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Kosmische Strahlung verrät genaues Alter von griechischer Siedlung

Aufs Jahr genau haben Berner Forscherinnen und Forscher eine über 7000 Jahre alte Siedlung im Norden Griechenlands datiert. Eine so genau Datierung sei in dieser Region bisher nicht gelungen, wie die Universität Bern am Dienstag mitteilte.

Agentur
sda
21.05.24 - 16:11 Uhr
Wirtschaft
Das Pfahlfeld der Fundstelle von Dispilio: Knapp 800 Pfähle,
mehrheitlich aus Wacholder- und Eichenholz, wurden beprobt
und dendrochronologisch gemessen.
Das Pfahlfeld der Fundstelle von Dispilio: Knapp 800 Pfähle, mehrheitlich aus Wacholder- und Eichenholz, wurden beprobt und dendrochronologisch gemessen.
Universität Bern

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bern machten sich dafür einen plötzlichen Anstieg von Partikeln aus kosmischer Strahlung zunutze, der im Jahr 5259 vor Christus passierte. Im Holz, das für den Bau der Gebäude dieser Siedlung verwendet wurde, entdeckten sie Spuren dieser Strahlung in den Jahrringen.

Damit ordneten sie die verschiedenen Hausbauaktivitäten in der Fundstelle von Dispilio zwischen 5328 und 5140 vor Christus präzise zu, wie aus der Studie der Berner Forschenden in der Fachzeitschrift «Nature Communications» hervorgeht.

Für die Altersbestimmung prähistorischer Funde werden in der Regel zwei Methoden angewandt: Die so genannte Dendrochronologie, die eine Datierung anhand der Dicke der Jahrringe von Bäumen ermöglicht, und die Radiokarbon-Datierung, bei der das ungefähre Alter der Funde über den Zerfall des radioaktiven Kohlenstoffisotops 14-C in den Baumringen berechnet wird.

Bisherige Methoden haben Grenzen

Beide diese Methoden haben jedoch ihre Grenzen, wie die Universität in der Mitteilung schrieb. So braucht es für die Dendrochronologie eine bestehenden Jahrringkalender, mit dem die Funde verglichen werden können.

«In Mitteleuropa gibt es einen solchen Jahrringkalender, der heute knapp 12'500 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht - in das Jahr 10'375 v. Chr. Dieser Kalender gilt aber nur für bestimmte Regionen», wurde Erstautor Andrej Maczkowsk zitiert. Mit 14-C kann man das Alter zwar überall auf der Welt bestimmen, aber nur auf etwa eine Dekade genau.

Die Lösung dieses Problems zeichnete sich laut der Universität Bern im Jahr 2012 ab. Damals entdeckte die japanische Physikerin Fusa Miyake, dass ein massiver Zustrom kosmischer Strahlung zu einem starken Anstieg des 14-C-Gehalts in der Atmosphäre führen kann, der sich in den Baumringen der betroffenen Jahre widerspiegelt.

Auf Basis von Jahrringkalendern können diese starken Anstiege genau datiert werden. Heute sind ein Dutzend dieser Miyake-Ereignisse bis 12’350 v. Chr. bekannt. Die zwei wichtigen Ereignisse 5259 und 7176 v. Chr. wurden erst 2022 von Forschenden der ETH Zürich entdeckt.

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