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Christine Bickel muss ihren Sitz im Regierungsrat abgeben

Das Resultat der Glarner Regierungsratswahl zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: Es wurde gestern erst sehr spät geliefert und das mit einer Überraschung. Die SP muss ihren Sitz zugunsten der SVP räumen.

Südostschweiz
Montag, 10. Februar 2014, 01:00 Uhr

Von Marco Häusler

Glarus. – Nachdem gestern Abend endlich auch die Resultate aus der Gemeinde Glarus Nord eingetroffen waren, konnte Ratsschreiber Hansjörg Dürst um ziemlich genau 18.45 Uhr vor die Medien treten. «Alle Kandidierenden haben das absolute Mehr erreicht», durfte er verkünden, «und sind somit gewählt.»

Das erstaunte noch niemanden wirklich. Für das Raunen sorgte die Rangliste: 1. Landammann Andrea Bettiga (FDP, Ennenda, bisher); 2. Rolf Widmer (CVP, Bilten, bisher); 3. Röbi Marti (BDP, Riedern, bisher); 4. Marianne Lienhard (SVP, Elm, neu): 5. Benjamin Mühlemann (FDP, Mollis, neu) und 6. Christine Bickel (SP, Niederurnen, bisher).

Die bisherige Bildungs- und Kulturdirektorin scheidet somit als überzählig Gewählte nach nur einer Amtsperiode aus der Kantonsregierung aus, während die FDP den Sitz verteidigen kann, der durch den Rücktritt der Vorsteherin des Departementes Volkswirtschaft und Inneres, Marianne Dürst Benedetti, frei geworden war. Und die SVP ist wieder im Regierungsrat vertreten – mit einer Marianne.

Grosse Enttäuschung links …

«Es ist eine grosse Enttäuschung», gab Bickel unumwunden zu und unternahm einen ersten Erklärungsversuch: «Ich denke, dass mit den gleichzeitigen eidgenössischen Abstimmungen fast alle wertkonservativen Glarnerinnen und Glarner an die Urnen gegangen sind. Und die können nun einmal keine rote, linke Frau auf den Wahlzettel schreiben.» Das sei zu respektieren, betonte sie, «nun gibt es die entsprechende bürgerliche Regierung, welche die Glarner wollten.»

Auch Thomas Kistler, Präsident der kantonalen SP, zeigte sich enttäuscht: «Wir meinen, dass wir eine Kandidatin haben, die wirklich gut gearbeitet hat. Sie hat ihre Arbeit fleissig und intensiv geleistet, alle ihre Projekte wie abgemacht präsentiert und durchgebracht, keine Fehler gemacht und ist trotzdem nicht gewählt worden.» Nun einen Richtungswechsel zu vollziehen oder voll auf Opposition zu setzen, schloss Kistler dennoch aus. «Wir wollen die SP-Fahne weiterhin hochhalten, wir müssen nun aber schauen, wie wir das machen.»

… riesige Freude rechts

Völlig anders präsentierte sich das Bild am anderen Ende des politischen Spektrums: «Wir haben auf allen Ebenen gewonnen», erklärte Marc Ziltener, Präsident der kantonalen SVP, und zählte auf: «Wir haben bei den bisher ausgezählten Gemeinderatswahlen gewonnen, wir haben bei der Volksabstimmung gewonnen, und natürlich – was mich am meisten freut – bei den Regierungsratswahlen haben wir auch gewonnen.» Letzteres führte er auf Marianne Lienhard selbst zurück, die in den letzten Jahren «eine ganz gute Arbeit in der Finanzaufsichtskommission des Landrates gemacht» habe. Und sie habe die grösste Partei im Rücken gehabt, «die auch in der Regierung vertreten sein muss», und sicher habe auch zur Wahl geführt, dass Lienhard als Elmerin aus Glarus Süd stamme.

Ähnlich sah sie das selbst: «Ob ich damit gerechnet habe, ist eine schwierige Frage. Aber als Vertretung von Glarus Süd und mit der SVP als grösste Landratsfraktion konnte ich mir sicher Chancen ausrechnen.» Mit Blick auf die Neukonstituierung des Rates gab Lienhard zwar das Volkswirtschaftsdepartement als ihr Lieblingsressort an, wenn alle Bisherigen in ihren angestammten Ämtern blieben, «könnte ich aber auch gut mit dem Departement Bildung und Kultur oder jedem anderen leben.»

Auch Benjamin Mühlemann wollte sich nicht auf ein Wunsch-Ressort festlegen. Seine eigene Wahl kommentierte der 35-Jährige so: «Ich glaube schon, dass die Bevölkerung frischen Wind in die Regierung bringen und einer jungen Person eine Chance geben wollte.» Er werde sich auch für die Jugend einsetzen, «in erster Linie aber selbstverständlich für den ganzen Kanton und die ganze Bevölkerung.»

«Da wir von der FDP eigentlich alle Kräfte für den neuen Kandidaten eingesetzt haben, bin ich umso erfreuter über mein Glanzresultat», kommentierte Landamman Andrea Bettiga seinen persönlichen Erfolg mit der höchsten Stimmenzahl (siehe Box). Die Abwahl Christine Bickels bedauerte er jedoch: «Das ist immer etwas, das unter die Haut geht. Ich wünsche ihr jetzt viel Kraft.»

«Im Prinzip etwas traurig»

«Ich bin im Prinzip etwas traurig», kommentierte auch Rolf Widmer die Abwahl einer Ratskollegin. «Mir ist nicht ganz bewusst, welche Argumente dazu geführt haben. Und ich weiss auch nicht, ob es eine gute Entwicklung ist.» Als genauso sekundär wie seinen zweiten Rang bezeichnete er selbigen: «Ich bin einfach froh, dass ich gewählt wurde und hoffe, dass das Resultat ein Zeichen für die gute Arbeit ist, die ich geleistet habe.»

Keine Reaktion mehr liess sich von Röbi Marti einholen. Er hatte mit seinem eiligen Aufbruch aus dem Ratshaus einfach zu schnell reagiert.

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