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Die Zanonis mauern und mauern und mauern

1958 wanderte Bruno Zanoni aus Italien in die Schweiz ein und begann seine Arbeit bei der Bauunternehmung Trümpi AG in Mitlödi. Heute ist neben seinem Sohn Marco mit seinem Enkel Sandro bereits die dritte Generation bei der Firma angestellt.

Südostschweiz
Mittwoch, 05. Juni 2019, 04:30 Uhr Familienbande
Bruno Zanoni (Mitte) wanderte 1958 ein und arbeitete für die Firma Trümpi. Sohn Marco (rechts) und Enkel Sandro tun es gleich.
EDI HUBER

Von Jürg Huber*

Vieles hat sich im Laufe der Zeit auf dem Bau verändert, eines ist gleich geblieben: die Freude an der Arbeit im Freien und der Stolz auf das Geschaffene. Auf jeden Fall erhält man diesen Eindruck, wenn man mit den drei Generationen Zanoni aus Schwanden spricht.

Hier sind nämlich Vater Bruno und Sohn Marco gelernte Maurer bei der Bauunternehmung Trümpi, und seit letztem Jahr hat der Enkel Sandro seine Ausbildung begonnen. «Wenn mein Vater mit der staubigen Kleidung von der Arbeit nach Hause gekommen ist, hat mich das jeweils ganz stark beeindruckt», sagt Marco. So sehr, dass für ihn nie ein anderer Beruf in Frage kam, als er dann 1984 seine Lehre begann. Nun, als Kundenmaurer, gibt er Projekten den Feinschliff oder führt kundenspezifische Anpassungen aus.

«Nach der Lehre ist mein nächstes Ziel die Weiterbildung zum Polier.»
Sandro Zanoni

Sein Vater war da eher der Mann fürs Grosse. Kaum ein Kilometer des Abwasserverbandskanals zwischen Linthal und Ennenda, an dem er nicht mitgearbeitet hat. «Mehr als eine Schubkarre und einige Holzbretter hatten wir kaum, um unsere Arbeit bei teilweise schweren Bedingungen zu bewältigen.»

Heute eine ganz andere Welt

Bei seinem Sohn Marco sind dann die ersten Halbfabrikate, Pumpen und Schalungselemente dazugekommen. «Wenn Sandro auf die Baustelle kommt, hat er mit Theodoliten und GPS, aber auch mit Beton mit integrierten Kunststofffasern zu tun», berichtet Simon Trümpi, Geschäftsführer Bauunternehmung Trümpi AG, aus der Gegenwart.

«Wenn er staubig von der Arbeit zurückgekommen ist, hat mich das beeindruckt.»
Marco Zanoni

Als er feststelle, dass bereits die dritte Generation Zanoni in seinem Geschäft tätig ist, habe ihn das sehr stolz gemacht. «Da stimmt wohl nicht nur der Beruf, sondern auch der Zusammenhalt in unserer Firma.» Ihn habe auch überrascht, dass der Jüngste, Sandro, schon kurz nach Beginn der Ausbildung klare weitere Pläne habe: «Nach der bestandenen Lehre ist mein nächstes Ziel die Weiterbildung zum Polier», sagt Sandro. Natürlich Honig in den Ohren für seinen Chef.

Denn auch in der Baubranche ist der Mangel an Fachkräften eine grosse Herausforderung. «Wir wollen vor allem vermeiden, dass wir aus anderen Branchen Projektleiter oder Ähnliches rekrutieren müssen. Wir wollen vielmehr Leute einstellen, die das Bauhandwerk von der Pike auf gelernt haben», erklärt Trümpi.

«Mehr als eine Schubkarre und Holzbretter hatten wir nicht für unsere Arbeit.»
Bruno Zanoni

Die Maurer-Lehre war schon immer für deren hohen Löhne bekannt, daran habe sich auch in den letzten Jahren nichts geändert. Aktuell erhält ein Maurer ab der Lehre und mit drei Jahren Berufserfahrung 5500 Franken im Monat. Das ist ein Lohn, von dem Bruno Zanoni 1958 nicht einmal zu träumen wagte, als er damals bei einem Stundenlohn von 1.85 Franken pro Stunde als Handlanger im Glarnerland zu arbeiten begann. Aber zu finden ist bei ihm kein Missmut darüber. Im Gegenteil: Noch immer ist ihm der Stolz für die eigene Arbeit anzusehen.

*Jürg Huber ist Pressebeauftragter der Glarner Handelskammer.

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