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«Wir freuen uns auf Sommer und Herbst»

«Wir freuen uns auf Sommer und Herbst»

Viele Geschäfte litten unter den Corona-Lockdowns. Besonders getroffen hat es hierbei auch die Reisebranche.

Conradin
Liesch
vor 3 Monaten in
Wirtschaft
Claudia und Daniel Amez-Droz.
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Daniel Amez-Droz, der mit seiner Frau Claudia das Reisebüro Monami in Klosters führt, erzählt, wie es ihnen ging, als nichts mehr ging und weshalb er trotzdem und erst recht positiv in die Zukunft blickt.

Hunderte von annullierten Reisen, Kunden in aller Welt, die auf eine Rückreise warten, keine Einnahmen: Der Albtraum eines jeden Reisebüros: «Es hat uns eiskalt erwischt. Niemand hatte das erwartet», erklärt Daniel Amez-Droz. Noch im November 2019 besuchte er ein Meeting mit Reiseveranstaltern, aber Corona war damals noch kein Thema.

Kalt erwischt

Der Frühling bedeutet für ein Reisebüro Hochsaison; dann verreisen viele Einheimische, die grösstenteils schon im Herbst vorher gebucht haben.

Als im März 2020 der Lockdown angeordnet wurde, stand das «Monami»-Team vor grossen Herausforderungen: Die Kunden mussten ihre Reisen umbuchen oder annullieren. «Zuerst dachten wir, ab Herbst 2020 würde sich die Lage wieder normalisieren, dann nahmen wir an, ab Januar 2021, aber es hat beides nicht geklappt», bedauert Amez-Droz.

Dankbar zeigt er sich über viele Stammkunden seines Geschäftes, die spontan auf eine Geldrückzahlung verzichteten und sich stattdessen bereit erklärten, Gutscheine zum späteren Einlösen anzunehmen.

Besonders knifflig war es für das «Monami»-Team, die Dutzenden von Kunden, welche natürlich in aller Welt unterwegs waren, wieder nach Hause zu holen: «Besonders bei fernen Destinationen war diese schwierig», erzählt Daniel Amez-Droz: «Wir hatten unter anderem Reisende in der Dominikanischen Republik, in Südamerika, Thailand, Neuseeland, auf den Bahamas und sogar in China, für die wir Flüge suchen mussten. Wir standen dabei in stetigem Kontakt mit dem Bund, um für unsere Kunden Repatriierungsflüge organisieren zu können.» Dabei waren viele Airlines nicht mehr telefonisch erreichbar, sondern nur noch per Mail – manche praktizieren das bis heute so.

Glücklicherweise zweites Standbein

Ein Reisebüro erzielt in der Regel drei Viertel des Jahresumsatzes bis im Mai. Diese Einnahmen gingen von einem Tag auf den anderen auf Null zurück: «Wir waren praktisch 1½ Jahre ohne Einkommen – ein grosses Desaster, wo man den Koller bekommen könnte», resümiert Daniel  Amez-Droz diese tief greifende Erfahrung.

Zwei Drittel der Einnahmen erzielt das Familienunternehmen «Monami» aus dem Bereich Reisebüro. Dabei werden grosse Umsätze erzielt, aber nur kleine Margen erreicht. Ein Drittel stammt aus der Vermittlung von Ferienwohnungen. «Wir haben zum Glück auch noch dieses Standbein und konnten dabei den Betrieb aufrecht erhalten, haben aber ebenfalls starke Einbussen erlitten», sagt Amez-Droz. «Die Engländer und Deutschen konnten über Weihnachten und Neujahr nicht zu uns kommen, was sich natürlich auch in den fehlenden Buchungen niederschlug.»

Die Variante, das Reisebüro ganz zu schliessen, kam für die Familie Amez-Droz nicht in Frage: «Wir hätten so wieder ganz bei Null anfangen müssen, das war für uns keine Option. Durch die Vermittlung von Ferienwohnungen waren wir immer für unsere Kundschaft da.»

So lebte die Familie – wie viele andere in dieser Zeit auch – quasi von der Altersvorsorge. Ein Kränzchen will Daniel Amez-Droz hier dem Schweizer Staat winden. Dank des Härtefall-Fonds und den damit verbundenen Entschädigungen wurde für viele die schwierige Situation etwas entschärft: «Wir hätten zwar lieber gearbeitet, aber es hilft, die Arbeitsplätze zu erhalten. Trotzdem sind wir nach wie vor ein gesundes Unternehmen und mussten auf die Kredite glücklicherweise nicht zurückgreifen.»

Um die im Reisebüro beschäftigten Lernenden trotz der Situation zu motivieren, wurden sie angehalten, jede Woche einen kurzen Vortrag über eine von ihnen gewählte Destination zu halten; dabei erlangten sie viel Wissen, das ihnen natürlich auch künftig zugutekommt.

Als grösste und natürlich dankbar angenommene Unterstützung bezeichnet Daniel Amez-Droz die Treue der «Monami»-Kundschaft, welche ihre Reisen nicht annullierten, sondern umbuchen liessen.

Langsam zieht das Reisegeschäft wieder etwas an und die Liste der Länder, welche nicht bereist werden können, wird kleiner. Länder wie Italien, Griechenland, Kroatien und Zypern können wieder gut besucht werden – es gibt allerdings keine Liste, die Reisefachleute fragen, empfiehlt sich hier als beste Lösung. Auch Kreuzfahrten können wieder gebucht werden. Die Reedereien belegen die Schiffe mittlerweile nur noch mit 60 Prozent der Kapazität. Erst im Herbst kommen dann auch ferne Destinationen wieder dazu.

Dankbar und positiv eingestellt

«Ich mag nicht jammern und bin froh, dass wir wieder arbeiten können», lächelt Daniel Amez-Droz, «es tut schon gut, auch wenn es bis jetzt wenige Leute sind. Wir sind froh über jeden Gast.». Es hat sich gezeigt, dass viele Kunden, die bis anhin eher über das Internet gebucht hatten, jetzt den Weg ins Reisebüro machen, für Amez-Droz sind die Gründe hierfür klar: «Im Internet sind die Reisen nicht immer billiger. Wir können eine umfangreichere Beratung bieten und da hat es sich gezeigt, dass das Internet dich auch nicht retour holt.» Es sind auch immer mehr junge Leute, welche den Service, den ein Reisebüro bieten kann, schätzen.»

Amez-Droz schätzt, dass der Schock des weltweiten Lockdowns Nachwirkungen zeigt: «Es wird nicht mehr unbedingt billig und viel gereist, sonder eher nachhaltig – wer weiss, wie lange das anhält …»

Jedenfalls sieht er Licht am Ende des Tunnels: «Wir freuen uns auf den Sommer und Herbst!» www.monami.ch

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