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Geht den Läden das «Büchsenfutter» aus?

Die Detailhändler der Region sehen sich mit einer erhöhten Nachfrage konfrontiert. Die Bevölkerung will sich für den Ernstfall rüsten. Hamsterkäufe sollen die heimische Vorratskammer füllen und uns Menschen vor einem Engpass schützen. Bisher war das kein Problem. Einen Plan B brauchen die Detailhändler trotzdem.

Mara
Schlumpf
Donnerstag, 12. März 2020, 04:30 Uhr Vorratskäufe wegen Corona
Rösti
Die Nachfrage nach lang haltbaren Lebensmitteln steigt.
PHILIPP BAER

Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Menschen steigt derzeit täglich. Wenn darüber gesprochen wird, fällt im gleichen Atemzug oftmals auch der Begriff «Hamsterkäufe». Bilder von leeren Supermarktregalen in Italien und China machen die Runde in sozialen Netzwerken. Was in Italien bereits Realität ist, könnte in wenigen Tagen auch in der Schweiz und somit im Kanton Graubünden zum Thema werden. Bereits jetzt erblickt man immer öfter das Schildchen «Dieser Artikel ist zurzeit nicht lieferbar» an leeren Regalen. Bisher mussten Bündner Konsumenten noch auf kein Produkt länger verzichten. Doch was passiert, wenn plötzlich deutlich mehr Menschen zu Hause bleiben müssen und sicherheitshalber die Wohnung nicht mehr verlassen dürfen? Was, wenn der Staat plötzlich Regeln zum öffentlichen Leben erlässt, die ein Einkaufen im gewohnten Rahmen verunmöglichen? 

Viele Ostschweizer beschäftigen sich vermehrt mit diesen Fragen. Die Nachfrage nach Konserven, Hygieneartikeln und lang haltbaren Lebensmitteln steigt. Vereinzelt stolpert man in lokalen Supermärkten über leere Ravioli-Gestelle. Andere Regale sind gefüllt – noch. Die Nachfrage steigt derzeit aber weiter an. Coop, Migros und Volg sind auch in der Ostschweiz mit der erhöhten Nachfrage konfrontiert. Wie Coop auf Anfrage erklärt, seien die Nachfragen nach lang haltbaren Lebensmitteln seit rund zwei Wochen schweizweit erhöht.

Bei Volg zeigt sich ein ähnliches Bild, wie Tamara Scheibli, Leiterin Kommunikation bei Volg, auf Anfrage erklärt: «Zum aktuellen Zeitpunkt verzeichnen wir in allen über 580 Volg-Läden in der Deutschschweiz und in der Westschweiz eine leicht erhöhte Nachfrage.» Bei der Migros habe sich die Nachfrage mittlerweile wieder normalisiert, lässt Andreas Bühler, Leiter Kommunikation, verlauten: «Wir haben in der letzten Februarwoche sowie in den ersten Märztagen eine erhöhte Nachfrage nach lang haltbaren Lebensmitteln festgestellt. Seit einigen Tagen hat sich die Nachfrage wieder auf das durchschnittliche Niveau eingependelt.»

Schweizer Produkte sind Trumpf

Bisher sind bei allen Detailhändlern die Waren weiterhin lieferbar. Insbesondere, weil man auf Produkte aus dem Inland setze. So erklärt Scheibli: «Volg führt mehrheitlich Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden.» Auch die Migros bezieht ihre Ware weitgehenst in der Schweiz, stellt einen grossen Teil ihrer Produkte sogar selber her. Deswegen konnte die Migros auch bereits erste Massnahmen einleiten, um der gewachsenen Nachfrage gerecht zu werden, erklärt Bühler. «Die Produktionsbetriebe der Migros haben ihre Produktionsleistung erhöht.» Damit, aber auch mit ausreichenden Transportkapazitäten, könne man einen täglichen Warennachschub in die Verkaufsstellen sicherstellen.

Pandemieplan ist nötig

Abwarten wollen die Detailhändler dann aber doch nicht. Marilena Baiatu, Mediensprecherin von Coop erklärt: «Wir haben seit vielen Jahren einen Pandemieplan und sind in engem Austausch mit den Behörden.» Auch die Migros sagt, sie stehe in regelmässigem Kontakt mit den Behörden und plane verschiedene Szenarien für den Fall, dass sich die aktuelle Situation verändern sollte. Volg hat dafür eigens einen Pandemie-Stab eingesetzt, welcher die Situation laufend analysiere, sowie Massnahmen für verschiedene Eventualitäten entwickle.

Bei den Detailhändlern der Region sind Engpässe bei lang haltbaren Lebensmitteln zurzeit also noch kein Thema. Mit einer Ausnahme: «Desinfektionsmittel sind aktuell nicht verfügbar», vermeldet die Migros.

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