Biathlet Benjamin Weger im Kreis der Weltbesten

Mit Benjamin Weger als Leit- figur kann Biathlon auch in der Schweiz an Bedeutung gewinnen. Der Walliser hat den Durchbruch geschafft, seine Perspektiven sind rosig.

Von Philipp Bärtsch

Biathlon. – Welcher Schweizer Schneesportler mit Langlauf- oder Skisprunglatten an den Füssen war in dieser Saison bisher am erfolgreichsten? Dario Cologna oder Simon Ammann? Keiner von beiden! Benjamin Weger heisst der junge Mann, der bei der statistischen Spielerei am besten abschneidet. Als Dritter des Sprints und der Verfolgung stand er am Freitag und Samstag in Hochfilzen (Österreich) innert 24 Stunden gleich zweimal auf dem Weltcup-Podest. Weger ist Biathlet, eine Sparte, die hierzulande im Schatten von Skispringen oder Langlauf steht, obwohl das selber Randsportarten sind.

Im vergangenen Winter hatte der schon vor Jahren als Ausnahmetalent angepriesene Weger mit einem zweiten Platz in Pokljuka (Slowenien) erstmals breitflächig auf sich aufmerksam gemacht. Nun ist der 22-Jährige aus Geschinen im Obergoms drauf und dran, im Kreis der Weltbesten zum Stammgast aufzusteigen. Gründe für die grossen Fortschritte gibt es mehrere. Im Vorjahr hatte sich Weger zuerst mit einer Kniesehnenentzündung herumgeschlagen und im Herbst wegen eines Weisheitszahns drei Wochen pausieren müssen. Heuer kam er ohne gesundheitliche Probleme durch die Vorbereitung, der Aufwand konnte entsprechend gesteigert werden.

Zuerst Rekrut, jetzt Zeitsoldat

Im Schiessstand ist Weger schneller denn je. Nicht weil er die Kadenz am Abzug erhöht hätte, sondern weil er viel an den Abläufen und Handgriffen gefeilt hat. In seinem Alter spielt natürlich auch das Jahr mehr Erfahrung eine Rolle. Die Rahmenbedingungen haben sich ganz grundsätzlich verbessert. Weger absolvierte im Frühjahr die Spitzensportler-RS, seit dem 1. August besetzt er als Zeitsoldat eine der begehrten Armeestellen für Spitzensportler. Nach den Olympischen Spielen in Vancouver entschied Weger, der an der Sportmittelschule Brig das Handelsdiplom gemacht hat, sein Bankpraktikum abzubrechen und voll auf die Karte Biathlon zu setzen, statt die kaufmännische Berufsmatura anzustreben. «Es brauchte viele Diskussionen, weil andere dachten, ich müsste doch auf Nummer sicher gehen – so wie der Schweizer halt denkt», sagt Weger. Er setzte sich über die Bedenken hinweg und zog nach Realp, weil die Biathleten dort ihre Trainingsbasis haben und Swiss-Ski ihnen Wohnungen zur Verfügung stellt. Zuerst teilte er sich das Haus «Schneeglöggli» mit Thomas Frei und Selina Gasparin, im Sommer zogen die neuen WG- und Teamkollegen Mario Dolder und Serafin Wiestner ein.

Exponierte Rolle

Weger ist die Leitfigur der ersten Generation im Schweizer Biathlon, die nicht als Späteinsteiger vom Langlauf dazugestossen ist. Er kann sich für die Sportart zu einem ähnlichen Zugpferd entwickeln wie Ammann oder Cologna in ihren Domänen. Das haben auch die Vermarktungsagentur IMG und Raiffeisen gemerkt. Weger lässt seine Interessen seit der vergangenen Saison von IMG vertreten. Verbandssponsor Raiffeisen ist auch sein persönlicher Sponsor. «Der Kopfsponsoring-Vertrag ist ungefähr in der gleichen Grössenordnung dotiert wie der eines Skifahrers aus dem A-Kader», sagt Wegers Manager Daniel Eder. An die üppigen Verträge mit sechsstelligen Summen kann Weger nur dann herankommen, wenn Biathlon auch in der Schweiz vom Fernsehen übertragen würde. Sobald Simon Ammann zurücktritt, wird Skispringen massiv an Präsenz einbüssen. Biathlon könnte die Lücke füllen, die Sportart gehört zu den telegensten überhaupt. Ein Versuch während den Weltmeisterschaften Anfang März in Ruhpolding (Deutschland) drängt sich eigentlich auf, zumal in diesem Winter weder Olympische Spiele noch alpine oder nordische Skiweltmeisterschaften anstehen.

«In welcher Form wir neben der Highlight-Berichterstattung in den Struktursendungen über die Biathlon-WM berichten werden, entscheiden wir in den nächsten Wochen», sagt Programmleiter Nök Ledergerber. Negativ fallen die Terminkollisionen mit dem Skiweltcup an den Wochenenden ins Gewicht. «Die Rennkalender der Alpinen und der Biathleten sind nicht oder schlecht koordiniert, weil verschiedene Weltverbände dahinterstehen.»

Das Idol als Gratulant

Weger lässt sich weder von den jüngsten Ereignissen noch von den Aussichten auf eine grosse Karriere aus der Ruhe bringen. «Die Resultate bestätigen mich in meinem Weg, warum sollte ich jetzt etwas ändern?», sagt er cool. Es reicht doch, wenn sich für die Konkurrenz etwas ändert. Weger freute sich, dass ihm sein Jugendidol Ole Einar Björndalen in Hochfilzen plötzlich als prominenter Gratulant die Ehre erwies.

Autor: online@suedostschweiz.ch
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Quelle: südostschweiz