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Ausbau der Messungen im Windpark Surselva

Die Altaventa Surselva AG baut ihre Windmessreihe in der Val Lumnezia aus – nach den ersten Auswertungen der Daten soll der Ausbau noch genauere Windströmungsverhältnisse liefern. Die Interessengemeinschaft gegen den Windpark Surselva sieht dies kritisch.

Südostschweiz
Donnerstag, 02. August 2012, 19:00 Uhr
Umstrittenes Projekt: Windpark Surselva

Lumbrein. – Seit November 2010 laufen Messungen auf der Alp Staviala Vedra und auf dem Grenerberg mit 60 Meter hohen Masten. Nach den ersten Messungen werden diese Masten jetzt abgebaut, versetzt und auf 80 Meter Höhe auf der Achse Um Su–Piz Gren wieder aufgebaut, wie die Altaventa Surselva AG in einer Medienmitteilung schreibt. Die neuen Messungen, welche voraussichtlich im Sommer 2013 ausgewertet sein werden, sollen möglichst genaue Windströmungsverhältnisse feststellen, damit mögliche Windenergieanlagen optimal zum Wind stehen und ungeeignte Gebiete ausgeschlossen werden können. Zum jetzigen Zeitpunkt kann jedoch bereits davon ausgegangen werden, dass maximal 40 Windanlagen gebaut werden können, wie es weiter heisst.

Mit gemischten Gefühlen

«Grundsätzlich freuen wir uns darüber, dass von der ursprünglichen Zahl von über 100 Windanlagen abgerückt und offiziell von maximal 40 Anlagen gesprochen wird», sagt Initiant Martin Jäger von der IG Windpark Surselva. Jedoch sehe er den Bau der neuen Masten kritisch, stehe doch das Gebiet in der Zone zwischen Um Su und Piz Gren klar im Natur- und Landschaftsschutzinventar Graubünden. Weiter kritisiert er, dass die Öffentlichkeit in der Surselva zu wenig über die Pläne informiert werde und er kein Baugesuch im Amtsblatt vorfinde.

Altaventa-Chef Andy Imfeld nimmt diese Kritik entgegen: «Wir haben die Absicht ab dem Herbst in regelmässigen Abständen auf unserer Homepage und über die Medien über das Projekt zu informieren.» Das Baugesuch werde im Verlauf dieser Woche eingereicht. Zur Kritik, dass die neue Türme in einem Landschaftsschutzgebiet gebaut werden, meint er: «Es wird nur ein Turm in diesem Gebiet gebaut, der andere ist nicht im Schutzgebiet.» Die Entscheidung basiere auf der Grundlage von zwei unabhängigen Gutachtern aus Deutschland und der Schweiz. Wer diese Gutachter sind, will Imfeld noch nicht sagen, auch dies soll im Herbst bekannt gegeben werden. Falls die neuen Messungen ergeben würden, dass das Gebiet ideal für eine Windkraftanlage wäre, müsse darüber diskutiert werden: «Das Gebiet ist nicht sakrosankt. Falls das Potential einer Anlage besteht, muss eine Interessenabwägung stattfinden und mit allen beteiligten Parteien diskutiert werden.»

Zwischen den Parteien

Nicht ganz zufrieden ist auch die Pro Natura Graubünden: «Die Verlegung der Messtürme nehmen wir mit Besorgnis zur Kenntnis, eben weil ein Landschaftsschutzgebiet betroffen ist», sagt Hans F. Schneider, Geschäftsführer von Pro Natura Graubünden. Grundsätzlich unterstützten sie das Projekt konstruktiv-kritisch: «Es handelt sich bei diesem Projekt um erneuerbare Energie und dies ist in unserem Sinne. Jedoch soll bei einem eventuellen Bau mit der Natur so schonend wie möglich umgegangen werden.» Deshalb seien sie auch froh, dass die Altaventa Surselva AG nach einiger Kritik sich dazu entschieden habe, zuerst die Umweltverträglichkeitsuntersuchung und fundierte Abklärungen durchzuführen, anstatt wie geplant bereits diesen Sommer eine Pilotanlage analog wie jener in Obergoms im Wallis zu bauen. (ph)

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