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Wissenschaftlerin mit Rückgrat

Wissenschaftlerin mit Rückgrat

«Ihr braucht ein Leben neben dem Labor und eurem Forschungsprojekt. Es gibt so oft Momente, in denen nichts funktioniert. Dann braucht man Familie, Freunde und Hobbys.»

Davoser
Zeitung
vor 2 Monaten in
Wirtschaft
Katja Bärenfaller vor dem Orbitrap Eclipse Massenspektrometer. Dem Kernstück des neuen Zentrums für Proteomics.
zVG

Diesen Ratschlag, den Katja Bärenfaller jungen Forschenden gibt, befolgt sie auch selbst. Dank flexibler Arbeitszeiten und guter Organisation des Familienlebens gelingt es der tatkräftigen Wissenschaftlerin (meistens), ihre zahlreichen beruflichen und privaten Interessen miteinander zu vereinbaren. Vor vier Jahren zog die gebürtige Walliserin mit den beiden Kindern und ihrem Ehemann von Zürich nach Davos. Mit ihrer Ridgeback-Hündin Pina, die sie häufig zur Arbeit begleitet, erwandert sie mit Begeisterung die Bündner Bergwelt.

Engagiert für den Wissenschaftsstandort

Seit 2017 leitet die habilitierte Biochemikerin und Bioinformatikerin die Gruppe für molekulare Allergologie am Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) in Davos. Gleichzeitig engagiert sich Bärenfaller erfolgreich für den Ausbau des Wissenschaftsstandorts Graubünden. Der Kanton Graubünden finanziert im Rahmen seiner Hochschul- und Forschungsstrategie zwei langfristig angelegte Projekte, an deren Entstehung und Umsetzung Bärenfaller beteiligt ist. 2019 entstand an der Fachhochschule (FH) Graubünden das Zentrum für Data Analytics, Visualization and Simulation (DAViS) mit dem SIAF als Kernpartner im Bereich Life Science. DAViS hat zum Ziel, Forschung, Beratung und Service in allen Bereichen der modernen Datenverarbeitung zu bieten. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig. So konnte unlängst anhand eines Datensatzes aus einem polnischen Spital der Krankheitsverlauf von Covid-19-Patienten genauer untersucht werden.

Zentrum für Proteomics

Im August 2020 beauftragte der Kanton Graubünden das SIAF mit dem Aufbau und Betrieb eines Zentrums für Proteomics auf dem Medizincampus Davos. Das Projekt erhält für den Zeitraum 2020 bis 2026 insgesamt 3,49 Millionen Franken. Die Kooperationspartner SIAF, Hochgebirgsklinik Davos, AO Forschungsinstitut Davos und Kantonsspital Graubünden beabsichtigen, mit Hilfe der Forschungsdisziplin Proteomics die molekularen Grundlagen von gewissen Krankheiten besser zu verstehen. Als Proteom wird die Gesamtheit von Proteinen (Eiweissen) in einer Zelle oder einem Lebewesen bezeichnet. Das Bedeutende daran ist, dass die Zusammensetzung des Proteoms spezifisch für einen bestimmten Zustand ist und sich dynamisch ändert. «Proteine sind für viele Vorgänge in unserem Köper verantwortlich. Unser Ziel ist es, diejenigen Proteine zu identifizieren, die eine wichtige Rolle in Prozessen spielen, die in Asthma oder bei Allergien relevant sind. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse können wir neue, personalisierte Therapieansätze entwickeln», erläutert Bärenfaller.

Gegen die Impf-Ignoranz

Seit 2015 äussert sich Bärenfaller in ihrer Freizeit auf Twitter (https://twitter.com/jaggakatja) vor allem zu wissenschaftlichen Themen: «Es braucht Geduld und Durchhaltvermögen, um auf längere Sicht einen Account zu betreiben. Ich wurde auf Twitter aktiv, um über das Impfen und andere Wissenschaftsthemen aufzuklären. Man hat hier als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler eine Stimme, die man zuvor sonst nicht hatte. Als die Coronavirus-Pandemie kam, dachte ich, jetzt würde allen wieder bewusst werden, wie eine Welt in einer Epidemie ohne Impfung aussieht, und dass das Ansehen der Wissenschaft steigen würde, was leider nicht geschehen ist. Ich versuche, Gepolter und Geschrei mit Fakten zu begegnen. Als Wissenschaftlerin muss ich mir einiges anhören und ein dickes Fell haben.» Selbstironisch ergänzt Bärenfaller: «Twittern ist eine gute Übung zur Impulskontrolle.» (pd)


Mehr dazu unter www.academiaraetica.ch oder www.graduateschool.ch

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