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KVA Linth baut aus

Die Kehrichtverbrennungsanlage Linth in Niederurnen berichtet von einem guten Geschäftsjahr. Der Wärmeverbund wächst, ein Ofen soll ersetzt werden.

Fridolin
Rast
Donnerstag, 24. Oktober 2019, 04:30 Uhr Gutes Geschäftsjahr
Heisser Ofen: Die KVA Linth verbrennt 110 000 Tonnen Kehricht aus einem Gebiet, in dem 240 000 Einwohner daheim sind.
PRESSEBILD

Die KVA in Niederurnen macht 1,55 Millionen Franken Gewinn. «Erfreulicherweise schliessen wir auch dieses Jahr mit einem sehr guten Ergebnis ab», kommentiert Geschäftsführer Walter Furgler dies im Geschäftsbericht. Ein Erfolg, den die KVA brauche, denn: «Mit dem Grossprojekt KVA Linth 2025 und seinen Kosten ist es wichtig, dass wir Reserven schaffen können.»

So enthält denn auch der Reparatur- und Erneuerungsfonds bereits 24,4 Millionen Franken, die Zuweisung von 2 Millionen im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr bereits mitgerechnet.

Die KVA ist auch ein Kraftwerk

Von den 20,8 Millionen Franken Einnahmen stammen 14,2 Millionen aus den bezahlten Verbrennungsgebühren. Laufender und sorgfältiger Unterhalt lohnt sich laut dem Bericht: Die neuere Ofenlinie 1 war während 8561 Betriebsstunden oder zu 98 Prozent der Jahreszeit verfügbar, die ältere Linie 2 zu 92,3 Prozent.

3,7 Millionen oder fast jeder fünfte Franken kommt aus den Einnahmen für verkauften Strom. Denn die KVA Linth ist auch ein Kraftwerk, das aus Hitze Dampf und daraus via Dampfturbine und Generator Strom macht. Wegen einer Generator-Reparatur stand es allerdings teilweise still, immerhin zahlte eine Versicherung 1,1 Millionen Franken für den Ausfall.

Weniger heiss taugt die Energie immer noch zum Heizen. Und bereits jetzt sind 645 000 Franken mit Fernwärme eingenommen worden, fast so viel wie mit dem Verkauf von Altmetall, das man aus dem Abfall aussortiert.

Mehrere Ausbauprojekte

Fernwärme ist denn auch einer der Zweige, die ausgebaut werden. «Bis Juni 2019 sind über 30 Wärmelieferverträge mit einer Gesamtleistung von mehr als 10,5 Megawatt abgeschlossen worden», so der Geschäftsbericht. Ein Drittel davon wird erst im Herbst 2021 in Anspruch genommen. Bereits sind in diesen Wochen aber die Leitungen sichtbar, die beim Bau der neuen Stichstrasse nach Mollis eingelegt werden. Sie führen zur Krauss Maffei High Performance AG, wie die Netstal Maschinen in Näfels neu heisst. Mit ihr und dem ebenfalls neu angeschlossenen Sportzentrum Lintharena sei die Kapazität ausgeschöpft.

Deshalb soll eine neue Energiezentrale von 17,5 Megawatt gebaut werden. Kostenpunkt für die erste Stufe: 4,1 Millionen Franken. Eine Investition, die sich sogar dann rentiere, wenn über die aktuellen Verträge hinaus keine Abnehmer mehr dazukämen. Damit die Grenzen nicht gleich wieder erreicht werden, kann diese Zentrale bei Bedarf auf das Doppelte ausgebaut werden.

Damit der Ofen nicht ausgeht

Für «KVA Linth 2025» läuft die Planung, bis dann soll der rund 40 Jahre alte Ofen ersetzt werden, der ältere der beiden Öfen. Überkapazitäten seien kein Thema, sagt Armando Zweifel. Der Lachner ist Interims-Präsident (siehe Box) und designierter Nachfolger des im August verstorbenen Markus Schwizer. Die KVA soll mit der neuen Linie auch nicht wesentlich ausgebaut werden, so Zweifel: «Es geht in erster Linie darum, den Abfall aus der Region verbrennen und wirtschaftlich bestehen zu können.»

Noch seien die Kosten nicht genauer bekannt, die Schätzungen liegen laut Zweifel heute zwischen 110 und 140 Millionen Franken.

Ebenfalls in den Ausbauplänen ist ein Gewächshaus unweit der KVA in Niederurnen. Dieses ist abhängig davon, ob die Stimmbürger von Glarus Nord im neuen Zonenplan die nötige Einzonung bewilligen. Zweifel sagt: «Wir hoffen es sehr, das Projekt ist eine Riesenchance, die Abwärme besser zu nutzen.» Kommt es nicht, so sei es nicht einfach, die Energieeffizienz-Vorgaben des Bundes zu erfüllen.

Knapp 20 000 Tonnen Glarner Müll

Die KVA Linth hat in dem Jahr knapp 110 000 Tonnen Kehricht verbrannt, in ihrem Verbandsgebiet wohnen rund 240 000 Leute. Davon kommen 19 267 Tonnen aus dem Kanton Glarus, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zunahme kommt vor allem aus Glarus Nord und wird mit einem neuen Recyclingbetrieb in Bilten erklärt. Die kommunalen Kehrichtlieferungen machen 46,5 Prozent aus, etwas mehr als die Hälfte wurde von Privaten angeliefert.

8300 Tonnen Kehricht stammten aus der Oberengadiner Region Maloja, ihre Anlieferungen sind in den vergangenen Jahren konstant oder leicht zurückgegangen. Rund 10 Prozent weniger als im Vorjahr wurde sogenannter Marktkehricht verbrannt, hier sind es 36 618 Tonnen.

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