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Mikroplastik kann Schadstoffe aufnehmen und in Fischmägen abgeben

Mikroplastik kann Schadstoffe aufnehmen und in Fischmägen abgeben

Dass Mikroplastik wasserunlösliche Schadstoffe aufnehmen kann, war bekannt. Nun haben Forscher der ETH Lausanne (EPFL) nachgewiesen, dass diese Schadstoffe im Verdauungssystem von Fischen herausgelöst werden und möglicherweise in die Nahrungsmittelkette gelangen.

Agentur
sda
26.10.21 - 13:25 Uhr
Wirtschaft
Die Aufnahme von Mikroplastik kann erheblich zur Exposition von Wasserorganismen gegenüber Progesteron beitragen. Progesteron gilt als endokriner Disruptor und kann schon in kleinsten Mengen den Organismus schwer schädigen (Pressebild).
Die Aufnahme von Mikroplastik kann erheblich zur Exposition von Wasserorganismen gegenüber Progesteron beitragen. Progesteron gilt als endokriner Disruptor und kann schon in kleinsten Mengen den Organismus schwer schädigen (Pressebild).
zVg

Die EPFL-Forscher nahmen speziell Progesteron ins Visier. Es gilt als sogenannter endokriner Disruptor. Das sind hormonaktive Substanzen, die im Körper bereits in geringsten Mengen durch Veränderung des Hormonsystems die Gesundheit schädigen können. Endokrine Disruptoren kommen hauptsächlich in synthetisch hergestellten Materialien wie Pestiziden, Lösungsmitteln, Babyprodukten und Kunststoffen vor.

Das im Mikroplastik enthaltene Progesteron wird durch chemische Reaktionen mit den Verdauungsflüssigkeiten der Fische in den Verdauungstrakt freigesetzt. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler der EPFL, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag), der Peking University in Peking und der Oklahoma State University gemeinsam durchgeführt haben und die in der Zeitschrift «Environmental Science: Processes & Impacts» veröffentlicht wurde.

«Unsere Studie zeigt, dass Mikroplastik ein zusätzlicher Vektor für die Exposition von Fischen gegenüber Mikroverunreinigungen wie Progesteron, einem Steroidhormon, das in der Umwelt vorkommt, ist», sagt Florian Breider, Leiter des Zentralen Umweltlabors der EPFL und Mitautor der Studie. «Noch weiss niemand, ob die Mikroverunreinigungen die Darmwände durchdringen und sich auf den Rest des Fisches ausbreiten».

*Fachpublikationslink https://doi.org/10.1039/D1EM00226K

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