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Biederfrau und die Brandstifter

Sie sieht aus, wie man sich eine Deutsche vorstellt. Sie tritt auf, wie man das von einer Deutschen erwartet. Und sie ist eine Nationalistin, wie man sie in Frankreich, nicht aber in Deutschland hofieren würde.

Südostschweiz
Montag, 30. April 2012, 02:00 Uhr kommentar

Von David Sieber

Hierzulande reichen ihre reichlich unbedarften, aber klientelgerechten Aussagen, um in dem ach so deutschenverseuchten Medienzürich tagelang für Schlagzeilen zu sorgen.

Natalie Rickli ist blond, laut und selbstbewusst. Sie gehört zu jenen Parteiexponentinnen, die dereinst das Erbe Christoph Blochers weitertragen sollen. Protegiert von dem nicht minder sympathischen Christoph Mörgeli, wurde sie kürzlich gegen internen Widerstand ins Parteipräsidium gehievt. Sie ist sich dennoch treu geblieben. «Erst schiessen, dann fragen», bleibt ihr Motto. Ricklis Forderung nach einer Ventilklausel für Deutsche zeigt: Es ist ihr herzlich egal, was ihre Worte anrichten.

Sie schadet mit ihrem Gewäsch der Heimat, um die es ihr und ihrer Partei ja angeblich geht. Wenn die Schweiz und insbesondere der Schweizer Tourismus derzeit etwas ganz und gar nicht gebrauchen können, ist es schlechte Presse im grossen Nachbarland. Das Steuerabkommen hat schon genug Staub aufgewirbelt. Die Währungssituation ist noch immer prekär. Da braucht es nun wirklich keine fremdenfeindlichen Sprüche einer ernst zu nehmenden Politikerin. Und ernst zu nehmen ist sie, hat sie doch bei den letzten Nationalratswahlen das beste Ergebnis aller Zürcher Kandidaten erzielt.

Hätte Rickli ihre Kernaussage, sie störe sich nicht an einzelnen Deutschen, sie störe sich an der Masse, auf, sagen wir, Juden gemünzt, würde nun eine ganz andere Debatte geführt werden. Eine solche wäre auch so bitter nötig. Denn Ricklis Partei hat es geschafft, hierzulande eine Stimmung zu erzeugen, die es zum Beispiel zulässt, dass eine rechtsbürgerliche Publikation ungestraft gegen Roma hetzen kann. Plötzlich nennt man «Aufdecken von Missständen», was nichts anderes als die Bekräftigung von Vorurteilen und Klischees ist. Plötzlich nennt man Tabubruch, was nichts anderes als Rassismus ist.

Es wird Zeit, dass Rickli und Co. als das bezeichnet werden, was sie sind: als Feuerwehrleute getarnte Brandstifter.

dsieber@suedostschweiz.ch

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