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Beeler gegen Beeler – das Bruderduell im «Bruderduell»

Der Cup-Halbfinal zwischen den Partnerteams TSV Jona und dem haushohen Favoriten Volley Näfels ist morgen in vielerlei Hinsicht besonders. Am speziellsten ist er aber für die Joner Brüder Nico und Luca Beeler: Sie werden zu Gegnern.

Südostschweiz
Samstag, 08. Februar 2014, 01:00 Uhr

Von Bernhard Camenisch

Volleyball. – Der bald 21-jährige Nico Beeler von Biogas Volley Näfels und sein knapp 22 Monate jüngerer Bruder Luca vom TSV Jona stehen sich morgen erstmals in einem offiziellen Volleyballspiel gegenüber. So sehr sie sich auf das Spiel freuen, auf die Situation mit dem Bruder als Gegenspieler könnten sie verzichten. Nico Beeler nennt einen Grund: «Ich sehe es nicht gerne, wenn Luca verliert».

Diese Aussage ist keineswegs arrogant, es ist einfach nur eine ehrliche Einschätzung. Cup-Sensationen im Schweizer Volleyball sind nahezu ausgeschlossen. Erst recht, wenn drei Gewinnsätze nötig sind und Jona, derzeit Tabellenachter in der NLB, auf den NLA-Zweiten Näfels, der die nationale Szene zusammen mit Lugano nach Belieben dominiert, trifft.

Auch mit der Vorstellung, den Bruder die Wucht der eigenen Schläge spüren zu lassen, tun sich die zwei Joner schwer. Weil beide Aussenangreifer sind, werden sie am Netz versetzt voneinander stehen und bekommen im Normalfall keine Schmetterbälle des anderen ab.

Auf den Spuren des Vaters

Ihre Aufschläge könnten sie aber durchaus auf den Bruder abfeuern. Nico Beeler sagt, dass ihm dies selbst in den gemeinsamen Trainings schwer falle und wird diese Situationen morgen nicht heraufbeschwören. Umgekehrt sieht auch der jüngere Bruder davon ab: «Das mache ich nur schon deshalb nicht, weil Nico ein enorm guter Annahmespieler ist», begründet Luca.

Obwohl die sportliche Präferenz durch Vater Marco, dem langjährigen Nationalspieler, der mit dem TSV Jona Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre an der NLA-Spitze mitmischte, gegeben schien, versuchten sich Nico und Luca Beeler zunächst im Fussball und im Unihockey. 2005 folgte der Eintritt in den TSV.

In seinem letzten Einsatz für seinen Stammverein verhalf Nico Beeler den Jonern im Frühling 2012 zum Wiederaufstieg in die NLB. In der letzten Saison noch von einer Verletzung gebremst, ist der 20-Jährige nun zu einem absoluten Leistungsträger der Glarner gereift. Der Kontakt zum Ex-Klub ist aber stets erhalten geblieben, nur schon, weil Nico Beeler nach wie vor in Jona wohnt. Auf das Wiedersehen auf dem Spielfeld freut er sich riesig. Er weiss, dass sich die TSV-Verantwortlichen alle Mühe geben, das Spiel in der Sporthalle Grünfeld zu einem echten Event werden zu lassen.

Auf beiden Kaderlisten vertreten

Sehr speziell ist auch die Situation von Luca Beeler, der seit vergangenem Herbst an der ETH Zürich Bauingenieurwissenschaften studiert: Er steht in dieser Saison auf der Kaderliste beider Kontrahenten. Am Dienstag und Donnerstag trainiert der 19-Jährige jeweils mit Volley Näfels, für das er auch schon in der NLA zum Einsatz gekommen ist. Im Cup ist er aber nur für Jona spielberechtigt.

«Das Tempo, das Näfels anschlägt, ist auf einem ganz anderen Niveau», vergleicht Luca Beeler seine beiden Teams. «Ein bisschen mithalten sollten wir morgen aber schon können», glaubt er. Mit druckvollen Aufschlägen hofft Jona, den Favoriten ärgern und ihm vielleicht sogar einen Satz abnehmen zu können, was bereits einer Sensation gleichkäme.

Viele Ähnlichkeiten

Weil die Beeler-Brüder auf der gleichen Position spielen und über ähnliche Masse verfügen (Nico ist 190 cm gross, Luca 187), lassen sich Vergleiche ziehen. Luca sagt, er könne von seinem älteren Bruder alles lernen und hebt heraus: «In der Annahme ist er enorm stabil, und wenn er die Gelegenheit zum Abschluss hat, ist er eiskalt.» Nico gibt das Kompliment zurück: «Luca ist jünger. Er wird mindestens so gut wie ich. Physisch ist er jetzt schon stärker.»

Nach der Saison wird sich Luca Beeler entscheiden, ob er künftig für Jona oder Näfels spielt. Auf eine Doppelbelastung will er wegen des Studiums künftig verzichten.

Beim älteren Bruder, der derzeit als Aushilfslehrer die Sekundarklassen im Buchholz in Glarus unterrichtet, ist die Entscheidung schon gefallen: Als amtierender Schweizer Nachwuchsspieler des Jahres im Beachvolleyball wechselt er im April ins nationale Leistungszentrum nach Bern. Für mindestens ein Jahr wird sich Nico Beeler voll auf Beachvolleyball fokussieren. Dafür verlässt er Volley Näfels und nimmt für sein drittes Studienjahr an der Pädagogischen Hochschule Luzern eine Verzögerung in Kauf.

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