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Gesucht: 20 Bauernhöfe, die CO2-Ausstoss um 30 Prozent reduzieren

Angehende Landwirte lernen in ihrer Ausbildung nichts über nachhaltige Produktion, warf die SRF-«Rundschau» vergangene Woche dem Bauernverband vor. In Graubünden setzt man sich bei den aktiven Bauern für den Umweltschutz ein. Nächstes Jahr startet ein Pilotprojekt, bei dem 20 Betriebe ihren CO2-Ausstoss um mindestens 30 Prozent senken sollen.

Südostschweiz
Dienstag, 15. Oktober 2019, 17:00 Uhr Nachhaltige Landwirtschaft
Ob Pflanzenbau oder Maschineneinsatz: In der Landwirtschaft kann der CO2-Ausstoss in vielen Bereichen reduziert werden.
SYMBOLBILD PIXABAY.COM

Klimawandel und Landwirtschaft: Eine wechselseitige Beziehung. Bei grossen Hitzeperioden als Folge des Klimawandels leidet die Landwirtschaft, hat Ernteausfälle und Futterknappheit zu beklagen. Gleichzeitig trägt sie in grossem Mass zum CO2-Ausstoss bei, welcher die Klimaerwärmung massgeblich verursacht. Während die Politik Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft thematisiert, sprechen angehende Landwirte in ihrer Ausbildung nicht über diese Themen, wie die «Rundschau» von SRF letzte Woche aufzeigte. Zusammenhänge zwischen der Landwirtschaft und der Umwelt würden im Lehrplan fehlen: so zum Beispiel das Artensterben durch Pflanzenschutzmittel, die Lebensmittelverschwendung (Foodwaste) durch Überschussproduktion oder die Klimaerwärmung durch Viehhaltung. Dies, obwohl das Bundesamt für Umwelt bei der Teilrevision des Bildungsplans vor drei Jahren forderte, die Nachhaltigkeit zu thematisieren.

«Der Bildungsplan der Landwirtschaft unterliegt derzeit einer grossen Revision», sagte die Bildungsverantwortliche des Bauernverbandes, Petra Sieghart, gegenüber der «Rundschau». 2023 sei die Bildungsrevision abgeschlossen, so Sieghart. «Der Klimawandel wird zum Thema im neuen Lehrplan», verspricht sie.

Vor allem aktive Landwirte angehen

In Graubünden kann man die Anschuldigungen der «Rundschau» gegenüber der landwirtschaftlichen Ausbildung nicht ganz nachvollziehen. «Klimawandel und Klimaschutz sind für mich keine Inhaltsthemen, die man irgendeinem Fach zuordnen muss», erklärt Plantahof-Direktor Peter Küchler gegenüber Radio Südostschweiz. «Vielmehr sind es Umsetzungsthemen.» Küchler ist überzeugt, dass man sich quer durch alle Ausbildungsbereiche – von der Tierhaltung über den Pflanzenbau bis zur Maschinenkunde – diesem Thema annehmen müsse. Damit sei jede Lehrkraft mit diesem übergreifenden Thema konfrontiert. «Denn Ansätze für den Klimaschutz gibt es in jedem Bereich», so Küchler.

Keine Zeit mehr zum Warten

Dass die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit zwingend Teil des neuen Lehrmittels sein müssen, ist für Küchler klar. «Aber mit der Umsetzung der nachhaltigen Produktion haben wir keine Zeit mehr, bis zum Erscheinen des neuen Lehrplans zu warten», sagt er bestimmt. Am Plantahof, dem Bündner Ausbildungszentrum für Landwirtschaft, hat man deshalb bereits einiges in die Wege geleitet, um die CO2-Reduktion in der Landwirtschaft voranzutreiben. Im Fokus der Interventionen liegen bereits berufstätige Bauern – schliesslich sei es nicht zielführend, den Klimawandel nur in der Ausbildung der künftigen Bauerngeneration zu thematisieren. «Dieses Thema gehört meiner Meinung nach in die Weiterbildungen, in Beratungsgespräche und auf die Gutsbetriebe der landwirtschaftlichen Schulen.» Dort könne die Nachhaltigkeit beispielhaft aufgezeigt werden.

So gehts!

Vorzeigen, wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf Landwirtschaftsbetrieben umgesetzt werden können, möchte der Plantahof ab kommendem Jahr in Zusammenarbeit mit 20 Bündner Bauernhöfen. Zusammen mit dem Amt für Landwirtschaft und Geoinformation hat die Bündner Ausbildungsstätte ein Pilotprojekt erarbeitet, wie Küchler erklärt. Damit soll die klimaneutrale Landwirtschaft in Graubünden gefördert werden. «Bei den Pilotbetrieben werden wir zuerst den ökologischen Fussabdruck analysieren. Danach möchten wir aufzeigen, wie man auf allen Ebenen ansetzen kann, um den CO2-Ausstoss um mindestens 30 Prozent zu reduzieren», beschreibt Küchler das Vorhaben. Konkret: Als Erstes wird aufgezeigt, wo – direkt und indirekt – CO2 produziert wird. Das decke von der Tierhaltung über die Tierfütterung, den Pflanzenbau bis zu den Maschineneinsätzen viele Bereich der Landwirtschaft ab, so Küchler. Weiter wolle man herausfinden, wie CO2 aus der Atmosphäre in der Landwirtschaft gebunden werden könne.

Der Plantahof ist nun auf der Suche nach weiteren Betriebe, die am Projekt teilnehmen möchten. Das Projekt soll Landwirtschaftsbetriebe aus dem ganzen Kanton abdecken und wird etwa drei Jahre dauern. (sz)

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Was mich am meisten Interesiert eigentlich: Warum gibt es seit Jahrzenten schon keine Flohrwiesen mehr und aus welchem grund??? Wer kann das mir Erklären und Aufzeigen was besser oder schlechter ist