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Zu lange Arbeitszeiten sind bei Bauern kein Thema

Die maximale Arbeitszeit für landwirtschaftliche Angestellte liegt im Kanton Glarus bei 66 Stunden pro Woche. Das ist viel. In Genf sind dies 45 Stunden. In Luzern will man aktuell die 55 Stunden pro Woche herunterfahren.

Claudia
Kock Marti
Montag, 02. Dezember 2019, 04:30 Uhr 66-Stundenwoche
Kein Handlungsbedarf: Laut Fritz Waldvogel haben Angestellte auf den Glarner Alpen zwar lange Arbeitstage, doch sind sie auf gut vier Monate begrenzt.
MAYA RHYNER

In Luzern soll der Normalarbeitsvertrag für landwirtschaftliche Angestellte revidiert werden. Wie die «Bauernzeitung» berichtet, hat der Luzerner Landwirtschaftsrat dazu Vorschläge eingereicht. So sei es wegen der Arbeitsbedingungen und eher tiefen Löhnen schwierig, überhaupt Arbeitskräfte zu finden. Auch Lernende sind in Luzern dem seit 1972 geltenden Arbeitsvertrag unterstellt. Dieser sieht 55 Wochenarbeitsstunden vor. In Glarus sind dies sogar 66 Stunden. Fritz Waldvogel, Präsident des Glarner Bauernverbandes, bestätigt, dass die Wochenarbeitszeiten im Kanton an der Spitze liegen. Trotzdem seien sie im Verband kein Thema, weil im Glarnerland praktisch nur landwirtschaftliche Angestellte auf den Alpen arbeiteten. Bei den Verträgen stimme man sich mit den Bündnern ab, was Arbeitszeiten und den Lohn betreffe.

Für die Lehrlinge gibt es eine spezielle Regelung mit 55 Stunden

«Wir haben die maximal 66 Stunden zwar in den Verträgen drin. Sie sind aber kein Problem», erklärt Waldvogel. Und für die Lernenden würden andere Regelungen mit einer maximalen Wochenarbeitszeit von 55 Stunden gelten. Dies sei im Lehrlingsverbund mit den Bündnern geregelt.

Die Angestellten auf den Glarner Alpen werden laut Waldvogel saisonal für gut vier Monate beschäftigt. Ein Jahressoll zu definieren, wie dies in Luzern mit der Senkung der Wochenarbeitszeit Thema oder in Bern als Jahresarbeitszeit bereits definiert ist, ist darum laut dem Bauernverbandspräsidenten nicht notwendig. Im Unterschied zum Berggebiet spiele in anderen Kantonen der Gemüseanbau eine grössere Rolle, bei dem landwirtschaftliche Angestellte gefragt seien.

«Die Leute wissen, worauf sie sich einlassen», erklärt sich Giorgio Hösli, warum ihm als Älpler und Redaktor der Zeitschrift «Z’Alp» Klagen über zu lange Arbeitszeiten nur ganz selten zu Ohren kommen. Dies am ehesten von Leuten, die nicht aus der Landwirtschaft kommen. In der Regel seien die Angestellten auf den Alpen einigermassen zufrieden, wenn der Lohn stimme.

Für den Bauernpräsidenten ist denn auch klar: «Solange es keine Probleme mit der speziellen Glarner Lösung gibt, besteht kein Bedarf, daran etwas zu ändern.»

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