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Tech-Industrie weiterhin in schwieriger Lage

Die Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie verwandte Technologie-Branchen) befindet sich weiterhin in einem ungemütlichen Umfeld. Die Anzeichen mehren sich aber, dass die Talsohle im laufenden Jahr erreicht wird.

Agentur
sda
22.05.24 - 09:00 Uhr
Wirtschaft
Die Situation in der Schweizer Tech-Industrie bleibt weiter angespannt. Es zeichnet sich aber Besserung ab. (Symbolbild)
Die Situation in der Schweizer Tech-Industrie bleibt weiter angespannt. Es zeichnet sich aber Besserung ab. (Symbolbild)
KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Im ersten Quartal 2024 sanken die Umsätze der Mitgliedfirmen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,4 Prozent und die Aufträge um 2,3 Prozent. Die Güterexporte gingen gar um 8,5 Prozent zurück, wie der Dachverband Swissmem am Mittwoch mitteilte.

Die Geschäftslage in der Industrie bleibe weiterhin schwierig, so Swissmem. Dabei seien die Umsätze bei den kleineren Unternehmen (KMU) insgesamt weniger stark gesunken als bei den Grossunternehmen. Die Auslastung der Produktionskapazitäten lag mit 85,5 Prozent erstmals seit dem dritten Quartal 2021 unter dem langjährigen Mittel von 86,2 Prozent.

Der Verband gibt allerdings auch eine gewisse Entwarnung. Da die Auftragslage in der Vorjahresperiode sehr gut gewesen seien, verdecke der erneute Bestellungsrückgang die Tatsache, dass sich die Auftragseingänge aus dem Ausland mittlerweile stabilisiert und aus dem Inland sogar erholt hätten. Die Anzeichen verdichteten sich denn auch, dass die Talsohle des Abschwungs dieses Jahr erreicht werde, schreibt der Verband.

Als mögliche Risiken streicht er die geopolitischen Unsicherheiten und den zunehmenden Protektionismus heraus. Dieser beeinträchtige die Dynamik der Weltwirtschaft und damit auch diejenige der Tech-Industrie, welche rund 80 Prozent der Güter exportiere. «Erhebliches Schadenpotential» habe insbesondere die jüngste Eskalation des Handelskriegs zwischen den USA und China.

Exporte gehen beinahe in allen Märkten zurück

Die Exporte im ersten Quartal waren derweil in beinahe alle Märkte rückläufig, entsprechend auch das eingangs erwähnte Minus von 8,5 Prozent. Die Tech-Industrie verkaufte im ersten Quartal noch Waren im Wert von 16,9 Milliarden Franken ins Ausland.

Regional gesehen reduzierten sich die Ausfuhren nach Europa um beinahe 12 Prozent am stärksten. Der Rückgang bei den Exporten in die USA (-2,6%) und nach Asien (-0,9%) war einiges moderater. Besorgniserregend ist laut Swissmem insbesondere das Minus von 12 Prozent bei den Ausfuhren nach Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt der Industrie. Einzige Lichtblicke seien die Exporte nach China und Indien mit einem Plus von gut 7 bzw. gut 8 Prozent.

Dass die Geschäftslage herausfordernd bleiben werde, zeige sich an den Einkaufsmanagerindizes (PMI), dessen Werte in den wichtigen Märkten USA und Europa unter der Wachstumsschwelle verharrten. Entsprechend verhalten sind denn auch die Erwartungen der Swissmem-Firmen. Lediglich 28 Prozent der Unternehmen rechnet für die kommenden zwölf Monate mit einem Anstieg des Bestellungseingangs aus dem Ausland.

Immerhin hat sich der Anteil der befragten Unternehmen, die mit sinkenden Aufträgen rechnen, auf zuletzt 28 Prozent von 37 Prozent reduziert.

«Die Durststrecke beim Umsatz und bei den Exporten hält derzeit noch an», lässt sich in der Mitteilung Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher zitieren. «Der positive Trend beim Auftragseingang bestätigt jedoch unsere Hoffnung, dass die Talsohle des Abschwungs bald erreicht ist.» Geholfen habe dabei auch die Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank.

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