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Geld für die Pitsch-Arbeiter

Gute Nachrichten für die Arbeitnehmer der in Konkurs gegangenen Pitsch AG: Sie bekommen noch dieses Jahr eine erste Zahlung.

Jano Felice
Pajarola
Samstag, 21. September 2019, 04:30 Uhr Nach Konkurs
Pitsch
Areal der Konkurs gegangenen Bauunternehmung Pitsch.
THEO GSTÖHL

Thusis Im Konkurs über die Baufirma Pitsch AG hat gestern in Thusis die zweite Gläubigerversammlung stattgefunden. Nur 50 der 384 Gläubiger waren anwesend, damit war die Versammlung nicht beschlussfähig. Trotzdem kann die Konkursverwaltung ihre Arbeit fortsetzen, denn laut Gesetz werden ihre Anträge in solchen Fällen automatisch zum Beschluss erhoben, wie Konkursverwalter Jürg Girschweiler ausführte. So kann nun das auf 10,6 Millionen Franken geschätzte, 30 000 Quadratmeter grosse Werkhofgrundstück der Pitsch AG in Thusis veräussert werden. Laut Sandro Gmür von Girschweiler Partner gibt es bereits diverse Angebote, «aber sie entsprechen noch nicht unseren Vorstellungen».

Uneins mit den Banken

Für ein Grundstück der AG in Flims macht die Besitzerin, die Bürgergemeinde, das Recht auf Heimfall des Baurechts geltend. Dafür bezahlt sie 195 000 Franken in die Konkursmasse. Verkaufen wird die Konkursverwaltung zudem zehn Wohnungen und 15 Autoabstellplätze in Maloja aus dem Besitz der Baugesellschaft Longhin, an der die AG zu 78 Prozent beteiligt war.

Fortgeführt werden mehrere infolge des Konkurses sistierte Gerichtsprozesse, bei denen es um Gläubigerforderungen von total 550 000 Franken geht. Verhandlungen sind zudem mit den kreditgebenden Banken der AG nötig. Sie machen geltend, aufgrund einer Globalzession der Firma Pitsch Anrecht auf Debitorenguthaben von 1,5 Millionen Franken zu haben. Doch seitens des Gläubigerausschusses laufen Abklärungen zur Gültigkeit dieser Zession. «Wir wollen eine einvernehmliche Lösung», so Ausschuss-Präsident Stefan Metzger. Ein Rechtsstreit solle vermieden werden, betonte auch der Vertreter der Banken an der Versammlung.

Überprüft wird die Anfechtbarkeit von Transaktionen, die bis fünf Jahre vor dem Konkurs abgeschlossen wurden. Unter anderem geht es dabei um einen Vermögensübertragungsvertrag zwischen der Pitsch AG und der neu gegründeten Sulagl Immobilien AG, bei der Aktiven von 8,2 Millionen, Passiven von 6,1 Millionen sowie mutmassliche stille Reserven auf die neue Gesellschaft transferiert wurden – «zum Preis von null Franken», so Gmür. Die Immobilien der Sulagl AG sind blockiert, eine Anfechtungsklage ist in Vorbereitung. Der Anspruch wird auf fünf Millionen geschätzt.

Was aus all diesen Aktivitäten an Erträgen zugunsten der Konkursmasse resultiert, ist derzeit offen. Deshalb kann gemäss Gmür zu einer Auszahlung an die Gläubiger der 3. Klasse noch keine Aussage gemacht werden. Die Gläubiger der 1. Klasse – darunter die Arbeitnehmer mit ihren Löhnen und Pensionskassenbeiträgen – sollen hingegen noch dieses Jahr eine erste Abschlagszahlung von mindestens 50 Prozent erhalten.

Totalausfall möglich

Insgesamt konnten bisher Aktiven von 5,7 Millionen Franken generiert werden, die zugelassenen Forderungen liegen bei 41 Millionen. Die bislang aufgelaufenen Konkurskosten betragen 1,7 Millionen – «es ist ein sehr aufwendiges Verfahren», meinte Gmür. Die Dividendenprognose: 100 Prozent für Grundpfandgesicherte, 75 bis 100 Prozent für Gläubiger der 1. Klasse. Für die weitaus umfangreichste dritte Klasse könnten es maximal 50 Prozent sein – oder ein Totalausfall.

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