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DAS OLYMPISCHE FEUER BRENNT AUF SPARFLAMME

Es war bei der gestrigen Anhörung der Parteien in Bundesbern ein bisschen wie derzeit in Graubünden: Ausser den fundamentalistischen Widerständlern wagt niemand, sich offen gegen die geplante Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 zu stellen.

Südostschweiz
Dienstag, 30. Oktober 2012, 01:00 Uhr Kommentar

Von David Sieber

Die SVP flüchtete sich in Formalien und boykottierte die vom eigenen Bundesrat Ueli Maurer angesetzte Anhörung. Aber eine Ablehung sei das nicht, beeilte sich die Partei, in einem Communiqué zu versichern. Die FDP beruft sich auf die «zu vielen offenen Fragen», hegt aber ansonsten Sympathien für das Projekt. Die CVP sorgt sich um die Bundesfinanzen. Die SP ist «sehr skeptisch», aber trotzdem nicht wirklich dagegen. Nur die BDP vergiesst schon jetzt «Herzblut», was allerdings nicht viel nützt: Die Partei ist im Parlament ein Fliegengewicht.

Wenn die Stimmung schon in Bern so verhalten ist, wie soll denn das überhaupt etwas werden mit Olympia? Zumal der Entscheid in Graubünden fällt, sodass auch noch so repräsentative, die ganze Schweiz umfassende Meinungsumfragen Muster fast ohne Wert sind. Klar ist: Schon allein um am 3. März 2013 an der Urne ein Ja zu erreichen, braucht es einen riesigen Kraftakt. Es müsste ein Ruck durch den Kanton gehen. Es bräuchte die Einsicht, dass nicht nur der Tourismus vom olympischen Geist geküsst werden würde. Und vor allem müssten die Regionen zusammenstehen.

Das ist selbst für den ebenso charismatischen wie umtriebigen Ober-Olympioniken Gian Gilli eine fast nicht zu stemmende Aufgabe. Vor allem dann nicht, wenn das Bündner Tourismusabgabegesetz am 25. November mithilfe der Olympiagemeinden St. Moritz und Davos bachab geschickt wird. Und danach sieht es derzeit aus. Deshalb ist man in Graubünden gut beraten, Wohl und Weh nicht von einem einzigen Grossanlass abhängig zu machen, sondern in Alternativen zu denken. Zumal es naiv wäre zu meinen, das Internationale Olympische Komitee vergebe die Spiele allein wegen der schönen Schneeberge an die Ferienecke der Schweiz.

dsieber@suedostschweiz.ch

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