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759 Leute brauchen Geld vom Kanton

Im Glarnerland liegt die Sozialhilfequote 2018 mit 1,9 Prozent deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt von 3,3 Prozent – obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,1 Prozent gestiegen ist. Einen Tiefstand erreicht die Quote der Alimentenbevorschussung.

Marco
Häusler
Donnerstag, 10. Oktober 2019, 04:30 Uhr Unter dem Durchschnitt
Wer auf Sozialhilfe angewiesen ist, muss jeden Franken zweimal umdrehen: Eine ältere Frau schaut sich bei einem Discounter Schuhe aus Restposten an.
SYMBOLBILD KEYSTONE

Es ist eine Statistik, die menschliche Schicksale in kalte Zahlen presst. Und all jenen, die weiterhin auf Sozialhilfe angewiesen sind, nützt sie wenig. Aber das sind im Glarnerland immerhin deutlich weniger als im landesweiten Vergleich. «1,9 Prozent der Glarnerinnen und Glarner bezogen 2018 Leistungen aus der Sozialhilfe», steht in der gestern veröffentlichten Medienmitteilung aus der Abteilung Soziales des Departementes Volkswirtschaft und Inneres.

Diese 1,9 Prozent entsprechen laut dieser Mitteilung 759 Personen oder 39 mehr als im Vorjahr. Und weil die Bevölkerung zwischen 2017 und 2018 nur minimal zugenommen habe, sei die Sozialhilfequote in dieser Zeit um 0,1 Prozent gestiegen. «Vom Anstieg betroffen sind Personen mit Schweizer wie auch mit ausländischer Staatsbürgerschaft, Männer und Frauen.»

Nichts verändert hat sich an der Zusammensetzung der sogenannten Risikogruppe. Das sind Leute, die besonders häufig auf Sozialhilfe angewiesen sind: Geschiedene, Ausländerinnen und Ausländer und Alleinerziehende, «besonders solche in Haushalten, die aus einer einzelnen erwachsenen Person und mehreren Kindern bestehen» (siehe auch Interview unten).

30 Prozent schaffen den Absprung

Erstmals näher betrachtet wurde die sogenannte Ablösequote, die Anzahl abgeschlossener Sozialhilfefälle. Als solche gelten Fälle, bei denen mehr als sechs Monate keine Sozialhilfe mehr ausbezahlt wurde. Bei kürzeren Unterbrüchen wird der Fall weitergeführt. Daher wurden die Zahlen dazu auch erst für 2017 berechnet. Laut diesen betrug die Ablösequote 30,1 Prozent.

«Den Sprung aus der Sozialhilfe schaffen vor allem Personen, die mit Nicht-Sozialhilfebezügern im selben Haushalt wohnen sowie Paare ohne Kinder», steht dazu in der Mitteilung.

Erfolgreiches Inkasso

Junge bis 25 Jahre und älter Personen ab 65 Jahren hätten überdurchschnittlich hohe Ablösequoten, heisst es weiter. Bei den Seniorinnen und Senioren liegt das aber auch daran, dass sie aus dem Zuständigkeitsbereich der Sozialhilfe fallen. «Da wechselt das System», führt Andreas Zehnder aus. «Sie bekommen in der Regel AHV und Ergänzungsleistungen», sagt der Leiter der kantonalen Hauptabteilung Soziales. «Und das sollte in fast allen Fällen existenzdeckend sein.»

Bei den «erwerbsfähigen Personen», den 15- bis 65-Jährigen, beträgt die Ablösequote 29,4 Prozent. Wie der Sprung aus der Abhängigkeit von der Sozialhilfe generell geschafft wird, erklärt sich Zehnder mit einer «Drittelsregel»: «ein Drittel, weil die Leute mehr arbeiten oder besser verdienen und so ein existenzsicherndes Einkommen erzielen; ein Drittel, weil die Sozialversicherungen einsteigen, vor allem die Invalidenversicherung; und ein Drittel, weil diese Leute den Wohnort wechseln.»

Einen Tiefstand erreichte im Kanton zudem die Quote der Alimentenbevorschussung. Sie reduzierte sich von 0,43 auf 0,39 Prozent. Als «sehr erfreulich» und «nicht selbstverständlich» bezeichnet Zehnder diesen Teil. Einen Vorschuss auf die Zahlungen für den Unterhalt der Kinder leistet der Kanton, wenn diese von der Ex-Partnerin oder dem Ex-Partner nicht bezahlt werden. Davor wird laut Zehnder über die Alimentenhilfestelle allerdings versucht, diese ausstehenden Leistungen einzutreiben. «Und bei der Inkassohilfe ist der Kanton Glarus relativ erfolgreich.»

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Kenne Leute ,die Leben vom Sozialamt oder von der IV und haben Geld für Zigaretten,Geldspielautomaten ,Smartphones und Getränke wie Caffe ,Bier in der Beiz u s w. Da frage ich mich?ist das Lebensnotwendig.