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Guido Michelin rät den Glarnern: «Essen Sie su’ause»

Guido Michelin rät den Glarnern: «Essen Sie su’ause»

Die «Glarner Nachrichten» haben für ihre Leser eine Take-away-Speisekarte zusammengestellt. Jetzt ist es an den Feinschmeckern, die vielfältigen Angebote zu nutzen.

Südostschweiz
vor 1 Monat in
Wirtschaft

von Guido Michelin*, Redaktions-Feinschmecker

Geschätze Leser. Sie dürfen mir glauben: Für Restaurant-Kritiker ist die Restaurant-Schliessung im Kanton eine Katastrophe. Nicht nur, weil ich als einziger Restaurant-Kritiker im Kanton jetzt nicht mehr sehr viel Arbeit habe. Sondern auch, weil ich jetzt mein selber gekochtes Essen bewerten muss. Das macht weniger Freude, als man sich vielleicht als neutraler Beobachter vorstellen könnte.

Auf der Redaktion der «Glarner Nachrichten» behaupten deshalb böse Zungen, dass es allein meinem Eigeninteresse zu verdanken sei, dass sie in dieser Zeitung die wohl grösste Speisekarte des Kantons zu lesen bekommen. Das stimmt so natürlich nicht. 

Diese Speisekarte soll im Wesentlichen den Glarner Gastrobetrieben ermöglichen, ihr Angebot bekannt zu machen. In diesen Zeiten ist es nicht ganz einfach, das Publikum zu erreichen. Für den Leser hat dieses System ebenfalls augenscheinliche Vorteile: Sie können sich von Capuns über den Wolfsbarsch bis zur Zigercremesuppe durchbestellen mit dem guten Gefühl, damit nicht nur Bundesrat Berset, sondern auch dem lokalen Gewerbe einen Gefallen getan zu haben.

Konnte man sich im ersten Lockdown als Held fühlen, wenn man zuhause blieb, ist es in diesem Winter etwas komplizierter. Wir sollen nämlich nicht nur die Corona-Zahlen tief halten, sondern auch die Wirtschaft am Leben. Das ist nun nicht mehr ganz so einfach: Die Beizen füllen sich nicht, wenn sie geschlossen bleiben müssen. Und das Gastgewerbe muss auch noch die Schliessungen vom Frühjahr verdauen, was gerade in dieser Branche nicht ganz so einfach zu vollbringen ist. 

Für einmal lasse ich darum meinen sonst unbestechlichen Gaumen auch für diese Aktion einspannen. Zum ersten Mal in der Geschichte empfehle ich die gesamte Speisekarte der «Glarner Nachrichten» für den uneingeschränkten Konsum. Oder, um es in Anlehnung an einen berühmten Ausspruch von Monsieur Berset im März zu formulieren: «Essen Sie su’ause, aber bestellen Sie bei die Wirte in Glarus!»

Es bleibt mir, Ihnen einen guten Appetit zu wünschen. Und natürlich das letzte Wort zu haben: Wenn Sie auch eine Idee haben, wie wir unsere lokale Wirtschaft (nicht nur die Gastronomie) als Gemeinschaft unterstützen könnten, melden Sie sich ungeniert bei uns. Wir sind gern bereit, Öffentlichkeit für Anliegen zu schaffen, die einer Branche helfen. In diesen Zeiten ist Zusammenhalt gefragt. Denn bis wir uns wieder einmal in Echt zuprosten können, dürften noch einige Liter Wasser die Linth herunterrauschen.

*Guido Michelin hat das Kochen von der Pike auf gelernt. Er ist ein Schüler des berühmten Paul Bocuse und hat selbst jahrelang ein Restaurant mit 19 Gault-Millau-Punkten in der Normandie geführt. Seit einigen Jahren geniesst er seinen Ruhestand im Glarnerland. Wo er sich auf eine Entdeckungsreise vom Dürüm-Stand bis zum Spitzenkoch gemacht hat. Er äussert sich in den «Glarner Nachrichten» unregelmässig und mit einem Augenzwinkern über seine gastronomischen Erlebnisse im Glarnerland.

Speisekarte

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