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«Es sieht das erste Mal seit langer Zeit wieder positiv für die Gastronomie aus»

«Es sieht das erste Mal seit langer Zeit wieder positiv für die Gastronomie aus»

Die Gastrobetriebe haben coronabedingt geschlossen und fordern finanzielle Hilfe. Hoffnungsvoll erwarten sie nun neue Bundesentscheide, die im Verlaufe des Tages bekannt werden sollen.

Südostschweiz
13.01.21 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Gatsrobetriebe dürfen aufgrund der Corona-Beschlüsse nicht öffnen.
OLIVIA AEBLI-ITEM

In Graubünden sind Restaurants und Bars aufgrund der Coronakrise seit Wochen geschlossen. Für die betroffenen Betriebe eine schwierige Situation: Die Einnahmen fehlen und die Fixkosten müssen bezahlt werden. Wiederholt hat die Gastrobranche darum auf ihre missliche Lage aufmerksam gemacht. Nun scheint es, dass der Bundesrat reagiert. Am Mittwoch will die Landesregierung nämlich neue Beschlüsse verkünden. Franz Sepp Caluori, Verbandspräsident von Gastro Graubünden, erklärt im Interview mit Radio Südostschweiz, was er sich von der Bundesratssitzung erhofft – und wie er die Protestaktion «#wirmachenauf» erlebt hat.

Herr Caluori, die Protestaktion «#wirmachenauf» hat grosses mediales Echo ausgelöst. Wie haben Sie die Aktion in Graubünden erlebt?

Franz Sepp Caluori: Soweit ich weiss, hat die Aktion in Graubünden praktisch nicht stattgefunden. Wir haben jedenfalls keine Reaktionen erhalten. Im Vorfeld hatte es zwar zwei Reaktionen von Restaurants in Davos gegeben, aber diesen haben wir von der Aktion abgeraten und erklärt, dass wir uns mit Entschädigungen auseinandersetzen. Sie haben es dann bleiben lassen.

Im Interview von vergangener Woche haben Sie erwähnt, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für eine solche Aktion ist. Man kann also fast sagen, Ihre Mitglieder sind Ihnen gefolgt?

Ja, das kann man tatsächlich so sagen. Wir sind natürlich näher an der Regierung und den Entscheidungsträgern dran. So wissen wir ungefähr, was herauskommt. Solche Aktionen dann mitzumachen, wäre nur kontraproduktiv gewesen. Wir wollen ja in einem guten Verhältnis mit den Entscheidungsträgern stehen.

Am Mittwoch wird der Bund weitere Entscheidungen kommunizieren. Wie schauen Sie diesem Tag entgegen?

Sehr zuversichtlich. Weil wir Einblick in die Vernehmlassung bei den Kantonen hatten. Wir durften beim Kanton Graubünden mitwirken. Es sieht das erste Mal seit langer Zeit wieder positiv für die Gastronomie aus.

Das heisst, die Massnahmen werden nicht verlängert?

Doch, dies wird wahrscheinlich schon der Fall sein. Es geht eher um die Entschädigungen. Für uns ist es darum gegangen, dass wir entweder öffnen dürfen und selber Geld verdienen können, oder dass die Betriebe zu bleiben, wir dann aber Entschädigungen für unsere Fixkosten erhalten. Ich glaube, es wird in diese Richtung gehen.

Diese Entschädigungen wurden auch im Inserat angesprochen, welches Sie vergangene Woche publiziert haben. Haben die Bemühungen, sich Gehör zu schaffen, etwas gebracht?

Direkt vielleicht nicht. Aber schweizweit wurden alle Kantonsverbände dazu aufgefordert, dagegen zu halten und zu sagen, wie die Situation in der Branche aussieht. Und die Situation ist wirklich schlimm. Ich glaube, gerade damit haben wir unseren Mitgliedern gezeigt, dass wir an vorderster Front für sie kämpfen. Schliesslich ist es so, dass – wenn das rauskommt, was in der Vernehmlassung steht – wir unsere Zwischenziele erreicht haben. Viele Gastronomen können dann aufatmen.

Kommt die Hilfe überhaupt noch rechtzeitig?

Ich denke, lieber spät als gar nicht. Wir sind um jeden Strohhalm froh, den wir bekommen. Anscheinend hat es auch genützt, dass wir gesagt haben, dass die wohlhabende Schweiz ihre Schatulle für die notleidenden Gastronomen und auch für die Sport- und Kulturbranche öffnen darf.

Haben Sie sich auch mit dem zuständigen Regierungsrat Marcus Caduff ausgetauscht?

Immer. Wir schliessen uns ein- bis zweimal pro Woche kurz. Er fragt beispielsweise, wie die Regierung in die Vernehmlassung gehen soll – und wir geben Anregungen. Zum Beispiel erklären wir, wo Hilfe am dringendsten ist. Wir hatten auch am Wochenende Kontakt und durften Inputs geben, welche Caduff dann in die Vernehmlassung eingebracht hat. Ich kann sagen, die Zusammenarbeit mit der Regierung klappt hervorragend – sei es auf wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Ebene. Wenn ich die Erfahrungen mit Gastronomen aus anderen Kantonen vergleiche, sind wir seht gut bedient. Dafür darf man auch Danke sagen.

Konnten Sie also alles in die Vernehmlassung einbringen, was sie wollten? Sind Sie zufrieden?

Zufrieden sind wir erst, wenn wir alle Entschädigungen erhalten. Wir haben dem Regierungsrat auch andere Forderungen gestellt, die dann nicht Bestandteil der Vernehmlassung waren. So sind beispielsweise Hotels und Bergbahnen auch ein Thema für uns. Beim Bundesrat haben diese Betriebe aber nicht oberste Priorität. Jetzt ist mal ein erster Schritt getan – und dann muss der Kanton mit den Verbänden wieder zusammensitzen und nachbessern. (so)

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