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Knowhow für Mieter: Nachtruhe – Lärm am Abend und am Wochenende

Ein wenig Lärm veranstaltet hin und wieder wohl jeder Mensch. Sei es beim Staubsaugen, beim Toben mit dem Hund oder durch das schreiende Baby als frischgebackene Eltern.

Wohnen
Südostschweiz
Donnerstag, 12. Januar 2017, 09:27 Uhr Wohnen
Knowhow für Mieter: Nachtruhe – Lärm am Abend und am Wochenende

CO2 Kommunikation

Doch wenn Lärm nicht mehr zur Ausnahme, sondern einem Dauerzustand wird – oder zu den „falschen“ Zeiten stattfindet und so zum Beispiel im Schlaf oder zu Ruhezeiten stört – kann er zur echten Belastung für die Gesundheit werden. Je mehr Menschen daher auf engem Raum wohnen und je hellhöriger die Wohnungen oder Häuser sind, umso schneller entstehen auch Konflikte aufgrund von Lärmbelästigung. Was also müssen Sie als Mieter von Ihren Nachbarn dulden und wann können Sie sich wehren?

Ungenaue Gesetze mit kantonalen Unterschieden
Es bringt reichlich wenig, wenn Sie nun damit beginnen Dezibel zu messen. Die Schweizer Gesetze unterscheiden sich nämlich je nach Kanton und nur in den wenigsten wird der Lärmpegel genau festgeschrieben, welcher gemeinhin als „Belästigung“ gilt. Die Ruhestörung wird stattdessen wie folgt definiert:

„Der Mieter einer unbeweglichen Sache muss auf Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht nehmen.“
(Quelle: OR)

Weiterhin regelt das Zivilgesetzbuch:
„(1) Jedermann ist verpflichtet, bei der Ausübung seines Eigentums, wie namentlich bei dem Betrieb eines Gewerbes auf seinem Grundstück, sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten.
(2) Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Luftverunreinigung, üblen Geruch, Lärm, Schall, Erschütterung, Strahlung oder durch den Entzug von Besonnung oder Tageslicht.“

Von Lärmbelästigung beziehungsweise Ruhestörung kann demnach immer dann gesprochen werden, wenn der Lärm nicht als „normale Gewohnheit“ ausgelegt werden kann. Klingt kompliziert? Wir haben ein einfaches Beispiel für Sie: Nehmen wir an, Sie entscheiden sich an einem Dienstagnachmittag um 16 Uhr zum Staubsaugen. Dies ist als eine „normale“ Uhrzeit für diese Tätigkeit anzusehen und dadurch völlig in Ordnung. Greifen Sie hingegen um 2 Uhr nachts zum Staubsauger, können Ihre Nachbarn wegen Ruhestörung handeln. Besonders strenge Auflagen gelten für die sogenannten „Ruhezeiten“. Diese unterscheiden sich je nach Kanton, sind in der Regel aber in etwa wie folgt festgelegt:

  • Werktags zwischen 12 und 13 Uhr

  • Werktags ab 20 oder 22 Uhr bis 6 oder 7 Uhr am Morgen

  • Ganztags an öffentlichen Ruhe- und Feiertagen

Fazit: Was ist erlaubt – und was nicht?
Wann ein Verhalten als rücksichtslos einzustufen ist und wann nicht, ist daher stets eine Einzelfallentscheidung. Dennoch haben wir zum besseren Verständnis einige Beispiele für Sie zusammengetragen: Während der Ruhezeiten dürfen Sie prinzipiell nicht

  • Schlag- oder Blasinstrumente spielen

  • laut Musik hören

  • bohren oder andere laute handwerkliche Tätigkeiten durchführen

  • lautstarke Streitgespräche führen

  • u. v. m.

Massgeblich ist hierbei immer die Zimmerlautstärke. Dennoch gibt es natürlich Ausnahmefälle, wie beispielsweise Babygeschrei: Dieses ist auch in der Nacht oder an Feiertagen nicht als Ruhestörung zu werten, da es sich schliesslich um das natürliche Verhalten eines Kleinkindes handelt. In diesem Fall sollten Sie vielleicht besser das Gespräch mit Ihrem Vermieter suchen, um abzuklären, ob eine bessere Schallisolation Ihrer Wohn- oder Schlafräume infrage kommt.

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