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«Die Plätze blieben zu zwei Dritteln leer»

Die beliebte Plattform Open Forum wird seit bald zwanzig Jahren parallel zum Jahres­treffen des World Economic Forum (WEF) durchgeführt. 

Barbara
Gassler
10.06.22 - 07:01 Uhr
Wirtschaft
Open Forum mit Davoser Beteiligung: Landammann Philipp Wilhelm nahm am Podium zur Gleichberechtigung teil.
Open Forum mit Davoser Beteiligung: Landammann Philipp Wilhelm nahm am Podium zur Gleichberechtigung teil.
Bild: World Economic Forum/Sandra Blaser

Mit dem Open Forum sollte 2003 ein Raum geschaffen werden, in dem eine kritische Öffentlichkeit in direkten Kontakt mit Teilnehmenden am Jahrestreffen treten konnte. Dies auch, um den in den Jahren davor massiven und teilweise gewalttätigen Protesten auf der Strasse etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es sollte ein Ort sein, wo die Themen, die sonst nur im Inneren des Kongresszentrums diskutiert wurden, direkt auch der einheimischen Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Über die Jahre wurde die in der Aula der SAMD durchgeführte Veranstaltung zu einem festen Bestandteil des Jahrestreffens, die regelmässig auf sehr grosses Interesse stiess. Zeitweise war der Andrang solchermassen, dass sich das WEF genötigt sah, Besuchende am Jahrestreffen zu bitten, zugunsten der Einheimischen auf die Teilnahme am Open Forum zu verzichten. So verzeichnete die Veranstaltung während der WEF-Woche mit meistens zwei, manchmal auch drei Terminen pro Tag zwischen 1500 bis 2000 Eintritte.

Zuerst die Absage

Entsprechend gross war die Enttäuschung, als im Vorfeld des auf Januar angesetzten Jahrestreffen dieser Programmpunkt fehlte. «Diese Absage tut uns unheimlich leid», sagte WEF-Direktor Alois Zwinggi im November 2021 anlässlich einer Informationsveranstaltung in Davos. «Nie hätten wir gedacht, dass wir einmal im Fadenkreuz solcher Verschwörungstheorien stehen würden.» Doch sie würden täglich massive Drohungen – bis hin zu Mord – erhalten. Auf den Mai hin hatte sich die Situation jedoch soweit entspannt, dass man wagen wollte, das Open Forum durchzuführen. Mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen allerdings. So musste man sich für die Teilnahme neu über eine Online-Plattform anmelden. Um weniger technik-affinen Personen den Besuch ebenfalls zu ermöglichen, bot das WEF eine persönliche Hilfestellung an, die dann aber von lediglich zwölf Personen in Anspruch genommen wurde. Über die Online-Plattform gingen jedoch pro Session 250 bis 300 Anmeldungen ein, wie das WEF auf Anfrage mitteilt. 2326 seien schliesslich gewesen. Dies war möglich gewesen, weil das Open Forum zum ersten Mal anstatt in der Aula SAMD in der neuen Dreifachturnhalle an der Tobelmühlestrasse stattfand und Platz für rund hundert Personen mehr bot. «Die Lokalität war absolut fantastisch.»

Angemeldet, aber nicht gekommen

Dennoch hingen dunkle Wolken über dem diesjährigen Open Forum. «Quo vadis», fragte DZ-Leser Johannes Frigg im Anschluss und beschrieb die Situation: «Noch vor einigen Jahren war die SAMD-Aula oft so voll, dass die Gesprächsrunde zusätzlich in den Medienraum übertragen werden musste. Doch jetzt: Montag, 18.30 Uhr, ganz akzeptabel. Dienstag 18.30 Uhr: Es sind weniger als zwanzig reguläre Zuhörer neben den dazu verknurrten Davoser Gymnasiasten und einer kleinen Gruppe englischsprachiger Jugendlicher sowie Sicherheits- und WEF-Personal.» Diese Beobachtung wird vom WEF bestätigt. «Wir hatten ungefähr zwei Drittel No-shows», erklärt das WEF gegenüber der DZ. Eine Zahl, die WEF-Direktor Alois Zwinggi zu Schluss der WEF-Woche dazu verleitete, gegenüber der Presse von einer «sehr wahrscheinlichen Sabotage» zu sprechen. Inzwischen ist man vorsichtiger. «Wir sind noch an der Analyse», heisst es nun. Frigg ortet allerdings noch mehr Gründe: «Erst am Tag vor WEF-Eröffnung bekam man überhaupt eine Rückmeldung, ob man als Zuhörer akzeptiert sei… Angemeldete aus dem Sarganser Rheintal zum Beispiel haben auf eine Teilnahme verzichtet, weil zum Zeitpunkt einer vernünftigen Terminplanung keine Bestätigung vorlag - sondern erst am Tag vor den Veranstaltungen eintraf.»

Erfolg im Internet und sichere Weiterführung

Als klar wurde, dass viele der Angemeldeten nicht erscheinen würden, öffnete man den Anlass für die traditionellen Forum-Teilnehmenden. «Normalerweise geben wir der Öffentlichkeit Vorrang, aber wenn das Angebot nicht auf Interesse stösst, hat es halt mehr Platz für unsere Teilnehmenden.» So fanden die neun Sessionen halt nur vor einer kleinen Zuhörerzahl statt. «Die Teilnehmenden, die kamen, waren jedoch sehr engagiert in den Fragen und Antworten mit den Podiumsteilnehmenden», beurteilt das WEF den Erfolg. Ausserdem seien die Sessionen live übertragen worden und online hätten sie tausende Zuschauende gehabt. Die Podiumsteilnehmenden – alles Leute, die am Jahrestreffen auch sonst sehr gefragt waren – hätten sich nicht am geringen Publikumsaufmarsch gestört. «Sie fanden es einfach schade, dass nicht mehr Personen diese tolle Möglichkeit, beim Open Forum mit­zumachen, in Anspruch nahmen.»

Trotz aller Schwierigkeiten will man am Format festhalten – «Natürlich werden wir das Open Forum weiterhin anbieten» – will sich bezüglich eines Anmeldeprozedere zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht festlegen: «Wir werden sehen, was für Massnahmen zu diesem Zeitpunkt notwendig sein werden».

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