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Aita Gasparin kann in Sotschi auf jeden Fall feiern

Mit einem blitzblanken, fehlerfreien Schiessen hat Aita Gasparin ihren redlichen Teil zur Olympia-Qualifikation der Schweizer Frauen-Biathlon-Staffel beigetragen. In Sotschi will die Engadinerin vor allem Lernen und Geniessen.

Südostschweiz
Samstag, 01. Februar 2014, 01:00 Uhr

Von Hansruedi Camenisch

Biathlon. – Mit einem herzhaften «Allegra» grüsst Aita Gasparin am Telefon, während sie im solothurnischen Luterbach aufs Fassen ihrer Olympia-Kleider wartet. An diesem Tag wird der jungen Engadinerin endgültig bewusst, dass aus einem jahrelangen Traum bereits ein verwirklichtes Ziel geworden ist – und das mit erst 19 Jahren. «Einfach unbeschreiblich», versucht Aita Gasparin, die noch bei ihren Eltern in Pontresina wohnt, ihre Gefühle zu schildern.

Der Null-Fehler-«Ritt» in Ruhpolding

«Tatort» war Ruhpolding, Termin der 8. Januar 2014. An jenem Nachmittag schafften die Schweizer Biathletinnen in Bayern Historisches. Als Zehnte im Staffelwettbewerb sicherte sich das Quartet mit den drei Gasparin-Geschwistern und Irene Cadurisch die Olympia-Qualifikation. Aita Gasparin lief nach ihren Schwestern Elisa und Selina die dritte Ablösung. Nervös sei sie gewesen, erinnert sich die Jüngste aus der Familie – aber nur bis zum Einsatz. «Beim Wechsel klopfte mir Selina auf die Schulter; gleichzeitig rief sie mir zu, ich solle ruhig bleiben und einfach mein Rennen laufen», erzählt Aita Gasparin. Mit einem Schlag sei die Nervosität verschwunden, sie sei ruhig losgelaufen. Und wie! Aita Gasparin traf sowohl liegend als auch stehend mit allen zehn Schüssen auf Anhieb ins Schwarze.

Ein Gewehr als Firmgeschenk ihrer beiden Schwestern hatte Aita Gasparin übrigens zum Biathlon gebracht. Zuvor hatte sie im Winter Langlauf und sonst Geräteturnen – im Teamwettkampf gewann sie an Schweizer Meisterschaften eine Bronze- und zwei Silbermedaillen – betrieben. Weil sie sich auf eine Sportart beschränken wollte, hielt sie am Langlauf fest, und die Präzision aus dem Geräteturnen nahm sie in den Biathlon-Schiesstand mit.

An der WM geschnuppert

Einen Vorgeschmack dessen, was sie in Sotschi erwartet, erhielt Aita Gasparin vor einem Jahr im tschechischen Nove Mesto anlässlich ihrer ersten WM-Teilnahme bei den Aktiven. Damals sorgte sie als Staffel-Schlussläuferin mit Rang 13 für eine viel beachtete Schweizer Premiere. «20 000 Zuschauer säumten an jedem Wettkampf die Loipe und den Schiessstand. Es herrschte ein Riesenlärm, aber auch eine grossartige Atmosphäre», erinnert sich die Bündnerin.

Wenn die Biathletinnen in Sotschi am 9. Februar mit dem Sprint ihr olympisches Wettkampfprogramm aufnehmen, wird Aita Gasparin ihre Schwestern Selina – in dieser Saison zweifache Sprint-Weltcupsiegerin – und Elisa als Zuschauerin anfeuern und gleichentags ihren 20. Geburtstag feiern. Die jüngste Gasparin ist für den Sprint und das Verfolgungsrennen nicht vorgesehen. Möglicherweise startet sie im Einzelrennen über 15 Kilometer. Mit Sicherheit wird ihre grosse Stunde am 21. Feburar in der Staffel schlagen. «Es wäre schön, wenn wir den zehnten Platz von Ruhpolding bestätigen könnten», sagt Aita Gasparin. Weil der Biathlon-Sport von vielen Faktoren abhängig sei, sei vieles möglich.

Im Juni die Matura

Nach den Olympischen Spielen wird Aita Gasparin ihre Saison abbrechen und sich auf die Schule konzentrieren. Sie ist Gymnasiastin an der Academia Engiadina in Samedan und beabsichtigt, im Juni die Matura abzulegen. Dank dem Entgegenkommen Schulleitung, die zwei letzten Schuljahre in drei Jahren zu absolvieren, war die Doppelbelastung mit dem Leistungssport überhaupt möglich. Laptop und Schulbücher waren in Trainingslagern und selbst an Wettkampforten ihre ständigen Begleiter. So schrieb Aita Gasparin kürzlich während des Weltcups in Antholz (Südtirol) gar eine Mathematikprüfung. Sie ist zuversichtlich, dass sie à jour ist und wenig Schulstoff nachbüffeln muss. Denn Aita Gasparin ist nicht nur im Schiessstand zielstrebig.

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