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186 Jahre Textilgeschichte in Ziegelbrücke stehen vor dem Aus

Mit der Schliessung der Jenny Fabrics in Ziegelbrücke endet eine weitere Ära in der Glarner Textilindustrie. Ein Blick auf die Geschichte.

Fridolin
Rast
Sonntag, 10. Mai 2020, 04:30 Uhr Weitere Ärä endet
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Die Jenny Fabrics in Ziegelbrücke verabschiedet sich von der Textil-Weltkarte.
ARCHIV

Ende April hat die Jenny Fabrics AG in Ziegelbrücke die Schliessung ihrer Weberei angekündigt. Vorbehalten bleibt ein positives Resultat aus dem Konsultationsverfahren. Bis bis 18. Mai können die Mitarbeitenden Vorschläge machen, wie die Firma doch noch weitergeführt werden könnte. Doch eine Weiterführung bleibe unwahrscheinlich, der Verwaltungsrat habe nicht leichtfertig entschieden, sagt Verwaltungsratspräsident Caspar Jenny. Die weiteren Jenny-Unternehmen, Fritz + Caspar Jenny AG, Immosupport und Ziegelbrücke Energie AG, sind von der Schliessung der Weberei nicht betroffen, wie die Firma festhält. In Niederurnen bleiben damit 35 Arbeitsplätze erhalten.

Ein Familienunternehmen

Erst seit 1986 ist die Fritz + Caspar Jenny eine Aktiengesellschaft, vorher waren die Patrons in einer Kollektivgesellschaft gemeinsame Besitzer der Textilfirma, die 1834 von Fridolin Jenny gegründet wurde. Die neuere Firmengeschichte begann 1997 mit der juristischen Verselbstständigung der (bereits 2001 geschlossenen) Spinnerei Ziegelbrücke AG und der Jenny Fabrics AG, die sich auf die Weberei konzentrierte. Laut den Autoren von «Industriekultur im Kanton Glarus» hin schon die Neuausrichtung von 1997 mit dem zunehmend schwierigeren Umfeld für die Schweizer Textilindustrie zusammen. Caspar Jenny-Hahn, der Sohn von Fritz Jenny-Tarter, übernahm damals die operative Leitung, er ist heute Verwaltungsratspräsident.

Die Jenny Fabrics schreibt auf ihrer Website, sie habe sich im Weben laufend spezialisiert, deshalb investiere sie ständig in Infrastruktur und Maschinenpark. Und sie hat immer wieder Kostendruck abzufangen:

— 2004 kann man von der Weberei Wängi, die den Betrieb aufgibt, Archiv und Know-how der Drehertechnologie übernehmen. Mit eigens umgebauten Webmaschinen und bis zu fünf Kettbäumen pflegt man diese historische Webtechnologie und stellt Bekleidungs- und Vorhangstoffe her. Im gleichen Jahr beteiligt sich Jenny an einer Weberei in Tschechien, um günstiger zu produzieren.

— 2006 findet man einen Partner in China. Man organisiert den Einkauf von hochwertigen Schaftgeweben für die Kunden und wacht in Niederurnen über die Qualität.

— 2008 ersetzt man die Hälfte der Webmaschinen.

— 2010 wird der Rohwarenhandel der Christian Fischbacher Co. AG aus St. Gallen integriert, um Bedürfnisse von Stickereien und Druckereien zu decken.

— 2011 kauft man von Keller AG in Wald – auch sie gibt den Betrieb auf – zwölf Webmaschinen und kann erstmals Gewebe bis zu 340 Zentimeter Breite für Heimtextilien anbieten.

— 2013 werden für eine Kooperation mit der vorarlbergischen Getzner Textil AG 20 Webmaschinen auf Jacquard-Technologie umgebaut – um exklusive Damaste zu weben.

— 2014 tut man sich mit dem chinesischen Partner zusammen, um eine Hemdenstoffkollektion zu produzieren.

— 2017 wird der Maschinenpark um 14 Jacquard-Maschinen erweitert.

— 2018 übernimmt Jenny die Schaftproduktion der WR Weberei Russikon, womit eine Modernisierung des Niederurner Maschinenparks verbunden ist.

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