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Der Puffer machts

Im Lärm des WEF-Verkehrs sind sie fast unhörbar: Dieses Jahr fährt die offizielle Shuttle-Flotte von Audi zum ersten Mal zu 100 Prozent elektrifiziert. Die DZ besuchte die Ladestation auf dem Jakobshorn-Parkplatz.

Barbara
Gassler
29.05.22 - 16:50 Uhr
Wirtschaft
Projektleiter Stefan Waltl zeigt das Innenleben der mobilen Ladestation.
Projektleiter Stefan Waltl zeigt das Innenleben der mobilen Ladestation.
bg

Rund ums Chalet Bello, dem Stütz- und Verpflegungspunkt der WEF-Fahrer, sind die mobilen Ladecontainer platziert. Sie machen es möglich, die 139 Fahrzeuge zählende Flotte zu laden, ohne dabei die Stromversorgung von Davos zu gefährden. «Mit unserer Pufferlösung können wir Strom aus dem regulären Netz entnehmen, ihn zwischenspeichern und dann bei Bedarf schnell wieder abgeben», erklärt Stefan Waltl, technischer Projektleiter im Bereich Ladetechnik, das Prinzip. «Das funktioniert wie bei einem Regenfass, wo oben langsam gefüllt wird, während aus dem Zapfen unten grosse Mengen fliessen können.» Oder auf technisch: «Mithilfe der Ladecontainer lässt sich eine siebenfach höhere Netzleistung erreichen – aus 350 kW Netzleistung wird so eine Ladeleistung von rund 2600 kW.»  Es bedeutet aber auch, dass die gesamte WEF-Flotte ausschliesslich mit Davoser Wasserstrom betrieben wird.

Zweites Leben für Batterien

Die eigens entwickelten mobilen Ladecontainer mit insgesamt 96 Ladepunkten versorgen die Fahrzeuge auf dem Jakobshornparkplatz. Als Stromspeicher fungieren gebrauchte und aufbereitete Lithium-Ionen-Batterien – sogenannte Second-Life-Batterien, die aus zerlegten Audi-Entwicklungsfahrzeugen stammen. Das spart Kosten und Ressourcen. Möglich sei das, weil seit den ersten Gesprächen vor vier Jahren über die Elektrifizierung der Personentransporte sich die Ladeleistung und Speicherkapazität sukzessive weiterverbessert hätten. «Eine Recycling-Infrastruktur für Batterien in Privatautos gibt es noch nicht, weil diese noch gar nicht zurückkommen. Diesem Thema werden wir uns aber gesamthaft als Konzern annehmen, um die wertvollen Rohstoffe in einen Kreislauf zu überführen.» Für ihre Batterien gebe es unterdessen eine Garantie von acht Jahren oder 160 000 Kilometern Laufleistung, die Kunden zudem gegen einen übermässigen Kapazitätsverlust absichere.

Einer der hybriden Kleinbusse im Einsatz.
Einer der hybriden Kleinbusse im Einsatz.
bg

Nicht genügend Ladekapazitäten

Notwendig sind die mobilen Ladestationen, weil es in Davos zwar elf fest installierte Schnellladestationen gibt, deren Ladeleistung aber teilweise zu gering ist und die Ladestationen während des WEFs grösstenteils nicht zugänglich sind. Herzstück der in lediglich zwei Tagen aufgebauten Anlage sind zwei grosse Container an denen sich bis zu 16 E-Modelle zeitgleich ohne Netzanschluss laden lassen. Der Ladevorgang dauert bei diesen «High-Power-Chargern» rund 45 Minuten. Weitere fünf kleinere Container bieten Lademöglichkeit für je vier Fahrzeuge.

Für die offiziellen WEF-Shuttles werden hingegen hybride VW-Busse verwendet. «Im innerstädtischen Verkehr mit seinem ‹Stop-and-Go› sind hybride Fahrzeuge richtig. Im Überlandverkehr kann für eine grössere Reichweite dann der Verbrennungsmotor zugeschaltet werden», erklärt Waltl. Entsprechend fahren die WEF-Shuttles am Jahrestreffen vollständig elektrisch und werden ebenfalls auf dem Jakobshornparkplatz an den mobilen Ladecontainern von Audi «getankt», gereinigt und unterhalten.

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