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Brandunfall in Pfadilager hat vorerst keine Konsequenzen

Brandunfall in Pfadilager hat vorerst keine Konsequenzen

Zwei 11-jährige Pfadfinder wurden schwer verletzt, als sie Brennsprit in ein Lagerfeuer gossen. Die Pfadi General Dufour aus Rapperswil-Jona ist ebenfalls im Kantonallager in Oberbüren – welches ohne Unterbruch weiter geht.

Südostschweiz
vor 9 Jahren in

Von Marc Allemann und Anina Peter

Oberbüren. – Friedlich geht es zu und her, auf dem Lagerplatz des kantonalen Pfadilagers in Oberbüren. Im Zeltdorf der Pfadi General Dufour aus Rapperswil gehen alle ihren «Ämtli» nach. Es wird Holz gehackt, abgewaschen, gekocht. Von dem tragischen Ereignis der vorherigen Nacht ist nichts zu merken.

Fast nichts. Wären da nicht die Journalisten, die sich in Scharen vor dem Lagereingang versammeln. «Schade, dass die Medien vorher nie so zahlreich erschienen sind», stellt der Lagersprecher Markus Egger fest. «Es ist ein so tolles Lager.»

Doch die Journalisten interessieren sich heute nur für eines: «Wie geht es den zwei verletzten Knaben?» Diese liegen seit Montagnacht mit schweren Verbrennungen in einer Spezialklinik.

Doch Markus Egger schweigt. Die Pfadi will keine Auskunft zum Vorfall geben. Auch die Rapperswiler Pfader reagieren zuerst misstrauisch auf den Besuch der «Südostschweiz». «Wir dürfen nicht mit euch reden», heisst es sofort. Egger instruiert die Leiter. Die Gruppe darf zwar mit uns sprechen, aber nur über das Lagerleben (siehe Umfrage unten).

Teil der Pfadi-Philosophie

Der tragische Brandunfall ereignete sich am Montagabend. Eine Gruppe von etwa 30 Pfadis machte sich mit Sack und Pack auf den Weg. Ihre Mission: Ein sogenannter «Hajk». Eine 24-Stunden-Wanderung ohne Leiter. Die jungen Pfadis sind für einen ganzen Tag auf sich alleine gestellt. Übernachtet wird im Wald, gekocht auf einem Lagerfeuer.

Dass 10- bis 14-jährige Kinder nachts alleine unterwegs sind, findet Markus Egger nichts Aussergewöhnliches. «Das ist Teil der Pfadi-Philosophie», erklärt Egger, «das soll die Eigenverantwortung fördern.»

Diese Philosophie ging am Montagabend nicht auf. Kurz nach neun geht bei der Notrufzentrale ein Anruf der Hajk-Gruppe aus Oberbüren ein. Zwei Knaben haben sich beim Spiel mit einer Flasche Brennsprit schwere Verbrennungen zugezogen.

Die Sanität ist sofort auf dem Weg. Kurz darauf erhalten auch die Lager-Sanitäter die Nachricht und eilen zur Unfallstelle. «Drei Buben waren verletzt worden», erzählt Egger. «Die Gruppe hat vorbildlich gehandelt.» In einem nahen Bach hätten sie die Verbrennungen ihrer Kollegen gekühlt.

Bei einem der Jungen reichten diese Hilfemassnahmen aus. Die beiden anderen mussten mit der Rega in Spezialkliniken geflogen worden. Ihre Kleider hatten Feuer gefangen. Die Jungen zogen sich hochgradige, grossflächige Verbrennungen zu. Ihr Zustand sei stabil, heisst es bei der Kantonspolizei St.Gallen auf Anfrage.

Care-Team betreut Gruppe

Der Rest der Gruppe wurde zurück ins Lager gebracht und wird dort von einem Care-Team des Kantons und einem Team der Pfadi betreut. Nach Hause gehen werden die Jugendlichen nicht. «Es ist besser, wenn die Gruppe zusammenbleibt», erklärt Egger. «So können sie das Ereignis besser verarbeiten.» Wieso die Hajk-Gruppe eine Flasche Brennsprit dabei hatte, kann er sich nicht erklären. «Bei der Pfadi lernt man, ohne Sprit Feuer zu machen.» Dass es den Jungs um den Spassfaktor oder um eine Mutprobe ging, will er nicht glauben. «Wir haben alle vor Kurzem über die Gefahren informiert.»

Die Ermittlungen der Polizei sind in vollem Gange. «Die Ergebnisse könnten für zukünftige Lager Konsequenzen haben», betont Egger.

Vom ganzen Rummel bekommen die Rapperswiler Pfadis nicht viel mit. Für sie und rund 1600 weitere Pfadfinder geht das Lager weiter.

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