×

WEF-Gründer Schwab kündigt Rückzug von seinem Führungsposten an

Das World Economic Forum (WEF) bereitet sich auf die Ära ohne ihren Gründer Klaus Schwab vor.

Agentur
sda
21.05.24 - 20:26 Uhr
Wirtschaft
 Bis Januar 2025 wird Klaus Schwab vom geschäftsführenden Vorsitzenden des World Economic Forum (WEF) zum Vorsitzenden des Stiftungsrats wechseln.
Bis Januar 2025 wird Klaus Schwab vom geschäftsführenden Vorsitzenden des World Economic Forum (WEF) zum Vorsitzenden des Stiftungsrats wechseln.
Bild Olivia Aebli-Item
Klaus Schwab gibt seinen bisherigen Chefposten beim Wirtschaftsforum bald ab. Dies kündigte der 86-Jährige am Dienstag in einer E-Mail an die Belegschaft an. Ein WEF-Sprecher bestätigte der Nachrichtenagentur Keystone-SDA entsprechende Medienberichte. Bis Januar 2025 werde Schwab vom geschäftsführenden Vorsitzenden zum Vorsitzenden des Stiftungsrats wechseln, teilte der Sprecher mit. Wer Schwabs Aufgaben übernimmt, war vorerst unklar. Der Wechsel soll vor der nächsten WEF-Ausgabe im Januar stattfinden.

Wer folgt auf Schwab?

Als aussichtsreicher Kandidat gilt die Nummer 2 hinter Schwab, WEF-Präsident Børge Brende. Der 58-Jährige ist ehemaliger norwegischer Aussenminister und seit 2017 WEF-Präsident. Zuvor war er bereits von 2008 bis 2009 Direktor und von 2011 bis 2013 administrativer Direktor.

Könnte Schwabs Nachfolger werden: der Norweger Børge Brende.
Könnte Schwabs Nachfolger werden: der Norweger Børge Brende.
Bild Salvatore Di Nolfi / Keystone

Mit dem Schritt bereitet Schwab seine Nachfolge vor. Seit 2015 habe sich das WEF von einer Begegnungsplattform zu einer führenden globalen Institution für öffentlich-private Zusammenarbeit gewandelt, teilte der Sprecher mit. Als Teil dieses Wandels durchlaufe die Organisation eine geplante Entwicklung von einer gründergeführten Organisation zu einer Organisation, in der ein Präsident und eine Stiftungsleitung die volle Führungsverantwortung übernehmen würden.

Das WEF ist seit der Gründung 1971 als gemeinnützige Stiftung organisiert. Künftig wird der Stiftungsrat des Forums den Angaben zufolge um vier strategische Ausschüsse herum organisiert sein. Damit will die Institution die Wirkung ihrer Arbeit verstärken. Das WEF will damit institutionell die Kontinuität sichern. Das jährliche Elitetreffen in Davos soll eine «unabhängige und unparteiische Plattform» zur Bewältigung der komplexen Herausforderungen einer vernetzten Welt bleiben.

Über 600 Beschäftigte

Der deutsche Wirtschaftsprofessor Klaus Schwab, der im süddeutschen Ravensburg als Sohn eines Schweizer Fabrikdirektors geboren wurde, hatte das Weltwirtschaftsforum 1971 ins Leben gerufen, mit Geld seiner Eltern, Ersparnissen als Manager und einem Kredit. Das Forum mit dem Jahrestreffen in Davos wurde zu einer der wichtigsten Zusammenkünfte für Spitzenpolitiker, Top-Manager, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft aus aller Welt. Seinen Sitz hat das Forum in Genf. Es beschäftigt weltweit 600 Menschen in Genf, New York, Peking und Tokio.

Für seine Bemühungen, Politik und Wirtschaft zur Lösung globaler Probleme im WEF zusammenzubringen, wurde Schwab mehrfach geehrt, unter anderem vom japanischen Kaiser. Kritiker des Jahrestreffens in Davos werfen den Organisatoren dagegen vor, dass die Mächtigen der Welt am WEF hinter dem Rücken der Bevölkerung gegenseitig ihre Profite erhöhten.

Schwab studierte in an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, der Universität Freiburg und der Harvard Universität bei Boston. Er ist Doktor der Ingenieurwissenschaften sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und hat einen Master in Public Administration.

Erfolg als Umstrukturierer

Er leitete die Umstrukturierung des führenden Schweizer Maschinenbaukonzerns Escher Wyss und war Professor für Wirtschaftspolitik in Genf, bevor er das WEF gründete. Bis 2003 blieb er Professor an der Universität Genf, währen er mehrere Verwaltungsratsmandate und internationale Beratungsfunktionen inne hielt. Danach widmete er sich ganz der Weiterentwicklung des WEF.

Gemeinsam mit seiner Frau Hilde gründete er 1998 die Schwab Foundation, um soziales Unternehmertum und Innovation zu fördern. Schwab publizierte mehrere Bücher. Der Bestseller «Die Vierte Industrielle Revolution» wurde in über 30 Sprachen veröffentlicht.

Schwab ist seit 1971 verheiratet und hat zwei Kinder sowie zwei Enkelkinder. Seine Hobbys sind Sport und Kultur. (sda)

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Mehr zu Wirtschaft MEHR