Nicht nur der Caumasee weist einen tieferen Pegel als in anderen Jahren auf. Andreas Cabalzar, Abteilungsleiter Landschaft und Pärke des Amts für Natur und Umwelt Graubünden, sieht darin jedoch kein Anzeichen für einen Wassermangel. «Unsere Seen und Flüsse sind stark von unseren Speicherseen beeinflusst.» Wie viel Wasser sich zurzeit noch in den Speicherseen befinde, wisse er allerdings nicht genau. Selbstverständlich hoffe er aber auf Regen, der die Reserven wieder fülle.

Auch die Grundwasserstände sind laut Cabalzar relativ tief. Die Grundwasserkarte des Amts für Natur und Umwelt zeigt, dass sich das Grundwasser auf der Alpensüdseite bei Roveredo und Poschiavo auf einem Tiefstand befindet (http://mapserver1.gr.ch/grundwasser/grundwasser.phtml). Die Zahlen seien aber nicht besorgniserregend, so Cabalzar.

Jungbäume brauchen Bewässerung

Die anhaltende Trockenheit beschert auch dem Gartenbau reichlich Arbeit. Alex Jost, Leiter des Gartenbauamts der Stadt Chur, dazu: «Wir haben schon einen grösseren Aufwand als in anderen Jahren.» Seine Arbeiter bewässern seit Tagen vor allem die jungen Bäume, um sie durch den trockenen Frühling zu bringen. Und verbrauchen damit rund 5000 Liter Wasser pro Tag. «Ich erinnere mich noch gut an den trockenen Sommer im Jahr 2003. Dass es aber bereits im Frühling so warm war, das habe ich nie erlebt.»

Regen ist erwünscht und befürchtet

Einige Bündner Gemeinden hätten ihre Einwohner aufgefordert, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen, meint Cabalzar. Der Wetterbericht stimme ihn allerdings zuversichtlich, dass die Trockenheit bald ein Ende habe. Laut den Meteorologen von Meteotest kommt es nämlich bereits heute Nachmittag zu ersten Regenschauern. Morgen stabilisiere sich das Wetter dann, bevor es am Samstag zu intensiven Niederschlägen kommen könne.

Laut Cabalzar sind einige Tage Regen nötig, um das Defizit der Wasserstände auszugleichen. Starkniederschlag sei allerdings ein Problem, da der Boden das Wasser nicht so rasch aufnehmen und Hochwasser zur Folge haben könne. Er wolle aber nicht vom Schlimmsten ausgehen und hoffe, dass sich die Lage entspanne. So sei es auch in anderen Jahren gewesen.

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