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Protest gegen Spionage-Vorwurf gegen früheren russischen Journalisten

Zehntausende Menschen setzen sich in Russland für den wegen angeblicher Spionage für die Nato inhaftierten Ex-Journalisten Iwan Safronow ein.

Agentur
sda
Donnerstag, 09. Juli 2020, 15:30 Uhr Moskau
Iwan Safronow steht in einem Gerichtssaal in Moskau hinter Gittern und schüttelt einem Unterstützer die Hand. Foto: Sofia Sandurskaya/Moscow News Agency/AP/dpa
Iwan Safronow steht in einem Gerichtssaal in Moskau hinter Gittern und schüttelt einem Unterstützer die Hand. Foto: Sofia Sandurskaya/Moscow News Agency/AP/dpa
Keystone/Moscow News Agency/AP/Sofia Sandurskaya

In einer von der kremlkritischen Zeitung «Nowaja Gaseta» angestossenen Internet-Resolution auf dem Portal change.org forderten Aktivisten Beweise für die Vorwürfe des Landesverrats gegen den 30-Jährigen. Und sie verlangten ein transparentes Verfahren.

«Beweise werden zurückgehalten, wenn sie gefälscht sind», hiess es in der Resolution, die bis Donnerstagnachmittag mehr als 40 000 Menschen unterschrieben hatten. Bewiesen werden müsse etwa, dass Safronow Geld erhalten habe aus dem Ausland für Informationen. Die Proteste - teils auch auf der Strasse - reissen seit Tagen nicht ab.

Der Inlandsgeheimdienst FSB hatte den Journalisten, der für die Zeitungen «Kommersant» und «Wedomosti» auch über Skandale in der Rüstungsindustrie geschrieben hatte, in dieser Woche festgenommen. Safronow weist die Vorwürfe gegen ihn als absurd zurück. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Dutzende prominente Journalisten haben sich für ihn öffentlich eingesetzt. Der russische Journalistenverband forderte FSB-Chef Alexander Bortnikow auf, zu erklären, ob die Verfolgung Safronows mit seiner früheren Arbeit zusammenhänge. Der Beschuldigte ist aktuell Berater bei der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos.

Nach Darstellung seiner Verteidiger wirft der FSB Safronow vor, 2012 vom tschechischen Geheimdienst angeworben worden zu sein. Er soll dann 2017 geheime Informationen über Waffenlieferungen und Einsätze der russischen Streitkräfte in Afrika und im Nahen Osten weitergegeben haben. Abnehmer der Staatsgeheimnisse sollen die USA gewesen sein, sagte der Anwalt Iwan Pawlow von der Organisation Kommanda 28 (Team 29) der Agentur Interfax zufolge.

Mit Blick auf die Resonanz des Falls rief Kremlsprecher Dmitri Peskow erneut dazu auf, die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen. Auch Präsident Wladimir Putin könne sich da nicht einmischen – «selbst bei solchen bekannten Bürgern wie dem sehr bekannten, sehr talentierten Journalisten und Ihrem Kollegen Safronow», sagte Peskow vor Journalisten.

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