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Verdichtetes Bauen – schön wohnen: ein Widerspruch?

Der stets steigende Wohnflächenbedarf pro Person verbraucht viel Boden und fördert die Zersiedelung. Um sorgsamer mit der Landschaft umzugehen, sind neue Lösungen gefragt. Verdichtetes Bauen wäre ein vielversprechender Ansatz.

Wohnen
Südostschweiz
Dienstag, 31. März 2015, 15:41 Uhr Wohnen
Verdichtetes Wohnen
Bild; Archiv Keystone

Renato Faoro / Immobilienmakler bei Remax und eidg. diplomierter Betriebswirtschafter HF

Wohnraum ist in der Schweiz knapp. Drei von vier Einwohnern leben bereits in Städten und Agglomerationen. Die Zersiedlung schreitet voran. Der Wohnflächenbedarf pro Personen je Quadratmeter ist in den Jahren 1980 bis 2010 von 34 auf 48 m2 pro Person gestiegen. Innert 30 Jahren hat sich somit der Bedarf an Wohnraum um über 40 Prozent erhöht. Je knapper der Raum, desto wichtiger ist demnach ein haushälterischer Umgang mit dem Boden.

Bauen im Garten 
Eine Lösung ist verdichtetes Bauen. Dies ist möglich, ohne die Lebensqualität oder die Natur im Siedlungsraum zu opfern. Speziell in Ortskernen, aber auch ausserhalb ist dies eine sinnvolle Massnahme. Das kann auf den ersten Blick mühsam erscheinen, stellt jedoch eine grosse Chance dar – sowohl in architektonischer wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Gleichzeitig wäre es aber kontraproduktiv, Grünflächen und andere natürliche Inseln zuzubauen. In den näheren Einzugsgebieten von Städten liegt ebenfalls Verdichtungspotenzial. Länder wie Frankreich oder die USA gehen mit Projekten wie Bimby (Build in My Back Yard) bereits in diese Richtung. In Quartieren mit Einfamilienhäusern werden auf vorhandenen Parzellen Wohnerweiterungen errichtet, sei es durch zusätzliche Stockwerke, Anbauten oder durch neue Gebäude wie z.B. Alterswohnungen. Projekte dieser Art sind bislang in der Schweiz noch nicht (oder kaum) ein Thema.

Hilfe zur Selbsthilfe 
In kleinräumigen Gebieten und kleineren Gemeinden wird Hilfe zur Selbsthilfe – wie bereits in der Schweiz vereinzelt angestossen – vermehrt greifen müssen. Die Gemeinde gründet eine Aktiengesellschaft zur Förderung der inneren Verdichtung. Die Gesellschaft soll mögliche Projekte evaluieren, planen und auch realisieren. Ziel: Förderung der inneren Verdichtung. Als Gründungskapital bringt die Gemeinde Grundstücke in Form einer Sacheinlage ein. In einem zweiten Schritt wird das Aktionariat mit Privatpersonen erweitert, welche diese Zielsetzungen unterstützen. Wenn sich der Aktionärskreis um private Kapitalgeber erweitert, ziehen sich die Gründungsverwaltungsräte (Gemeinderatsmitglieder) zurück. Nebst den gesetzlichen Grundlagen und den damit verbundenen raumplanerischen Vorgaben sind somit auch andere Instrumente notwendig. Früher waren es die traditionellen Wohnbaugenossenschaften zur Förderung von günstigem Wohnraum – heute sind es Gesellschaften, die sich der inneren Verdichtung annehmen. Unsere Landschaft ist ein Kapital – ein endliches Kapital. Engagiertes Zusammenrücken ist angesagt.

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