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«1500 Kormorane sind zu viel»

«1500 Kormorane sind zu viel»

Über dem oberen Zürichsee ist seit geraumer Zeit ein grosser Schwarm Kormorane zu be-obachten. Während sich die Vogelschützer daran erfreuen, sind Berufsfischer den Tränen nah. 1500 fischfressende Kormorane seien einfach zu viel.

Südostschweiz
07.10.12 - 02:00 Uhr

Von Silvia Gisler

Normalerweise fliegen zwischen 500 und 600 Kormorane über den oberen Zürichsee. Nicht so in diesem Jahr, sagt Berufsfischer Andreas Braschler. Er bestätigt, dass man in diesem Jahr deutlich mehr Kormorane über dem See verzeichnet. «Ich schätze, dass es um die 1500 Tiere sind, die sich jeden Abend beim Eindunkeln bei der Insel Lützelau sammeln.» Während sich Vogelschützer bei diesem Anblick erfreuen, ringen Berufsfischer mit den Tränen. «Ein Kormoran frisst pro Tag rund 500 Gramm Fisch. Bei 1500 Kormoranen sind dies etwa 750 Kilo Fisch pro Tag», rechnet Braschler vor. Im Jahr können das gut und gerne 120 Tonnen Fisch sein.

Mehrere Tausend Fische verspeist

Solange sich Kormorane grosse Fische schnappen, sei das Problem nicht so besorgniserregend. «Fressen sie aber anstelle von ein paar grossen Fischen rund 200 bis 300 kleinere Fische oder gar Jungbrut, die noch nicht gelaicht hat, dann macht mir das massiv Angst», betont Braschler. «Im Jahr sind dies mehrere Tausend kleine Fische, die ein Kormoran frisst.»

Der Zürichsee verfüge über Ressourcen, von denen die Berufsfischer und die Gastronomie leben, Ressourcen, die sie nutzen wollen. Es sei doch auch ein Bedürfnis der Bevölkerung, Fisch aus der Region konsumieren zu können und nicht teuer importierte Ware aus Gewässern, die Hunderte von Kilometern entfernt liegen. Zudem sei mit keinem Rückgang des Fischkonsums zu rechnen. Im Gegenteil: «Der Fischkonsum steigt laufend an», bemerkt Braschler.

Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden. Welche das sein wird, kann er nicht sagen. «Die Regierung ist gefordert», findet er. Wahrscheinlich, so vermutet er, sei das Dezimieren der Vögel die einzige Möglichkeit. «Ich will aber betonen, dass auch der Kormoran die Berechtigung hat, hier zu sein – in einer angemessenen Anzahl, versteht sich.»

Ansonsten entstehe ein immenser Schaden, und die Existenzen der Berufsfischer würden noch stärker gefährdet.

Verschlingt sogar Kantonsgeld

Der Kormoran sei ein Allesfresser. Der mache auch keinen Halt vor Fischen, die auf der sogenannten roten Liste stehen und als besonders gefährdete Art gelten. Als Beispiel nennt der Berufsfischer die Felchen, deren bestes Laichgebiet bei Hurden liege.

Ausgerechnet dort halte sich die ganze Kolonie Kormorane auf und ernähre sich von den laichenden Fischen in der Flachwasserzone. «Es kann doch nicht sein, dass der Kanton 100 000 Franken in die Aufzucht der Fische investiert, die dann von den Kormoranen zerstört werden.»

Alle Jahre lautes Geschrei

Anna K. Jehli, Präsidentin des Schwyzer Kantonalen Vogelschutzverbands, versteht die Befürchtungen der Fischer nicht.

Die grosse Anzahl Kormorane sei eine temporäre Erscheinung, die alle Jahre im Oktober vorkomme. «Und alle Jahre machen die Fischer – vor allem die Hobbyfischer – ein grosses Geschrei darum», so die Bächerin. «Dass Zugvögel in riesigen Scharen hier eintreffen, ist ganz normal.

Im Laufe der Zeit verteilen sich diese Kolonien aber noch in der ganzen Schweiz», sagt die Vogelschützerin.

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