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Bauunternehmer packt aus: Absprachen sind «altes Spiel»

Ein Stapel Papier, welcher seit 2012 Teil einer Untersuchung der Wettbewerbskommission ist, soll Preisabsprachen bei Unterengadiner Bauunternehmern belegen. Der Kanton soll die Unterlagen 2009 gesichtet und kaum reagiert haben.

Südostschweiz
Mittwoch, 14. Mai 2014, 02:00 Uhr

Von Gion-Mattias Durband

Ramosch. – Ein Stapel Papier liegt auf dem Tisch im Büro des Ramoscher Bauunternehmers Adam Quadroni. Der Stapel enthält unterschiedliche Dokumente, die Datierungen reichen von den Neunzigerjahren bis 2006. Darunter sind mehrere Faxe, in denen zu Jahresbeginn zu Sitzungen zum Thema «Standortbestimmung» geladen wird. Auch etliche, wie von Primarschullehrerhand gezeichnete, handschriftliche Tabellen sind dabei: links eine Liste von Bauaufträgen inklusive Bausumme, rechts für jede beteiligte Unternehmung eine Spalte inklusive einer Prozentangabe für die relative Firmengrösse. Kleine Kreuzchen markieren jeweils Interessen der Unternehmen für ein Projekt. Es gibt Tabellen für Bauaufträge von Privaten und von Gemeinden. Eine eigene Tabelle ist dem Tiefbauamt gewidmet. Diese Dokumente sollen Preisabsprachen belegen.

Auftragstabelle zum Ankreuzen

Quadroni erklärt: Zu Jahresbeginn treffen sich die Bauunternehmer, um die anstehenden Projekte zu sammeln und sie untereinander zu verteilen – die «Standortbestimmung». Die relative Firmengrösse diene dabei als Verteilschlüssel, der aufzeige, auf welchen Teil des Kuchens Anspruch besteht. Hat man sich auf eine Verteilung der Aufträge geeinigt, folgten später die Offerten. Diese würden dabei von den Beteiligten so angepasst, dass der auserwählte Unternehmer am tiefsten liegt und den Zuschlag erhält, erklärt Quadroni. Und die Folgen für die Kunden? «Gewaltig», sagt Quadroni. Er schätzt die resultierende Preisdifferenz auf 20 bis 25 Prozent. Und es handle sich dabei um «ein altes Spiel». Bereits sein Vater sei deswegen aus dem Baumeisterverband ausgetreten, sagt er. Ob es heute noch genauso läuft? Beweise habe er nur bis ins Jahr 2006, sagt Quadroni.

Quadroni selbst war auch Teil dieser Absprachen – gegen den eigenen Willen, wie er beteuert. Es sei grosser Druck ausgeübt worden. Etwa die Drohung, dass er andernfalls kein Material mehr erhalte und somit keine Aufträge mehr erfüllen könne. Eine Drohung, die auch wahrgemacht wurde, wie er sagt. Auf diese Art sei er etwa bei einer Ausschreibung für das Tiefbauamt genötigt worden, seine ursprünglich auf 900 000 Franken lautende Offerte zu erhöhen; dies, weil sie unter jener des Bauunternehmers lag, welcher gemäss Absprache den Zuschlag erhalten sollte – und ihn letztlich auch erhielt (siehe Bild).

Der Stapel Papier auf Quadronis Pult sei der gleiche, den er auf Aufforderung hin 2012 der Wettbewerbskommission (Weko) zur Verfügung gestellt habe, sagt der Ramoscher. Der gleiche Stapel Papier sei aber bereits 2009 – drei Jahre vor Beginn der Weko-Untersuchung – bei einem Treffen in Chur dem kantonalen Tiefbauamt vorgelegt und ausgehändigt worden, sagt Quadroni. Man habe ihm zwar «grosse Zivilcourage» attestiert. Danach sei aber nichts passiert.

Kanton: Unterlagen nur gesichtet

Roger Stäubli vom kantonalen Tiefbauamt bestätigt, dass 2009 ein Treffen mit Quadroni stattgefunden habe. Gemäss dem stellvertretenden Amtsleiter hat Quadroni «entsprechende Anschuldigungen» kommuniziert und auch Unterlagen präsentiert, diese aber nicht abgegeben.

Man habe in Absprache mit dem zuständigen Departement beschlossen, die Mitarbeiter zusätzlich auf das Thema zu sensibilisieren, sagt Stäubli. Die Vorwürfe seien aber «zu schwach dokumentiert» gewesen, «um Weiteres zu unternehmen». Im Übrigen sei man selber gespannt auf die Ergebnisse der Untersuchung der Weko, so Stäubli weiter.

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