×

Das Kraftwerk Sedrun ist wieder wie neu

Die Kraftwerke Vorderrhein AG (KVR) hat ihre Zentrale in Sedrun auf den jüngsten Stand der Technik gebracht. Gestern Abend wurde die gelungene Erneuerung im Turbinensaal gefeiert.

Südostschweiz
Donnerstag, 31. Mai 2012, 02:00 Uhr

Von Ueli Handschin

Sedrun. – Ein schnurgerader Stollen führt mit leichtem Gefälle von der Talsohle unterhalb des Dorfes einen halben Kilometer tief in den Berg. Dieses Nadelöhr bekamen die Gäste so zu Gesicht, wie es noch nie zu sehen war: Statt von Strassenlampen erleuchtet, waren die Wände in violettes Licht getaucht, und Lautsprecher erfüllten den Tunnel mit sphärischen Klängen. In der über 100 Meter langen, 20 Meter breiten und fast eben so hohen Kaverne, in die der Stollen schliesslich mündet, waren für ein paar Dutzend Vertreterinnen und Vertreter der Behörden und beteiligter Unternehmen acht runde Tische weiss gedeckt.

Guten Grund zum Feiern gab es: Die Erneuerung der mechanischen und elektrischen Anlagen für 53 Millionen Franken – mit deren Planung schon 2005 begonnen worden war – sei wie vorgesehen und ohne Kostenüberschreitungen umgesetzt worden. Dies sagte Rolf W. Mathis, Präsident des KVR-Verwaltungsrates und Leiter Hydraulische Energie bei der Axpo AG, der die Kraftwerke Vorderrhein zu 81,5 Prozent gehören, an einer Medienorientierung.

Nur einmal nötig

Bei den drei Maschinengruppen wurden die jeweils zwei Pelton-Turbinen mit neuen Schaufelrädern und Einspritzdüsen versehen. Zudem wurden Generatoren, Transformatoren und Hochspannungskabel zwischen Kaverne und Schaltanlage ersetzt und die Zentrale mit neuer Leittechnik für die Überwachung und Steuerung der Maschinengruppen ausgestattet. Bis zum Ablauf der Konzession im Jahr 2048 werde eine solch grosse Revision nicht mehr nötig werden, versicherte Mathis. Lediglich die Leittechnik sei vermutlich noch einmal zu ersetzen.

Mathis betonte, es sei gelungen, die Erneuerungen, die bei jedem Wasserkraftwerk nach 40 bis 50 Jahren notwendig würden, ohne Einbussen bei der Stromproduktion vorzunehmen. Um dies zu bewerkstelligen, wurde in den Sommermonaten der vergangenen drei Jahre immer nur eine Maschinengruppe ausser Betrieb gesetzt und revidiert. So konnten alle drei Generatoren jeweils noch vor dem Winter, wenn der Strom aus Speicherkraftwerken am stärksten gefragt ist, wieder Strom ins Netz liefern.

Wirkungsgrad leicht erhöht

Mit den Investitionen wurde auch eine Verbesserung des Wirkungsgrades um über zwei Prozent erzielt. Mit einigem Aufwand, wie Mathis erläuterte. So ist es heute beispielsweise üblich, Modelle der Laufräder der Turbinen zu bauen, um die Form ihrer Schaufeln zu verbessern. Ausserdem können sich die Konstrukteure auf ausgeklügelte Computerprogramme stützen, während ihre Kollegen vor einem halben Jahrhundert ausschliesslich mit dem Rechenschieber hantierten.

Dass trotz allen Fortschritts der Wirkungsgrad nicht stärker angehoben werden konnte, zeigt: Die Fachleute, welche die Wasserkraftwerke Mitte des letzten Jahrhunderts in den Alpen errichtet hatten, erreichten schon fast das Optimum. Mathis sprach von den Leistungen der damaligen Pioniere voller Hochachtung.

Kommentar schreiben

Kommentar senden