Grösstes Zollfrei-Einkaufszentrum in Samnaun schliesst
Das Einkaufszentrum Hermelindis in Samnaun schliesst Ende Oktober seine Türen. Dies aufgrund des Rückzugs des Basler Duty-free-Giganten Dufry. Wie der «Blick» berichtet, stellt Dufry seinen Betrieb im Engadin aus wirtschaftlichen Gründen ein. Dufry ist in 64 Ländern mit 2200 Shops aufgestellt. Im Engadin dürften laut dem Bericht 30 Stellen verloren gehen.
In Samnaun will man die Schliessung des grössten Einkaufszentrums jedoch nicht einfach so hinnehmen. Olga-Maria Weissenberger ist Mitinhaberin des Einkaufscenters und kämpft um dessen Zukunft. Sie gibt der kommunalen Sondergewerbesteuer die Steuer die Schuld an der Misere.
Inzwischen haben 700 Personen eine Petition zur Streichung dieser Steuern auf zollfreie Ware unterzeichnet. Diese wurde 1973 von der Gemeinde zur Finanzierung der Infrastruktur eingeführt. Vor zwei Jahren wurde der Satz für den Detailhandel auf 3,75 Prozent erhöht.
Weissenberger war für eine Stellungnahme für «suedostschweiz.ch» nicht erreichbar. Im «Blick» sagte sie: «Samnaun kann nicht willkürlich Steuern erheben und so die ganze Wirtschaft ruinieren. Es darf nicht sein, dass die Gemeinde das Zollprivileg aushebelt.».
Gemeindepräsident widerspricht
Unterstützung erhält Weissenberger von der Unia, welche die Gemeinde auffordert, sich für den Erhalt der Jobs einzusetzen. Laut der Gewerkschaft wären die Beschäftigten bereit, das Unternehmen in eigener Regie weiterzuführen.
Demgegenüber wehrt sich Gemeindepräsident Hans Kleinstein: Die Geschäfte seien wegen des starken Frankens nicht mehr so gut gelaufen wie früher. Das Geschäftsmodell Zollfrei-Oase sei längst nicht am Ende, so Kleinstein. «Für Samnaun, das mit den Nachteilen einer Randregion zu kämpfen hat, ist es nach wie vor sehr wichtig.»
In Samnaun gibt es 40 ähnliche Shops mit 300 bis 400 Arbeitsplätzen. Der Bund hat Samnaun 1892 aus dem Zollgebiet entlassen. Seither werden insbesondere Tabak, Schmuck und Parfum ohne Mehrwertsteuer und damit zu Tiefstpreisen angeboten und verkauft.