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Achtung vor Immobilienkriminalität

Der Immobilienmarkt in der Schweiz ist weiterhin sehr attraktiv. Die lukrative Branche und die Möglichkeit, mit vergleichsweise geringem Aufwand viel Geld zu verdienen, sind auch Treiber von kriminellen Machenschaften.

Wohnen
Südostschweiz
Donnerstag, 22. Juni 2017, 10:08 Uhr Wohnen
Achtung vor Immobilienkriminalität
Bild zVg

Renato Faoro / Immobilienmakler bei Remax und eidgenössisch diplomierter Betriebswirtschafter HF

Im Zeitalter des Internets eröffnen sich für betrügerische Organisationen, vor allem aus dem Ausland, neue Möglichkeiten, um gutgläubige Menschen zu täuschen und zu betrügen.

Nachfolgend werden zwei Arten von aktuellen Betrugsarten von Immobilienkriminalität im Detail erläutert. Damit sollen Kunden und Interessierte aus der Schweiz aufgeklärt und geschützt werden.

Ein Köder soll Vertrauen schaffen
Rip-Deals: Als Verkäufer einer Immobilie inseriert der Verkäufer sein Verkaufsobjekt in einer Zeitung oder auf einem Immobilienportal. Ein Interessent ruft an und möchte das Objekt gerne kaufen. Am liebsten schnell, ohne Besichtigung, zum ausgeschriebenen Preis und ohne Verhandlung.
Ungewöhnlich, aber besser könnte es gar nicht laufen. Der freundliche Anrufer gibt sich meist als Vermittler eines ausländischen Geschäftsmannes aus, der die Immobilie erwerben will, derzeit aber nicht in die Schweiz reisen kann. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass der Immobilienkauf nur stattfinden kann, wenn vorher Geld getauscht wird, da der vermeintliche Investor über Schwarzgeld verfüge. Mittels einer zuerst eher kleinen Summe, die von Euro in Schweizer Franken umgetauscht werden soll, werden Verkäufer geködert. Das spätere Opfer macht bei seinem ersten Besuch im Ausland zunächst einen Gewinn und schöpft Vertrauen. Oft wird der Verkäufer nach Italien eingeladen, um den Geldtausch vorzunehmen. In einem nächsten Schritt wird dann ein grösserer Deal angeboten, oft sind es sechsstellige Summen. Das Opfer reist erneut mit einem Koffer voller Geld ins Ausland. Übergabeort sind meistens Luxushotels mit regem Betrieb, wo das hektische Tagesgeschäft den schnellen Austausch der Geldkoffer ermöglicht. Die Koffer werden ausgetauscht, das Opfer erhält einen voller ungültiger, wertloser Geldnoten. Schöpft das Opfer Verdacht, wird der Koffer mit dem echten Geld notfalls mit Gewalt entrissen. Sobald die Täter ihre Beute haben, verschwinden sie blitzschnell, und die Rip-Deal-Falle hat zugeschlagen. Spätestens wenn ein Devisentauschgeschäft angeboten wird und eine Belohnung versprochen wird, sollte die Polizei eingeschaltet werden.

Betrüger verschaffen sich nötige Daten
Mittels Phishing-Mails, einer weiteren Betrugsart, werden die Bekanntheit und das Image einer Immobilienmarke oder –unternehmung von den Betrügern missbraucht. Ziel ist es, beim Kunden Vertrauen auszulösen. Dabei werden Inserate von Mietobjekten mitten in der Stadt Zürich oder in anderen Ballungszentren geschaltet, die natürlich auf besonderes Interesse stossen. Klingt das Angebot zu schön um wahr zu sein, macht es Sinn, genau hinzuschauen und vor allem nachzufragen. Die Inserate sehen meist echt aus, und oft steht der Name einer renommierten Marke oder Unternehmung hinter der Ausschreibung. Also melden sich diverse Interessenten und möchten vom Angebot profitieren. Hat sich ein Interessent per E-Mail beworben, folgt prompt die Antwort aus dem Ausland, dass sich die bekannte und renommierte Immobilienunternehmung um die Angelegenheiten vor Ort kümmern werden. Es sei bloss ein Betrag von rund 2000 bis 5000 Franken einzubezahlen und die Wohnung könne besichtigt werden.
Natürlich hat diese Bankverbindung nichts mit dem hier ansässigen Immobilienunternehmen zu tun, sondern gehört den Betrügern. Auf diese Weise ergaunern sie unter falschem Namen bei gutgläubigen Menschen viel Geld. Aber was ist passiert? Das Inserat hatte doch den entsprechenden Absender und sah echt aus. Mithilfe Phishing-Mails konnten Betrüger die echten Benutzerdaten missbrauchen und unter falschem Namen die unechten Inserate publizieren. Diese Daten stehlen sie, indem sie ein E-Mail, das aussieht wie von einem offiziellen Immobilienportal (z. B. Homegate.ch oder Immoscout24.ch) an grosse Immobilienunternehmen senden und nach einem Update verlangen. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen wird darum gebeten, den Benutzernamen und das Passwort einzugeben, damit das Update der Software durchgeführt werden kann. Nun haben die Betrüger alle Daten, um im Namen des Immobilienspezialisten ein Inserat zu veröffentlichen und nichtsahnende Kunden hinters Licht zu führen.

Alarmglocken nicht überhören
Sobald im Voraus kleinere Anzahlungen gemacht werden müssen oder man als Kunde aufgefordert wird, Geld zu tauschen, sollten die Alarmglocken läuten. Es gibt keinen Grund, auf solche Angebote oder Deals einzusteigen ohne vorher alles mit einem seriösen Makler persönlich besprochen zu haben.

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