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Debütant Gianluca Hossmann: «Mein schönster Tag»

Gianluca Hossmann hat am vergangenen Sonntag seine bisherige Sternstunde als Fussballer erlebt. Der 19-jährige GC-Junior durfte erstmals in der Super Leage ran (0:1 bei den Young Boys). Der Thusner hofft auf eine Profi-Laufbahn.

Südostschweiz
Sonntag, 07. November 2010, 01:00 Uhr

Von Johannes Kaufmann

Fussball. – Gianluca Hossmann geizt nicht mit verbalen Superlativen, wenn er auf den vergangenen Sonntag zu sprechen kommt. «Es war mein schönster Tag als Fussballer», sagt der 19-jährige, der seit drei Jahren der Nachwuchsakademie des Grasshopper-Club Zürich angehört. An diesem Tag war Hossmann indes nicht mehr der namenlose Nachwuchskicker, der vor 200 Zaungästen mit der U21-Equipe in der 1. Liga am Ball ist, sondern die Bühne hiess plötzlich Super League, Stade de Suisse, über 20 000 Zuschauer. Zum Glück für Hossmann wurde die Sperre des etatmässigen Rechtsverteidigers Paolo Menezes. Da habe er sich Chancen ausgerechnet, erstmals überhaupt ins 18-Mann-Aufgebot des Rekordmeisters aufzurücken, gesteht Hossmann. «Am Samstag nahm mich Herr Sforza zur Seite und sagte, dass ich spielen werden», schildert er die für ihn historischen Ereignisse. Und wie stand es mit der Nervosität? «Die war am Freitag vor dem Kaderentscheid grösser als vor dem Spiel», sagt Hossmann. So kam es dann zur Rarität, dass mit Hossmann und YB-Spieler Senad Lulic (früher Chur 97) gleich zwei Akteure aus der Bündner Fussballprovinz im selben Super-League-Spiel aufliefen.

Beim Tor zu spät dran

Hossmann wurde am Tag danach in den Medien ein durchaus ordentliches Debüt bescheinigt. Beim Tor des Tages von Henri Bienvenu zum 1:0 für die Berner, kam Hossmann freilich zu spät. Er sagt: «Es geht alles viel schneller in der Super League. Bienvenu kam von hinten, ich sah ihn nicht – und prompt kam ich zu spät.»Im finanziell chronisch klammen früheren Nobelklub wird die Nachwuchsförderung in den letzten Jahren zwangsläufig grossgeschrieben. Zum Vorteil von Hossmann, der seit zweieinhalb Monaten fix in den Trainingsbetrieb des Fanionteams integriert ist. Seine Spielwiese war indes bis dato die zweite Mannschaft und die 1. Liga, Gruppe 3. Dort ist der 19-Jährige bereits einer der Routiniers und Führungsspieler. «Für mich ist es momentan essenziell, Spielpraxis zu sammeln. Nur so kann ich mich als Fussballer weiterentwickeln.» Und weil er im Juni die Sportlermatura erfolgreich abschliessen konnte, kann er sich seither – ausgestattet mit einem Ausbildungsvertrag – voll und ganz dem Sport widmen. Das Ziel ist klar: es lockt der professionelle Fussball. Der Rechstverteidiger mit Offensivdrang, der auch links in der Viererkette agieren kann, muss dafür in allen Belangen, aber gemäss seinen Angaben vor allem im taktischen Bereich zulegen.

Aus Thusis in die Super League

Der vergangene Sonntag war auch ein grosser Tag für die Verfechter des umstrittenen Nachwuchskonzepts des Bündner Fussball-Verbandes (BFV). Mit Hossmann, der in Niederhasli unweit des GC-Campus wohnt, ist erstmals ein BFV-Talent zumindest temporär in der Super League angekommen. Oder anders ausgedrückt: Es ist bewiesen, dass aus Thusis ein Weg in die Beletage des Schweizer Fussballs führt.Hossmann trat mit fünf Jahren dem FC Thusis-Cazis bei und wurde ab dem Alter von zwölf Jahren im Team Graubünden geschult. «So war gewährleistet, dass ich früh genügend gutes Training absolvieren konnte», weiss er. Ein kleiner Dorfverein wie der FC Thusis-Cazis hätte ihm dies nie bieten können. Mit 15 Jahren folgte der Wechsel zum FC Winterthur, ein Jahr darauf lockte die GC-Nachwuchsakademie, wo er sich von der U16 an hochdiente. Er zieht ein zufriedenes Zwischenfazit. Hossmann sagt: «Für mich hat es sich ausbezahlt, dass ich voll auf die Karte Fussball gesetzt habe.»

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