Alex Sadkowsky – Poet in allen Dingen
Immer noch schöpft er aus dem Vollen, malt, zeichnet und dichtet, um auch als Objektkünstler unverkennbar Eigenes zu schaffen. In Thailand feiert das Schweizer Multitalent Alex Sadkowsky heute seinen 80.Geburtstag.
Immer noch schöpft er aus dem Vollen, malt, zeichnet und dichtet, um auch als Objektkünstler unverkennbar Eigenes zu schaffen. In Thailand feiert das Schweizer Multitalent Alex Sadkowsky heute seinen 80.Geburtstag.
Von Walter Labhart
Zürich. – Seine Vielseitigkeit ist seit den Sechzigerjahren legendär. Der in Zürich geborene, von mehreren Weltkulturen geprägte und international erfolgreiche Künstler schuf sich einen Namen: zuerst als Maler, Zeichner und Radierer, bevor er als Pionier der Performance, mit Lithografien, Skulpturen, Filmen, Gedichten, Geschichten und ebenso eigenwillig gestalteten Künstlerbüchern auffiel. Alex Sadkowsky blieb, was er von Anfang an war, ein von der Fantasie förmlich verfolgter Workaholic. Seine ungeheure Schaffenskraft wurde schon früh in Buchform dokumentiert. 1975 gab der Zürcher Verleger Hans-Rudolf Lutz die Werkkataloge «Malerei 1952-1966» und «Malerei 1967-1974» heraus, nachdem der Oeuvrekatalog «Grafik 1954-1967» bereits im schicksalhaften Jahr 1968 erschienen war.
In seinem Innersten vor allem Poet, übte der hellwache Beobachter in seinen stets gegenständlichen Bildern ebenso lustvoll Sozialkritik, wie er mit viel Selbstironie über seinen Schatten sprang. Der brillante Selbstdarsteller wurde als engagierter Maler und Zeichner zu einem künstlerischen Symbol für die 68er-Bewegung. Damals galt Sadkowsky auch als typischer Repräsentant der Pop Art, deren dekorative Elemente er in seine aktuelle Malerei und Objektkunst hinüberrettete. Dass er sich stets treu blieb und ohne Stilwechsel auskam, mag ihm von jenen übel genommen werden, denen ständige Neuerungen mehr bedeuten als Kontinuität.
Anregende Reisen
Die unzähligen spirituellen Reisen, die Sadkowsky in ferne Kopf- und Traumwelten unternimmt, um Gesichte voll märchenbuchartiger Poesie und mit sinnlicher Freude zu malen oder mit dichterischen Worten zu beschreiben, gehen auf Anregungen aus vielerlei Städten und Ländern zurück. Seit seinem ersten Spanienaufenthalt (1957) empfing der bis heute Reiselustige inspirierende Eindrücke in Indien, England, Irland, Mexiko, Guatemala und Griechenland, in London, Istanbul und in New York, wo er 1975 mit einem Stipendium der Stadt Zürich weilte. Mit Max Frisch und Tankred Dorst war er 1966 in der Ukraine unterwegs. Zahlreiche Schriftsteller hielt er in grossformatigen Bleistiftzeichnungen fest, die ein bildnerisches Who is who der zeitgenössischen Literatur ergeben. Der Jubilar, der von sich einst sagte, er sei «seit jeher in zwei Minuten reisefertig», ist in seinen Gemälden, Objekten und Dichtungen ständig unterwegs. Seit 1994 verbringt Sadkowsky den Winter in Nordthailand, wo er unermüdlich arbeitet.
Originelle Wortschöpfungen
Der in Fredi Murers Film «Sad-is-fiction» (1969) porträtierte Performer, der 1993 einen BMW unter dem Motto «Ich hab Dich zum Fressen gern» voll bissiger Ironie mit 1993 Gabeln bespickte und ein wehendes Kornfeld dirigierte, ist auch als Wortkünstler ein Tausendsassa. Wie er in seiner Ausstellung «Wer weiss und blau und Geld» im Kunsthaus Zürich (1993) in den aus Menschenköpfen bestehenden vier «Canto»-Bildern mit farblichen und formalen Experimenten echten Pioniergeist bewies und eine erfrischend neuartige Ästhetik entwickelte, schlug er auch als origineller Wortschöpfer fantastische Purzelbäume. Sein Buch «Der Titel» (1963) stellt ein Kompendium ungeschriebener Romane, Geschichten, Ansprachen, Essays, Rezepte und anderer Texte dar und führt den «Wissensimunen» nach einer «Rippengrippe» mit «Tausendundeiner Nichte» durch den «Neurosengarten» schliesslich zum «Schwimmunterricht für Teebeutel».
Als begnadeter Erzähler erweist sich Sadkowsky erst recht in der epischen Romantrilogie «Die chinesische Wespe. Geschichte einer Liebe» (Bilgerverlag, Zürich 2002, 2004 und 2008). Mit seinen fast 2000 Seiten setzt dieser autobiografisch gefärbte Text die Traditionslinie Joyce - Proust - Ehrenburg in vielen Sprachklang gewordenen Erinnerungen mit virtuosen Wortspielen fort.
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