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Behinderte Menschen sollen sich auch in Museen hindernisfrei bewegen können

Besonders für ein Museum ist es eine Herausforderung, behinderten Menschen nicht nur die Zugänge zu ermöglichen, sondern auch die Ausstellung selbst zum Erlebnis zu machen. Gefragt sind bauliche Massnahmen und technische Hilfsmittel.

Wohnen
Südostschweiz
Freitag, 13. Januar 2017, 09:24 Uhr Wohnen
Behinderte Menschen sollen sich auch in Museen hindernisfrei bewegen können
Bild Archiv SO

Urs Mugwyler / Bauberater bei der Fachstelle Hindernisfreies Bauen der Pro Infirmis Graubünden

Dank einer schweizerischen Website können sich behinderte Menschen vor einem Besuch über die Zugänglichkeit einer Kulturinstitution informieren.

Innert kurzer Zeit durfte sich die Öffentlichkeit gleich mehrfach über Meldungen freuen, die von neuen oder umgebauten Museen berichteten. Teilweise war in diesem Zusammenhang auch das hindernisfreie Bauen ein Thema. Dabei wurden verschiedene Anforderungen berücksichtigt.
Viele Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Zugang oder der Benützung dieser Museen konnten jedoch nicht vermieden respektiv abgebaut werden. Es wurde viel Geld investiert, aber oft wurden gestalterischen Anliegen gegenüber den heute gültigen Anforderungen an das hindernisfreie Bauen bevorzugt behandelt. Eine zeitgemässe, durchgängige und behindertengerechte Benützung der Räume ist trotz hoher Investitionen nicht oder nur mit fremder Unterstützung möglich. Dabei fordert das Kantonale Raumplanungsgesetz (KRG), dass öffentlich zugängliche Bauten und Anlagen nicht nur hindernisfrei zugänglich sein müssen, sondern überdies von Behinderten auch selbstständig benützt werden können.

Nicht nur formale Kriterien erfüllen
Sowohl Geh- als auch Seh- und Hörbehinderte haben ein grosses Interesse an kulturellen Angeboten. Allein schon die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen zeigt, wie wichtig eine generelle Umsetzung des hindernisfreien Bauens auch bei Museen usw. ist. Nur durch die Erfüllung formaler Kriterien wie die stufenlose Zugänglichkeit ist ein Museum noch lange nicht hindernisfrei.

Zugänglich für alle Menschen
Gefragt ist erstens, den Zugang so zu gestalten, dass sich Menschen mit Behinderungen willkommen fühlen und diese ihren Besuch selbstständig planen und gestalten können.
Grundsätzlich wird eine barrierefreie Ausstellungsarchitektur mit breiten, gut ausgeleuchteten Wegen sowie eine Präsentationshöhe gefordert, die auch für Sitzende geeignet ist.
Für sehbehinderte und blinde Besucher ist ein Leitsystem erforderlich, eine kontrastreiche Farbgestaltung sowie Texte in grosser Schrift. Einzelne Exponate sollten ertastbar sein oder als tastbare Modelle zur Verfügung stehen.
Zweitens, und dies ist vielleicht die grösste Herausforderung, sollten Ausstellungen auch so geplant werden, dass sie für alle Besucher, unabhängig von Behinderungen, zugänglich sind – auch inhaltlich. Darüber hinaus sollten die Gestaltung und Ausstellungsinhalte immer über mehrere Sinne sowie unterschiedliche Informationswege wie Audio- und visuelle Hilfen angeboten werden. Audioguides sollten für die spezifischen Bedürfnisse unterschiedlicher Besuchergruppen zur Verfügung stehen, so z. B. in «leichter Sprache» verfasst sein.
Drittens sind Veranstaltungen oder Führungen gefragt, die sich an alle Teile der Bevölkerung richten und zu denen auch Menschen mit Behinderungen einen Zugang finden.

Spezifische Informationen anbieten
Für Menschen mit einer Behinderung wird der Besuch eines ihnen noch unbekannten Museums allenfalls zu einem Abenteuer. Es ist deshalb wichtig, dass sie sich im Vorfeld so genau wie möglich über Zugänglichkeit, Barrierefreiheit, Vermittlungsformate und Ähnliches informieren können, um ihren Besuch planen zu können. So zum Beispiel: Stehen Behindertenparkplätze zur Verfügung? Ist der Museumseingang für Rollstuhlfahrer zugänglich? Gibt es ein Leitsystem für Blinde?
Für die Schweiz gibt es im Internet den sogenannten «Zugangsmonitor». Dieser informiert Menschen mit Behinderungen über die Zugänglichkeit von öffentlichen Einrichtungen und Veranstaltungsorten.
Inklusiv und hindernisfrei sind Museen und Veranstaltungen dann, wenn sie Besucher mit und ohne Behinderung gemeinsam erleben können und dadurch auch dazu beitragen, ein selbstverständliches Miteinander zu etablieren.

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