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«In Bad Ragaz geht es nicht um Glamour und Karriere»

Danae Dörken gehört mit ihren 22 Jahren fraglos zu den verheissungsvollsten Versprechen am Jungpianistenhimmel. Sie ist eine der 39 Künstlerinnen, die in Bad Ragaz am Festival Next Generation auftreten.

Südostschweiz
Freitag, 07. Februar 2014, 01:00 Uhr

Mit Danae D?rken sprach Andrea Meuli

Danae D?rken, Sie hatten mit Karl-Heinz K?mmerling einen legend?ren Lehrer. Wie kamen Sie als Zehnj?hrige zu ihm?

Danae D?rken: Ich hatte zuvor einen Kurs bei ihm absolviert, anschliessend hat er mich in seine Klasse eingeladen. Daran h?tte ich ja nie zu denken gewagt, viel zu gross f?r mich schien mir diese ber?hmte Pers?nlichkeit! Aber er hat mich angerufen und bot mir an, mich auf meinem Weg zu begleiten. Das hat er dann auch getan, bis ich 20 war und bis er leider vor anderthalb Jahren gestorben ist.

K?mmerling war ja eine Legende unter den Klavierp?dagogen, bei ihm reiften Talente wie Lars Vogt oder Ragna Schirmer zu Pers?nlichkeiten heran. Was machte das Besondere an seinem Unterricht aus?

Das Besondere an ihm war nicht nur sein Unterricht an sich, sondern genauso das Zwischenmenschliche, die Beziehung zwischen Sch?ler und Lehrer. Er hatte die Gabe, mit wenigen Worten ? er hat ja nie vorgespielt ? sehr viel zu vermitteln. Ich kann mich gut erinnern, dass er manchmal den Charakter eines St?ckes mit ein, zwei Begriffen beschrieben hat und es damit schaffte, einem eine ganz neue Vorstellungswelt zu er?ffnen.

?F?r mich ist es wunderbar?

Nun studieren Sie bei Lars Vogt, auch keine schlechte Adresse.

Er ist ja auch ein K?mmerling-Sch?ler. Er hatte eigentlich nicht vor zu unterrichten, weil er selber so viel konzertiert. Aber durch K?mmerlings Tod ist das irgendwie zustande gekommen. Er sagt, er habe das sozusagen als Schicksalsruf gesehen und daher einige K?mmerling-Sch?ler ?bernommen. F?r mich ist es wirklich wunderbar.

In Ihrer Biografie ist zu lesen, dass mit Yehudi Menuhin ein grosser Geiger fr?h Ihre Musikalit?t erkannte habe. Dennoch hat Sie bereits als Kind das Klavier mehr fasziniert als die Geige …

(Lachend) Ja, das war ein tolles Erlebnis ? acht Tage bevor Menuhin gestorben ist. Ich war damals sieben oder acht Jahre alt und war mir nat?rlich nicht bewusst, was das f?r eine Pers?nlichkeit war, der ich vorspielen durfte. Ich weiss nur noch, dass er mit seiner Ruhe und der Weisheit, die er ausstrahlte, einen grossen Eindruck auf mich gemacht hat. Erst viel sp?ter habe ich verstanden, welch wichtige Erfahrung das war.

Jetzt sind Sie auf sich selber gestellt. Wie findet man als junge Musikerin den Tritt in der internationalen Szene?

Es ist ?berhaupt nicht leicht. Weil es so viele junge Pianisten gibt, die eine grosse Karriere haben wollen. Dass man da Halt findet, ist nicht einfach. Man braucht einerseits Leute wie Drazen Domjanic, der beispielsweise ein Festival wie Next Generation m?glich macht, einen Ort also, an dem man spielen kann und gleichzeitig so tolle Leute kennenlernt. Wo es nicht vordergr?ndig um Glamour und Karriere, sondern wirklich um die Musik geht.

?Wir spielen der Musik wegen?

Sich selber zu bleiben, nicht fremdbestimmt zu werden.

Letztlich spielen wir ja nicht, um ber?hmte Stars zu sein, ich jedenfalls nicht (lacht), sondern wirklich der Musik wegen. Wenn man sich ?berlegt, wie fr?her Musik gemacht wurde im Wohnzimmer f?r die Familie, f?r Freunde ? das ist doch die reine Freude am Klang! Nat?rlich gef?llt es mir auch, vor grossem Publikum zu spielen, aber es steht nicht als Ziel vor meinen Augen, der grosse Star zu werden.

Als Pianistin haben Sie ja ein schier unersch?pfliches Repertoire. Wo f?hlen Sie sich am wohlsten?

Ich m?chte als junge Pianistin breitgef?chert das Repertoire erkunden und wehre mich deshalb dagegen, mich zu spezialisieren. Ich mag jedoch sehr gerne die deutsche Romantik.

Ihre Deb?t-CD haben Sie der Klaviermusik Janác?eks gewidmet, also keine donnernde Liszt-Virtuosit?ten als Visitenkarte.

Nein, die virtuose Herausforderung hat mich weniger gereizt. Janác? ek hat mich viel mehr fasziniert und auch bewegt, ber?hrt. Das ist unglaubliche Musik, die ich zuvor nicht sehr gut kannte. Janác? ek reisst einen unvermittelt in irgendwelche Abgr?nde, und im n?chsten St?ck ist wieder Kindheitsunschuld da. Das vielschichtige Spiel mit den Klangfarben, verbunden mit der Vorstellungskraft, was die St?cke ausdr?cken wollen, bedeutet in diesen Werken eine grosse Herausforderung. Ich bin gl?cklich, dass ich diese Aufnahmen machen konnte.

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