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Klimawandel: Voraussetzungen für komfortable Gebäude

Die Hitzewellen der letzten Sommer zeigen eindrücklich: Der Klimawandel ist Tatsache. Diese Entwicklung fordert von Architekten und Planern in zwei Bereichen neue Lösungsansätze: Einerseits ist der Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren, anderseits sind Strategien ins Auge zu fassen, um Bauten für angenehmes Wohnen und Arbeiten vorzubereiten.

Wohnen
Südostschweiz
Dienstag, 20. August 2019, 14:53 Uhr wohnen.suedostschweiz
Wärmere Zeiten werden Auswirkungen auf die Bauart haben.
ZVG AEV

von Michael Casutt, Projektleiter Energieeffizienz beim Amt für Energie und Verkehr GR

Der prognostizierte Anstieg der Temperaturen im Laufe des 21. Jahrhunderts ist markant. Diese Entwicklung wird gravierende Auswirkungen auf den Bau und den Betrieb von Gebäuden haben. Im Winter wird künftig weniger geheizt, die Behaglichkeit im Sommer wird eine Herausforderung darstellen.

Hitze und Gesundheit

Die höheren Aussentemperaturen werden unseren Körper stärker belasten. Die Auswirkungen von zu hohen Temperaturen auf den Menschen können verheerend sein, insbesondere bei Risikogruppen wie älteren oder kranken Personen. Der Klimawandel wird allgemein das Wohlbefinden beeinträchtigen. In der Folge wird die hitzebedingte Sterblichkeit steigen. Die Gewährleistung eines angenehmen und gesunden Raumklimas ist eine Notwendigkeit für den Menschen. Künstlich gekühlte Innenräume sind nur bedingt eine Lösung. Neben der Belastung der Umwelt kann ein mechanisch gekühlter Raum ebenfalls eine Belastung für den menschlichen Organismus sein.

Auswirkungen auf den Gebäudepark

Um Behaglichkeitsansprüchen zu genügen, muss mit einem Anstieg des notwendigen Bedarfs für Raumkühlung auf bis zu 50 Prozent des Heizwärmebedarfes gerechnet werden. Das gilt es bei der Planung der künftigen Gebäude zu berücksichtigen. Wesentliche Einflussgrössen für ein angenehmes Raumklima im Sommer werden der Fensteranteil, die Speichermasse des Gebäudes, der Sonnenschutz sowie eine clevere Nachtauskühlung sein. Eine Automatisierung der Systeme wird das Resultat zusätzlich verbessern.

Behaglichkeit im Sommer steigern

Zur Erreichung des angestrebten Komforts im Sommer gilt es neben den einzelnen Gebäuden auch weitere Faktoren zu berücksichtigen. Ein Bereich ist die Städteplanung. Zur Minderung der Hitzebelastung sind beispielsweise natürliche Kaltluftströme bei der Gebäudeanordnung zu berücksichtigen. Ebenso sind Grünanlagen sowie bewegte Wasseroberflächen zu planen. Die versiegelten Flächen sind zu reduzieren, und helle Oberflächen haben Priorität. Diese Massnahmen wirken der Überhitzung von städtischen Gebieten entgegen.

Eine funktionelle und effiziente Begrünung im Aussenraum und am Gebäude leisten eine wertvolle Beschattung von Innen- wie auch Aussenräumen. Im optimalen Fall kann auf eine klassische Sonnenschutzvorrichtung verzichtet werden. Parallel dienen die umweltfreundlichen, emissionsfreien und nachhaltigen Beschattungen dazu, dem Temperaturanstieg entgegenzuwirken. Durch die Transpiration über die Blätter der Pflanzen entsteht zudem eine effiziente Verdunstungskühlung.

Neue Ansätze in der Planung

Lösungsansätze zur klimagerechten Planung sind sowohl in der Stadtplanung als auch bei der Gebäudemodellierung zu suchen. Als Basis für die Ausarbeitung von Projekten gelten die klimatischen Bedingungen der Zukunft. Für eine klimaangepasste und nachhaltige Bauweise sind Lüftungen und Heizungen, entsprechende Materialien und Fassadenkonzepte, unkonventionelle Raumanordnungen sowie Sonnenschutz und Dämmung aufeinander abzustimmen und gesamtheitlich zu optimieren. Im Zentrum der Analyse sind jedoch nach wie vor – und in Zukunft verstärkt – die Nutzenden und ihre Bedürfnisse zu stellen. Die Anforderungen an die Behaglichkeit in den Sommermonaten müssen in den Fokus gerückt werden. Der Kühlbedarf in einer künftigen Liegenschaft ist mittels architektonischer Massnahmen möglichst klein zu halten und soll zur Selbstverständlichkeit werden. So kann ein markanter energetischer Mehraufwand verhindert werden. Lernen wir den Umgang mit Hitze von Konzepten, welche in südlichen oder sogar tropischen Ländern realisiert wurden. Traditionellerweise werden dort die natürlichen Gegebenheiten, wie zum Beispiel der Wind oder gewachsene Beschattungen, zur Verhinderung von Überhitzung im Sommer genutzt.

 

Energie-Apéro
Künftige Voraussetzungen für komfortable Gebäudel
Datum: 28 August 2019, 17 bis 19 Uhr, anschliessend Apéro
Ort: Aula der HTW Chur Pulvermühlestrasse 57 und Scuola professionale, 7742 Poschiavo
Anmeldung: www.energieapero-gr.ch
Anmeldeschluss ist Montag, 26. August 2019

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