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CO2-neutraler Beton aus Schweizer Hand

Der Maienfelder Baustoffproduzent Logbau hat mit der Fachhochschule OST den ersten nachweislich CO2-neutralen Beton der Schweiz entwickelt.

Südostschweiz
04.03.22 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Die zentrale Zutat: Pflanzenkohle aus heimischer Holzwirtschaft.
Die zentrale Zutat: Pflanzenkohle aus heimischer Holzwirtschaft.
Bild Matthias Nutt/Logbau

Beton ist flexibel und einfach zu verbauen und nach wie vor der beliebteste Baustoff der Schweiz. Er steht aber aufgrund der CO2-Bilanz in der öffentlichen Wahrnehmung unter Druck, wie der Maienfelder Baustoffproduzent Logbau in einer Mitteilung schreibt. Das Reduktionspotenzial durch die Betonherstellung beträgt in der Schweiz gemäss aktuellen Schätzungen ungefähr 2,7 Millionen Tonnen CO2. Die Logbau mit Sitz in Maienfeld hat sich zur Aufgabe gemacht, dieses Potenzial zu nutzen, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen. Der Aufwand hat sich gelohnt, entstanden ist der erste wirklich CO2-neutrale Beton der Schweiz, wie die Tochtergesellschaft der Zindel United weiter schreibt.

Beeindruckende CO2-Bilanz

Die Logbau erklärt: Der Ansatz besteht darin, Beton als CO2-Senke zu nutzen, indem Pflanzenkohle beigemischt wird. Das Basisprinzip: Holz lagert auf natürliche Weise eine beträchtliche Menge an CO2 ein, welches durch das speziell entwickelte Pyrolyseverfahren dauerhaft in der Pflanzenkohle gebunden wird. So können in der Praxis mehr als 200 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter Beton permanent eingelagert werden. Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Einfamilienhaus ungefähr 120 Kubikmeter Beton benötigt, entspricht dies 24 Tonnen neutralisiertem Kohlendioxid. Zum Vergleich: Das ist in etwa gleich viel, wie ein durchschnittliches Auto in der Schweiz während zehn Jahren ausstösst, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Mit Fachhochschule OST entwickelt

Intensive Forschung und zahlreiche Versuche haben zum Erfolg geführt, wie die Logbau berichtet. Spezialistinnen und Spezialisten der Ostschweizer Fachhochschule OST in Rapperswil haben die gemeinsame Entwicklung von Logbau und Inega von Anfang an begleitet, die Grundlagenforschung beigesteuert und regelmässige Tests durchgeführt, um die ideale Rezeptur zu ermitteln.

Das Endprodukt verfügt über gleichwertige Eigenschaften wie herkömmlicher Beton, ist aber komplett CO2-neutral und je nach Rezeptur sogar CO2-negativ, also eine permanente CO2-Senke. Zudem ist der Klimabeton vollständig rezyklierbar. Das Patent für den Klimabeton ist bereits angemeldet.

Der Schlüssel dazu ist die für Baustoffe entwickelte Inkoh-Pflanzenkohle von Inega. Diese entsteht aus unbehandeltem Restholz aus regionaler Forstwirtschaft. Logbau kombiniert dieses mit ihrem Beton und erhält so ein innovatives Endprodukt. Erste Tests und Studien haben zudem ergeben, dass der Klimabeton potenziell noch weitere Vorteile bietet.

Der Klimabeton ist marktreif und wird derzeit in Graubünden, St. Gallen und im Fürstentum Liechtenstein geliefert, wie es in der Mitteilung von Logbau weiter heisst. (red)

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