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House of Switzerland

Als das «House of Switzerland» vor zwei Jahren im Eisstadion eröffnet wurde, war es ein grosses Novum. Beim zweiten Auftritt letzte Woche war es schon doppelt so gross und hat einen ersten Ableger – in Mailand.

Barbara
Gassler
31.05.22 - 16:38 Uhr
Wirtschaft
Gastgeber im «House of Switzerland» (v.l.): Manuel Salchli, Leiter Internationale Grossveranstaltungen, Dieter Borer, Projektleiter House of Switzerland Davos 2022, und Botschafter Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz.
Gastgeber im «House of Switzerland» (v.l.): Manuel Salchli, Leiter Internationale Grossveranstaltungen, Dieter Borer, Projektleiter House of Switzerland Davos 2022, und Botschafter Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz.
zVg EDA, Präsenz Schweiz

Ein eigentliches «House of Switzerland» kannte man bisher nur von grossen sportlichen Veranstaltungen wie zum Beispiel bei Olympischen Spielen. Organisiert werden sie jeweils von «Präsenz Schweiz». Sie ist die für das «Nation Branding» zuständige Stelle im eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Organisiert wird das «House of Switzerland» jeweils in enger Zusammenarbeit mit den Partnern Schweiz Tourismus und Switzerland Global Enterprise (S-GE). Doch die Idee, das Format auch als Begegnungstätte am Jahrestreffen des World Economic Forum zu nutzen, war im Hinblick auf 2020 das erste Mal entstanden. Damals belegte man auf der Südseite des Eisstadions zwei Räume und nutzte sie für Treffen der offiziellen Schweiz mit den am WEF anwesenden Delegationen. Die neue Möglichkeit fand rasch Anklang, sodass sich die Bundesräte wünschten, ihre Treffen nur noch in dieser Lokalität durchzuführen, wie Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, gegenüber der DZ berichtet. «Als Gastgeberin hat die Schweiz zwar als einziges Land im Kongresszentrum selber eine Lounge», erzählt er weiter. «Doch sie eignet sich für einen gemüt­lichen Austausch zwischen wenigen Personen, nicht aber für das Treffen von Delegationen.» Ausserdem sei die Atmos-phäre da zu hektisch und für intensives Arbeiten nicht geeignet. Entsprechend wichen die Schweizer Gastgeber in der Vergangenheit oft ins Rathaus oder in Hotels aus.

Mehr repräsentativer Raum

Die Lounge soll zwar nicht aufgegeben werden, doch empfängt die offizielle Schweiz inzwischen mehrheitlich im «House of Switzerland». «Die Arbeitsqualität ist da besser, und es gibt auch Rückzugsmöglichkeiten.» Letzte Woche fanden von den total über dreissig bilateralen Treffen der Schweizer Regierung zehn im «House of Switzerland» statt. Zwanzig Mal empfingen die drei Staatssekretärinnen sowie weitere hohe Vertreterinnen und Vertreter der Bundesverwaltung in der Eishalle Gäste. Dazu hatte man den verfügbaren Raum seit 2020 verdoppelt und sich bis auf die Nordseite ausgebreitet. Mehr als zehn ausländische Minister, darunter Robert Habeck, deutscher Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Dmytro Kuleba, ukrainischer Aussenminister, sowie weitere Minister aus Indonesien, Kanada, Peru, Saudiarabien, Singapour sowie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg fanden sich so im «House of Switzerland» ein. Ausserdem fanden vier Pressekonferenzen der Bundesräte sowie zehn thematische Events statt. «Die Pressekonferenz von Bundespräsident Ignazio Cassis vom Dienstag war ein grosser Erfolg», nennt Bideau ein Beispiel. Auf einen Schlag habe die ganze Welt die Haltung der Schweiz zur Ukraine gekannt und sei über die Wiederaufbau-Konferenz vom 4. und 5. Juli in Lugano informiert gewesen. Dort soll auch ein Plan zum Wiederaufbau der Ukraine vor­gestellt werden.

Schweizer Interessen vertreten

Das sei Sinn und Inhalt des «House of Switzerland», erklärt Bideau. «Wenn Davos für eine Woche zum ‹Global Village› wird, wollen wir präsent sein und die Interessen der Schweiz, des Kantons Graubünden und der Gemeinde Davos vertreten.» Dazu gehöre auch, das WEF zu stärken und dafür zu sorgen, das Jahrestreffen in der Schweiz zu behalten. Daher sei ihre Präsenz hier in enger Absprache mit dem WEF entstanden. «Wir sind keine Trittbrettfahrer», betont Bideau energisch. Doch es gebe keinen besseren Ort, sich und seine Interessen ins Zentrum zu stellen, denn beim Jahrestreffen des WEF handle sich um die beste wirtschaftpolitische Plattform.

Rund 230 000 Franken lässt sich die Eidgenossenschaft ihren Auftritt in Davos kosten. Wie viel Gegenwert daraus entstehen würde, wisse man noch nicht. Um das zu berechnen sei es noch zu früh. «Neben der Visibilität und dem Prestige entstanden auch viele Geschäftskontakte.» Das Erfolgsmodell «House of Switzerland» wird inzwischen auch anderswo eingesetzt. Seit Ende April und noch bis Mitte Juli begleitet eines die Mailänder Design Woche.

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