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Sind Hochwasserschäden bei uns versichert?

Traurige Bilder aus unseren Nachbarländern schrecken auf. Nach der Flutbedrohung folgt oft der finanzielle Ruin, weil eine Versicherungsdeckung für die Schäden fehlt. Elementarschäden an Gebäuden sind in Graubünden obligatorisch bei der Gebäudeversicherung (GVG) versichert.

Wohnen
Südostschweiz
Dienstag, 31. März 2015, 14:11 Uhr Wohnen
Sind Hochwasserschäden bei uns versichert?
Bild zVg

Markus Feltscher / Direktor der Gebäudeversicherung Graubünden GVG

Wochenlang haben uns die Überschwemmungsbilder aus Deutschland (Passau, Sachsen), Österreich, aber auch aus Tschechien, Polen und Ungarn die Verletzbarkeit unserer Behausungen vor Augen geführt. Nach Tagen der körperlichen Bedrohung folgen das Aufräumen und die Instandstellung des Wohnraums. Die grosse Mehrheit der Hauseigentümer muss feststellen, dass keine Versicherungsdeckung für Gebäudeschäden und zum Teil auch für Schäden am Mobiliar vorhanden ist. In Bayern sind nur 10 Prozent und in Österreich nur zirka 15 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden versichert. In hochwassergefährdeten Regionen sind solche Versicherungen wegen des erhöhten Risikos sehr teuer, und in Zonen mit der höchsten Risikostufe sind Gebäude gar nicht versicherbar. Vielleicht greift der Staat den Geschädigten unter die Arme. Selten wird er dies im Ausmass des ganzen Schadens tun können. Damit zahlt der Steuerzahler und nicht die Solidargemeinschaft der Gebäudeeigentümer einen Teil des Schadens.

Risikoausgleich dank Solidarhaftung
Graubünden ist am ersten Juniwochenende – trotz kräftiger Niederschläge – von grösseren Schäden verschont geblieben. Im Frühling hilft der Schneefall als Verzögerer, und das meist abfallende Gelände verhindert grössere Überschwemmungen. Ereignisse wie Poschiavo 1987, Schlans/Rueun 2002 (siehe kleines Bild oben rechts) und Klosters 2005 zeigen aber, dass Wasser auch bei uns grosse Schäden anrichten kann. Wie sind die Geschädigten in einem solchen Fall versichert? Bezüglich Gebäudeschäden sieht es in den 19 Kantonen mit Gebäudeversicherungen anders aus als in den Nachbarländern. Das gesetzlich verankerte Obligatorium und das Monopol ermöglichen eine grosse Solidargemeinschaft und einen Risikoausgleich.

Volle Deckung bei Gebäuden
Alle sind versichert und dies zu wesentlich tieferen Tarifen als im nahen Ausland. Gebäude sind zum Neuwert versichert, sodass die Instandstellungskosten vollumfänglich gedeckt sind. Über die Elementarschadenkasse (ESK) werden in Graubünden sogar zusätzlich 70 Prozent der Aufräumund Ernteausfallkosten bei Grundstücken in Privateigentum übernommen. Die ESK ist eine Hilfsinstitution mit einem sozialen Charakter.

Beiträge für Prävention
Neben der Versicherungsdeckung leisten die kantonalen Gebäudeversicherungen als öffentlich-rechtliche Organisationen einen wesentlichen Präventionsbeitrag. Moderne Schutzmassnahmen kosten weniger als die Bewältigung eines Grossschadens. Gezielte Investitionen in die Prävention schützen Gebäudebesitzer vor Schäden und sorgen für günstige Prämien. Vorsichtig muss der Hauseigentümer auch in der Schweiz bezüglich Fahrhabe (Mobiliar) sein. Diese Versicherung ist freiwillig und muss durch den Mieter wie auch durch den Eigentümer abgeschlossen werden. Die Prämien in der Schweiz sind aber moderat.

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