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Repower bleibt trotz Italien-Dämpfer auf Gewinnkurs

Der Bündner Energieversorger Repower blickt auf ein solides Halbjahr 2021 zurück. Sonderfaktoren konnten den Gewinntaucher im Italien-Geschäft ausgleichen.

Stefan
Schmid
26.08.21 - 13:37 Uhr
Wirtschaft

Für Repower war es zuletzt ein «Goldesel»: Es spülte Millionen in die Kassen des Bündner Energieunternehmens und sorgte in den vergangenen Jahren für stetig steigende Gewinne. Die Rede ist vom Gaskombikraftwerk Teverola in der Nähe der italienischen Millionenstadt Neapel. In Teverola produziert Repower keinen Strom für Endkunden, sondern für die Netzstabilität – sogenannte Regelenergie, welche dabei hilft, das italienische Stromnetz zu stabilisieren. Ein lukratives Geschäft gerade in turbulenten Zeiten, in denen der tatsächliche Stromverbrauch respektive die Stromproduktion wesentlich von den zuvor getroffenen Prognosen abweichen. Dies war in Italien insbesondere während des ersten Covid-Lockdown im Frühjahr 2020 der Fall: Die Unsicherheiten aufgrund des staatlich verordneten Wirtschaftsstillstands waren damals gewaltig, die Verbrauchs- und Produktionsprognosen entsprechend schwierig, was zu einem hohen Bedarf an Regelenergie führte. Teverola profitierte – und damit auch Repower.

Inzwischen hat sich das Marktumfeld für Regelenergie in Italien «normalisiert», wie Repower in einer Medienmitteilung vom Donnerstag zu den Zahlen des ersten Halbjahres 2021 schreibt. Entsprechend tiefer fiel das Ergebnis von Teverola im Vergleich zur aussergewöhnlich erfolgreichen Vorjahresperiode aus. Kommt hinzu, dass das Kraftwerk im Februar komplett stillstand. Heisst: Der einstige «Goldesel» ist zwar immer noch profitabel, er steuert aber einen deutlich geringeren Beitrag zum Repower-Gruppengewinn bei. Das hat Spuren in der Halbjahresbilanz hinterlassen: Trotz der insgesamt wieder höheren Nachfrage bei kleinen und mittleren Unternehmen im übrigen Italien-Geschäft ging der operative Gewinn (Ebit) im «Markt Italien» um mehr als einen Viertel von 56 Millionen auf 41 Millionen Franken zurück.

Von höheren Preisen noch nicht profitiert

Auch im Schweizer Geschäft zeigten sich Nachwehen des Lockdowns, allerdings in etwas anderer Form. Aufgrund «langfristiger Absicherungsstrategien zur Ausgleichung des Marktrisikos», wie Repower dies in der Mitteilung formulierte, belasteten die tiefen Strompreise im Frühjahr 2020 das Handelsergebnis des Unternehmens mit Verzögerung. Der Bündner Energieversorger kann von den mittlerweile wieder stark gestiegenen Strompreisen am Markt im laufenden Jahr also noch nicht profitieren, sondern erst ab dem Jahr 2022.

Einen einmalig positiven Effekt aufs Ergebnis hatte dagegen eine Nachzahlung der Schweizer Stromnetzgesellschaft Swissgrid in Höhe von 20 Millionen Franken: Dies wegen einer Kaufpreisanpassung im Zusammenhang mit der im Jahr 2013 erfolgten Überführung der Übertragungsanlagen an Swissgrid. Dieser Sonderfaktor führte dazu, dass das operative Ergebnis auf Stufe Ebit im Schweizer Geschäft trotz des schlechteren Handelsergebnisses im Vergleich zur Vorjahresperiode sogar um drei Millionen (+18 Prozent) auf 21 Millionen Franken zunahm.

Unter dem Strich resultierten für Repower im ersten Halbjahr 2021 ein Ebit von 60 Millionen (Vorjahr: 68 Millionen) sowie ein Gruppengewinn von 42 Millionen (Vorjahr: 41 Millionen). CEO Roland Leuenberger zeigte sich zufrieden mit der finanziellen Performance und sprach an einer Online-Medienkonferenz von einem «sehr soliden» Ergebnis. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei stieg innert Jahresfrist um 31 auf insgesamt 594. 16 Mitarbeitende wurden in der Schweiz neu eingestellt.

54 Millionen Franken investiert

Repower sei finanziell «gut aufgestellt», betonte Leuenberger. Die Strategie mit einem diversifizierten Geschäftsmodell habe sich bewährt und werde fortgesetzt. Grosse Hoffnungen setzt er beispielsweise auf den Bereich Elektromobilität, wo Repower mit den E-Ladestationen Plug’n Roll mitmischt. «Wir sind froh, dass wir in diesem Bereich frühzeitig Investitionen getätigt haben», so der Repower-CEO. Alle Zeichen stünden hier auf Wachstum.  

Konsequent weiterführen will das Unternehmen auch den Ausbau von erneuerbaren Energien, insbesondere wenn diese Winterstrom produzieren. Bestehende Windanlagen und Solarparks werden gezielt erneuert und modernisiert, schreibt Repower dazu. Im vergangenen Mai wurde auf Sardinien der neue Windpark Rosario in Betrieb genommen. Zudem kommt das im Juni 2020 gestartete 125-Millionen-Projekt für die Gesamterneuerung des Kraftwerks Robbia in der Valposchiavo laut Leuenberger plangemäss voran. Die Investitionen im ersten Halbjahr 2021 beliefen sich insgesamt auf 54 Millionen Franken – davon wurden rund 42 Millionen in Graubünden eingesetzt. 

Stefan Schmid ist Leiter Wirtschaft der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Website «suedostschweiz.ch». Mehr Infos

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